Fahrerstreik auf dem Bergring

Gesprächsbedarf: Nach der Trainingsrunde diskutieren die Fahrer am Vorstart, ob sie am Rennen teilnehmen. Beier (2)
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Gesprächsbedarf: Nach der Trainingsrunde diskutieren die Fahrer am Vorstart, ob sie am Rennen teilnehmen. Beier (2)

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20. Mai 2013, 06:58 Uhr

Teterow | Das gab es noch nie in der 83-jährigen Geschichte des Teterower Bergrings: Noch am Sonntag um 15 Uhr hing die Austragung des zweiten Teils der zweitägigen Veranstaltung wegen eines Fahrerstreiks am seidenen Faden. "Das ist viel zu gefährlich, vor allem in der Nodkurve ist die Piste praktisch nicht befahrbar", lauteten die Argumente der Fahrer-Vertreter Stephan Katt, Roberto Haupt und Enrico Janoschka.

Am Sonnabend konnten die meisten Läufe bei besten Bedingungen absolviert werden. Aber gegen 16 Uhr setzte starker Regen ein, der zur Verkürzung der letzten Durchgänge und zur Absage der Clubmeisterschaft führte. Bis gegen 21 Uhr gingen geschätzte 25 Liter pro Quadratmeter auf die Bahn nieder.

Am Sonntagmittag glich die Grasbahn einer Schlamm-Wüste. Fleißige Helfer bemühten sich stundenlang darum, vor allem im Start-und-Zielraum reguläre Bedingungen herzustellen, selbst schwere Technik wurde eingesetzt. Schließlich wurden Moto-Crosser und Quads auf die Piste geschickt, um die Bahn möglichst trocken zu fahren. Als dann gegen 14 Uhr mit zweistündiger Verspätung die geländegängigen Maschinen ihre ersten Punktläufe absolvierten, probten die Grasbahn-Fahrer den Aufstand. Zunächst mit einem rund 20-köpfigen Aufgebot, schließlich mit drei Delegierten, versuchten sie, den Veranstalter zur Absage zu drängen. Der hatte dafür gar kein Verständnis: "Wir haben alles getan, um vernünftige Bedingungen zu schaffen. Die Bahn war in früheren Jahren schon wesentlich schlechter, und dennoch sind Rennen ausgetragen worden", argumentierte Clubchef Adolf Schlaak.

Nach langem Hin und Her schließlich der Kompromiss: Zunächst werden zwei Trainingsrunden gefahren, danach entschieden, ob das Rennen gestartet wird. Letztlich beugte sich der Großteil der Piloten dem Druck von Veranstalter und Fans und trat an. Nur einige wenige, darunter der Titelverteidiger im "Grünen Band", Roberto Haupt, verzichteten auf die weitere Teilnahme.

Bewundernswert und immer wieder von den Club-Verantwortlichen gelobt: Die etwa 15 000 Zuschauer trugen es mit erstaunlicher Gelassenheit, dass der erste Sonntags-Punktlauf der Königsklasse mit rund dreistündiger Verspätung gestartet wurde. Von Unmutsbekundungen praktisch keine Spur, stattdessen geduldiges Warten auf den Rängen. Und das wurde belohnt: In der Folge gab es durchaus ansehnliche Läufe, und allmählich wurden die gefahrenen Zeiten immer besser.

In den Hauptläufen gab es durchweg Überraschungs-Sieger. Das "Grüne Band" ging an den Niederländer Dirk Fabriek, der nach längerer Pause erstmals wieder antrat. Im Finale um den Bergring-Pokal wollte er allerdings zu viel, attackierte in der zweiten Runde in der an diesem Tag als besonders gefährlich eingestuften Nordkurve und stürzte. Zwar wurde er mit dem Rettungswagen abtransportiert, war aber wenige Stunden später zur Auszahlung des Preisgelds wieder wohlbehalten zurück.

Der Bergring-Pokal ging an Dennis Stübe. Der Lokalmatador hatte im Vorjahr in diesem Rennen die Ziellinie als Zweiter passiert, aber eine Disqualifikation wegen Frühstarts ignoriert. Dass er in diesem Jahr erneut eine solche Leistung abliefern würde, hatten ihm nicht viele zugetraut.

Ein altbekanntes Gesicht sah man bei der Siegerehrung der Moto-Crosser: Zum neunten Mal ganz oben auf dem Treppchen stand Guido Skoppek, der sich im Finale souverän durchgesetzt hatte. "Dass es so gut klappen würde, hätte ich nicht erwartet", kommentierte der Schweriner, der sich aus dem aktiven Sport weitgehend zurückgezogen hat, sein Ergebnis, um gleich auf das Speed-Cross-Finale vorauszublicken: "Ich starte aus der letzten Reihe und müsste für einen Sieg mindestens zehn Fahrer überholen. Das ist bei den Verhältnissen heute unheimlich schwer…" Er sollte Recht behalten: Wie im Vorjahr wurde er Vierter. Der Sieg ging an Harvie Banks, Sohn des einstigen Publikums-Lieblings Trevor Banks.

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