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25. September 2017 | 19:09 Uhr

Frauen-WM als Gradmesser

vom

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2010 | 07:32 Uhr

Schwerin | Kasachstan, Kuba, USA, Kroatien und Thailand sind die Gegner der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Japan, die heute Nacht beginnt und bis zum 14. November dauert. Deutschland bekommt es in der Vorrunde in Matsumoto mit klangvollen Namen zu tun: Kuba ist dreifacher Olympiasieger, die USA haben im Sommer den Grand Prix und 2008 in Peking die olympische Silbermedaille gewonnen. Keine leichte Aufgabe also für die Auswahl von Bundestrainer Giovanni Guidetti. Die ersten vier Teams der Vorrunde ziehen in die Zwischenrunde ein. Während der ersten Auftritte werden auch der Vorsitzende der Deutschen Volleyball-Liga (DVL), Michael Evers (Schwerin), und DVL-Geschäftsführer Thorsten Endres vor Ort sein. In Tokio werden beide auch die Vertragsfortsetzung mit dem langjährigen DVL-Partner, dem Ballhersteller Mikasa unterschreiben. Vor Reiseantritt sprach Michael Evers mit Klaus Wegener über seine Erwartungen an die WM.

Herr Evers, was wünschen Sie sich als WM-Ergebnis, nachdem die Männer in Italien Platz 8 erreicht haben?

Michael Evers: Platz 8 der Männer war sehr gut, aber wir hatten schon erwartet, dass das Team spielerisch einen Ausreißer nach oben landen könnte. Das war leider nicht so, deshalb schraube ich meine Erwartungen bei den Frauen etwas zurück. Es ist nun mal ein Unterschied zwischen guten Ergebnissen in der Vorbereitung und dem Spielen bei einer WM. Ich wäre froh, wenn die Frauen auch Platz 8 erreichen.

Die letzten Platzierungen bei einer WM waren nicht berauschend: Rang 13, zehn und elf…

Vor vier Jahren hatten sie aber auch Pech, als ihnen 0,004 Ballpunkte fehlten, um unter die ersten Acht zu kommen. Ich hoffe, dass das Team inzwischen gereift ist. Die vielen Wettkämpfe der letzten Jahre sollten jetzt eine Wirkung zeigen.

Muss jetzt nicht mal der Knoten platzen und ein toller Erfolg her?

Das wäre wünschenswert und würde auch die zahlreichen Bemühungen der Bundesligavereine beflügeln. Sicher ist die Mannschaft auf allen Positionen gut besetzt. Zudem lobt der Bundestrainer den Kampfgeist und den Zusammenhalt, aber das allein reicht nicht. Es ist auch individuelle spiele rische Weltklasse notwendig.

In der Breite sind wir ganz gut aufgestellt

Der Bundestrainer sagt, dass ihm eine klasse Außen-Annahmespielerin fehlt, wie es früher Sylvia Roll oder Hanka Pachale waren.

In der Breite sind wir ganz gut aufgestellt. Aber in der absoluten Spitze fehlt noch die Klasse. Heute ist das Team ausgeglichener als früher, als alles auf Angelina Grün zugeschnitten war.

Wie beurteilen Sie, dass inzwischen ein halbes Dutzend der WM-Teilnehmerinnen im Ausland unter Vertrag steht?

Das ist ein Spiegelbild der Liga. Irgendwo sind sie ja hergekommen. Dass eines Tages die Besten abgeworben werden, gehört zum Geschäft. Es ist ein gutes Zeichen für die Arbeit der Liga.

Guidetti hat erklärt, er wäre bereit, in der Liga zu arbeiten, wenn es einen Klub gäbe wie den VfB Friedrichshafen bei den Männern, der dann aber auch nur mit den besten deutschen Spielerinnen antritt. Ist das denkbar?

Nein. Wünsche kann er ja äußern. Aber das wäre eine echte Wettbewerbsverzerrung innerhalb der Liga. Es würde der Liga nicht gut tun, wenn eine Mannschaft von vornherein als Meister feststeht, weil dort alle Nationalspielerinnen auflaufen.

Stützen Sie Guidettis Prognose, dass die Liga stärker wird, wenn der deutsche Meister in der Champions League spielt? Guidetti sagt, dann müssten die Klubs hierzulande aufrüsten, um nicht den Anschluss zu verlieren.

Ich weiß nicht, ob das Schwein vom vielen Wiegen fetter wird. Natürlich ist das Bestreben der Bundesligisten da, in der Champions League spielen zu wollen. Aber das setzt das Erfüllen aller Teilnahmebedingungen voraus. Eine TV-Produktion muss sichergestellt sein, die Geld kostet, was den Vereinen dann fehlt, um in die Mannschaft investieren zu können. Keiner will nur der Prügelknabe der Champions League sein. Es ist nicht unattraktiver, in einem anderen Europapokal-Wettbewerb zu spielen und dort gewinnen zu können. Dresden hat es in diesem Jahr mit dem Gewinn des Challenge Cups vorgemacht. Als DVL wollen wir, dass ein Platz in der Königsklasse besetzt wird, aber es bleibt schwer, alle Voraussetzungen, sportlich wie finanziell, zu erfüllen.

8. Platz bei einer WM im Fernsehen nicht beachtet

Stichwort Fernsehen: Bei der Männer-WM gab es keine TV-Bilder in Deutschland, bei den Frauen wird es ähnlich sein.

Es ist mehr als nur bedauerlich, dass ein 8. Platz bei einer WM in einer Sportart wie Volleyball, die von sehr vielen Menschen selbst ausgeübt wird, im deutschen Fernsehen keine Beachtung findet. Wenn das Fernsehen am Ende auf den Zug aufspringt, weil das Team erfolgreich ist, dann ist das okay. Aber mir wäre wohler, wenn wir ein festes Kontingent an TV-Zeiten hätten.

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