Erinnerungen an goldene 70er und 80er Jahre

<strong>Siegfried Sanftleben,</strong> Heinz Strauch und Jürgen Rohde  (von links) zeigen das Original-Plakat vom Hinspiel des Europapokal-Finales 1979 gegen Großwallstadt. <foto>Herold</foto>
Siegfried Sanftleben, Heinz Strauch und Jürgen Rohde (von links) zeigen das Original-Plakat vom Hinspiel des Europapokal-Finales 1979 gegen Großwallstadt. Herold

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28. September 2013, 03:08 Uhr

Rostock | "Das waren noch Zeiten&#8230;" Beim Aufeinandertreffen der Handball-Zweitligisten HC Empor Rostock und TV Großwallstadt morgen ab 16.30 Uhr in der Ospa-Arena werden sich die Fans beider Teams der gol denen 70er und 80er Jahre erinnern. Beide Teams waren damals in Ost und West DIE Aushängeschilder des geteilten Deutschland. 1979 standen sie sich im Endspiel um den Europa pokal der Landesmeister gegenüber. Die Trophäe ging nach einem 14:10 im ersten Duell und 16:18 im Rückspiel an die Unterfranken.

Klaus Langhoff, der in der Münchner Olympia-Halle vor 10 600 Zuschauern für den erkrankten Heinz Strauch gemeinsam mit "Pit" Randt die Rostocker coachte: "Leider gaben wir bereits in der ersten Partie den Gesamtsieg aus der Hand. Unsere Trefferquote war unterirdisch." Der Meinung schließt sich der damalige Kreisläufer Siegfried Sanft leben an: "Zehn Tore waren einfach zu wenig. Die Abwehrreihen dominierten. Der Handball von früher und heute ist auch nicht zu vergleichen. Jetzt wird mit mehr Tempo und Dynamik gespielt."

Wolfgang Böhme, Frank-Michael Wahl und "Schorsch" Jaunich waren bei Empor die treffsichersten Werfer. Bei Großwallstadt stellten die Nationalspieler Kurt Klühspies, Peter Meisinger und Manfred Freisler das Team aus der DDR vor Probleme. Überragend in beiden Begegnungen die Torhüter: Manfred Hoffmann sowie Bodo Wieland und Jürgen Rohde. Letzterer, damals die Nummer zwei im Rostocker Gehäuse, sagt: "Das jetzige Duell mit Großwallstadt ist für mich Anlass, mir noch einmal eine DVD vom Rückspiel anzusehen. Der Sohn von Bodo hatte es aufgenommen." Es gibt noch eine zweite Aufzeichnung. Sie zeigt die Berichterstattung der ARD über die Partie vor 3800 Fans in der Sport- und Kongresshalle (heute Stadthalle Rostock). "Wolfgang Böhme hatte uns die über Kurt Klühspies besorgt", erinnert sich Sanftleben.

Apropos: Um Böhme und Klühspies ranken sich weitere Geschichten. Das Duo stand 1978 in den WM-Aufgeboten beider Länder. Die DDR hatte sich durch ein 19:15 über Gastgeber Dänemark Platz drei gesichert, zuvor gegen die BRD, die aufgrund der besseren Tordifferenz das Finale gegen die UdSSR erreichte, 14:14 gespielt. "Es klopfte an der Tür des Hotelzimmers, das ich mit Heiner Brand bewohnte. Davor stand Wolfgang Böhme. Taktikunterricht war angesagt. Mit Bierflaschen auf dem Tisch erklärte er uns die Spielzüge der Russen. Das war hilfreich. Wir gewannen 20:19", so Klühspies, der heute in Erlenbach am Main lebende rechte Rückraumspieler der Großwallstädter.

Und ein weiteres Mal hatte Böhme seine Hände im Spiel. Als nach Erfolgen von Empor gegen Dinamo Bukarest (19:14, 18:22) und des TVG über Honved Budapest (18:9, 24:27) das innerdeutsche Europacup-Final-Duell feststand, machte sich der heute in der Schweiz lebende Rostocker Kapitän in Sachen Mode auf die Socken. Ein Zettel

mit den Hosengrößen der Spieler aus dem Osten wechselte Richtung Klühspies die "Fronten". Beim Rückspiel in der Hansestadt hatten die Gäste dann Marken-Jeans mit im Gepäck. Was allerdings das kämpferische Aufbegehren der Ostseestädter nicht schmälerte.

Trainer Heinz Strauch, der mit seiner Mannschaft drei Jahre später den Europokal der Pokalsieger holte sowie Vereins-Europameister wurde, hätte schon damals gern die Trophäe in den Händen gehalten: "Trotz der sechs Tore von Rechtsaußen Georg Jaunich waren wir aber nicht abgezockt genug. Wir suchten zu schnell eine Vorentscheidung. In der dadurch entstandenen hektischen Spielweise unterliefen uns zu viele Fehler. Zudem musste Siggi (Sanftleben -

d. Red.) nach der dritten Zeitstrafe in der Schlussphase zuschauen." Das Final-Aufgebot des SC Empor gegen Großwallstadt von 1979: Wieland, Rohde - Böhme 10, Wilk, Wahl 8, Jaunich 9, Sanftleben, Langner 1, Kösterke, Seydel, Kühne, Trainer: Strauch, Langhoff, Randt.

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