Freude auf das eigene Bett

<strong>Das 'Reich' von Alexander 'Onko' Kodera:</strong> Dem FC Hansa wurde im Hotel IC Santai eigens ein Zeugwartraum zur Verfügung gestellt. <fotos>Peter Richter</fotos>
Das "Reich" von Alexander "Onko" Kodera: Dem FC Hansa wurde im Hotel IC Santai eigens ein Zeugwartraum zur Verfügung gestellt. Peter Richter

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11. Januar 2013, 08:13 Uhr

Belek | Am meisten zu tun vom Funktionsteam des FC Hansa haben in Belek die Physiotherapeuten Frank Scheller und Steffen Rische. Trainer Marc Fascher: "Die Physios geben Vollgas und stellen die Jungs, punktuell unterstützt von Doc Holger Strubelt, rasch wieder her."

Bei Zeugwart Alexander Kodera geht es dagegen fast schon gemütlich zu. "Wenn die Spieler ins Hotel zurückkommen, werfen sie ihre Klamotten in einen bereitstehenden Wagen, dann wird das alles abgeholt und ist nach spätestens zweieinhalb Stunden frisch gewaschen wieder da. Ich lege die Sachen nur zusammen und sortiere sie. Das ist ein Aufwand von 45 Minuten pro Trainingseinheit", schildert er seinen Arbeitstag. "Der größte Stress war nach der Anreise das anderthalbstündige Aufpumpen der 40 Bälle, und dass ich mich in diesem Riesenhaus erst mal orientieren musste, weil die Trainer in einem anderen Flügel untergebracht sind. Die Mannschaft und wir sind hingegen auf einer Etage zusammen, da lässt es sich sehr angenehm arbeiten. Die Abläufe sind die gleichen wie in Rostock, nur müssen wir zu Hause selber waschen und trocknen und haben weitere Wege."

Der "Barbier" entpuppt sich als Inder

In Belek hatte "Onko" genug Muße, um zwischendurch sogar zum Friseur zu gehen. Eine klassische türkische Komplettrasur schwebte ihm vor inklusive feuchtwarmer Umschläge sowie Haarentfernung mit Faden und offener Flamme. Doch sein Wunsch ging nicht in Erfüllung: Der "Barbier" entpuppte sich als Inder. So musste sich der 40-Jährige mit einem herkömmlichen Schnitt begnügen.

Dass er von jedermann nur "Onko" gerufen wird, hat er wegen der Ähnlichkeit der Nachnamen dem früheren Mittelfeldspieler von Werder Bremen Yasuhiko Okudera zu verdanken. Das kam auf, als Kodera in der B-Jugend für den SV Warnemünde spielte. Schon in jungen Jahren hörte er aber mit dem Fußball auf, wurde 1992 Mannschaftsbetreuer der A-Junioren des FC Hansa. Als der Zeugwart der Profis Andreas Thiem 1996 längere Zeit krankheitsbedingt ausfiel, sprang Kodera erstmals ein. Nachdem die zweite Mannschaft 1997 in die Regionalliga aufstieg, damals dritthöchste Spielklasse, war das mit soviel Mehraufwand verbunden, dass einer allein das Pensum nicht mehr schaffte. So wurde der gelernte Maler und Lackierer, der auch als Möbelpacker arbeitete, schließlich hauptamtlicher Zeugwart für den Amateur- und Nachwuchsbereich. Und das ist er noch heute, im bereits 16. Jahr. Er hilft gegenwärtig lediglich erneut bei den Profis aus, bis zur vollständigen Genesung von Andy Thiem nach seinem Herzinfarkt: "Ich hoffe, dass er bald gesund ist und das ab 1. Februar wieder übernehmen kann."

Den "Leerlauf", den Alexander Kodera in Belek genießt, hat er zu Hause bei Weitem nicht: "Da fängt der Arbeitstag morgens um halb neun an und hört abends halb zehn auf. Wenn doch mal Zeit ist, fahre ich gern zu Konzerten der Sängerin Helene Fischer, von der ich ein großer Fan bin. Am 15. Juni tritt sie in Gelsenkirchen auf. Ich hoffe, dass unser Vorstand Sport Uwe Vester da was machen kann mit ’ner Karte, er hat ja schließlich lange genug auf Schalke gearbeitet."

"Wenn das hier vorbei ist, mache ich drei Kreuze", stöhnte Andreas Thiem bei den vorangegangenen Trainingslagern immer. Und was macht "Onko", der übrigens bei Hansa auch der "Chef-Beflocker" für alle Trikots von den Profis bis hinab zu den F-Junioren ist? "Ich wäre einfach nur froh, wenn sich am Sonntagabend nach unserer Landung in Laage zeigt, dass all unser Gepäck wieder mit nach Hause gekommen ist. Und sonst freue ich mich auf mein eigenes Bett."

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