Bei Ermittlung gegen Wettmafia auf Erstligapartie in Bochum gestoßen : Energie-Spiel im Visier

Konsternierter Cottbuser Torwart Gerhard Tremmel nach dem Abpfiff in Bochum.  Foto: ddp
Konsternierter Cottbuser Torwart Gerhard Tremmel nach dem Abpfiff in Bochum. Foto: ddp

Die Staatsanwaltschaft ist bei Ermittlungen gegen die Wettmafia auf die Begegnung Bochum gegen Energie gestoßen. Hätte Cottbus diese Partie gewonnen, wäre der Klassenerhalt gesichert gewesen...

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13. Dezember 2010, 10:13 Uhr

Cottbus/Schwerin | Die Staatsanwaltschaft in Neapel ist bei Ermittlungen gegen die italienische Wettmafia wohl erstmals auf eine Begegnung aus der Fußball-Bundesliga gestoßen. Nach einem Bericht der italienischen Sportzeitung Gazzetta dello Sport taucht in den Akten der Staatsanwaltschaft die Begegnung zwischen dem VfL Bochum und Energie Cottbus (3:2) vom 28. Februar 2009 auf. Ein wegen Wettbetrugs festgenommener Spieler aus Italien habe in einem abgehörten Telefonat damit geprahlt, dass er das Endergebnis des Spiel "eine halbe Stunde vorher schon gewusst habe".

Endergebnis schon in der 60. Minute gekannt

Laut Ermittlungsakten hätten die Wettbetrüger durch Live-Wetten bei dieser Begegnung nach Angaben des festgenommenen Spielers "in 20 Minuten 1,2 Millionen Euro gewonnen". Der Bochumer Siegtreffer fiel in der 79. Minute durch einen wohl unberechtigten Foulelfmeter, Cottbus stieg am Ende der Saison nach der Relegations-Niederlage gegen Nürnberg ab.

Dass Bochum noch 3:2 gewinnen würde, soll der Betrüger demnach spätestens in der 60. Minute gewusst haben, als gerade erst der Ausgleichstreffer zum 2:2 für Bochum gefallen war, nachdem zuvor zweimal Cottbus vorgelegt hatte. Schiedsrichter der Partie war Markus Schmidt aus Stuttgart.

Unser Kommentator bewertete die Partie so: "Zuerst verweigert der Referee den Lausitzern einen klaren Strafstoß - es wäre der erste (!!!) in der laufenden Saison gewesen -, um in der Schlussphase auf den Bochumer Sestak hereinzufallen und mit einer spielentscheidenden Fehleinschätzung auf den Punkt zu zeigen." Hätte Cottbus diese Partie gewonnen, wäre am Saisonende der Klassenerhalt gesichert gewesen...

Energie-Präsident Ulrich Lepsch sprach gestern gegenüber der Lausitzer Rundschau von einem "ungeheuerlichen Vorwurf". Der Verein wolle sich aber nicht an Spekulationen beteiligen, sondern die Ermittlungen abwarten.

Vor dem Bochumer Landgericht stehen derzeit im ersten Prozess um den größten Wettskandal im europäischen Fußball vier Angeklagte vor Gericht. Sie sollen 32 Spiele in Deutschland und dem europäischen Ausland manipuliert und hohe Beträge darauf gewettet haben. Insgesamt wird gegen rund 300 Personen ermittelt. Die Wetteinsätze sollen sich laut Staatsanwaltschaft auf 12 Millionen Euro, die erzielten Gewinne auf 7,5 Millionen Euro belaufen.

Im Bochumer Verfahren kommen zwei der vier Beschuldigten gegen Kaution frei. Nürretin G. und Tuna A., die ihre Beteiligung an den Spielmanipulationen zumindest teilweise zugegeben haben, dürfen nach fast 13 Monaten in Untersuchungshaft gegen eine Sicherheitsleistung von jeweils 20 000 Euro auf freien Fuß. Die 13. Strafkammer am Bochumer Landgericht kündigte gestern an, die Haftbefehle außer Vollzug zu setzen. Die Strafkammer entschied hingegen, dass die Mitangeklagten Stevan R. und Kristian S., die bislang jegliche Aussage verweigern, weiter hinter Gittern bleiben.

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