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Moderne professionelle Strukturen beim Zweitligisten Post Schwerin : "Es ist Zeit, die Weichen neu zu stellen"

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Die Vorschlusslorbeeren, dass Post in der eingleisigen 2. Bundesliga ist, sind vorbei. Wir brauchen jetzt klare Wege, es muss nach vorne gehen, vieles professioneller ablaufen", so der Marketingchef Burkhardt Tiedt.

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erstellt am 23.Nov.2011 | 11:30 Uhr

Schwerin | Sportlich läuft’s bei den Schweriner Post-Handballern, auch wenn zuletzt beim Erstliga-Absteiger TSG Ludwigshafen-Friesenheim eine völlig unnötige 27:29-Niederlage kassiert wurde. Mit 11:11-Zählern und Tabellenplatz zehn (zieht man dem DHC Rheinland die acht Pluspunkte wegen Lizenzverstoß aus der Vorsaison ab) ist die Truppe von Trainer Christian Prokop unterm Strich durchaus im Soll in der 20er Liga. "Sportlich bin ich sehr zufrieden", verkündet Marketingchef Burkhardt Tiedt, "nun müssen wir unsere Hausaufgaben auch in anderen Bereichen machen. Die Vorschlusslorbeeren, dass Post Schwerin in der eingleisigen 2. Bundesliga ist, sind definitiv vorbei. Wir brauchen jetzt klare Wege, es muss nach vorne gehen, vieles professioneller ablaufen."

Unternehmen SV Post bewegt eine Million Euro pro Saison

Was Tiedt - seit Anfang Januar für den Marketing- und Sponsorbereich bei dem Mecklenburger Traditionsverein verantwortlich - damit meint, benennt er im Exklusivgespräch klipp und klar: "Der SV Post ist ein Wirtschaftsunternehmen, das pro Saison eine Million Euro bewegt. Und das alles per Ehrenamt, reicht heutzutage nicht mehr. Es ist Zeit, die Weichen neu zu stellen in Richtung zeitgemäßer Strukturen!" Der Geschäftsführerposten sei nebenamtlich besetzt. Im Tagesgeschäft und der Büroorganisation bestehe erheblicher Verbesserungsbedarf.

In den Fokus rückt vor allem Hans-Ulrich Witt. Der Inhaber einer Heizung-Sanitär-Firma in der Landeshauptstadt, selbst einst Post-Handballer der ersten DDR-Oberliga-Stunde im Jahr 1970, ist nach seiner aktiven Zeit bis heute als Gesellschafter und Sponsor mit Herzblut bei seinem SV Post dabei.

Zusammen mit Gesamtvereins-Präsident Peter Rauch bestimmt Witt seit der Wende ganz wesentlich die Geschicke des Vereins. Im vergangenen Jahr sprang Witt kommissarisch als Post-Geschäftsführer ein, als der Vorgänger auf dem Posten erkrankte. "Wenn alles konsolidiert ist, höre ich auf", hatte Witt vor Monaten als Prämisse ausgegeben. Und natürlich konnte das nur ein Feuerwehreinsatz sein. Seine private Firma und das Unternehmen Post Schwerin - beides ist über eine längere Zeit im Grunde nicht zu stemmen. "Es ehrt ihn, sein Engagement für den SV Post ist überaus lobenswert und ich betrachte dies mit großem Respekt", betont Tiedt.

"Gutes Marketing ist im Normalfall mit einem Budget verbunden"

Dieser mahnt vor allem an: "Seit Monaten rennen wir Sachen hinterher, versuchen zu reagieren statt zu agieren. Konzepte, die erforderlichen Wege fehlen." Ernüchterung ist beim Marketingverantwortlichen deutlich hörbar, wenn er sagt: "Gutes Marketing ist im Normalfall mit einem Budget verbunden. Wenn es das nicht gibt, ist auch diese Position nur sehr schwer auszufüllen." Auch mit Blick auf die in der Saison bisher doch arg enttäuschenden Zuschauerzahlen (im Schnitt bisher 1218 statt der angepeilten 2000), fuhr Tiedt fort: "Wir müssen strategisch was machen, zeitgemäßes Marketing machen. Dazu muss es auch die Möglichkeit geben, es umzusetzen. Das fehlt. Unterm Strich gibt es einen Punkt: Leider ist das Thema Geld so stark besetzt, dass vieles nicht möglich ist."

Manchmal sei es besser, einen Euro ausgeben, um zwei einzunehmen, als auch noch den einen Euro einzusparen. "Das ist die Krankheit bei Post", so Tiedt, der hinzufügt: "Die Bereitschaft der Unternehmen der Region ist nach wie vor sehr groß. Doch wir müssen den Sponsoren auch was bieten und da gibt es noch deutlich Potenzial nach oben."

Und er glaubt an die Zukunft des Bundesliga-Handballs in Schwerin: "Finden wir hier noch ein Publikum von 2000 bis 5000 Fans? Oder ist die Zeit eine andere geworden? Ja, ich glaube daran, dass wir das hinbekommen, um mit professionelleren Strukturen erfolgreich in der 2. Liga zu spielen - mit der Perspektive, auch einmal wieder einen Schritt nach oben zu gehen."

Ohne (Erstliga-)Träume geht’s nicht im Leben. Ihren Handball-Traum beim Traditionsverein SV Post, dafür leben sowohl Tiedt als auch Witt. Wobei Letzterer, so macht es zuletzt den Eindruck, physisch und psychisch am Limit angekommen ist in seiner Doppelfunktion als Firmeninhaber und Geschäftsführer der Zweitliga-Handballer.Dies verwundert nun wirklich nicht.

Doch eines ist klar: Uli Witt ist angetreten, den "Post-Laden" finanziell glatt zu ziehen. Und das wird er machen, so kennt man ihn.

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