Elbflorenz im Ausnahmezustand

Prost Aufstieg! Tim Kister (l.) und Robert Koch trinken Bier, während Fans von Dresden nach der Partie  das Spielfeld stürmen.  dapd
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Prost Aufstieg! Tim Kister (l.) und Robert Koch trinken Bier, während Fans von Dresden nach der Partie das Spielfeld stürmen. dapd

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25. Mai 2011, 09:57 Uhr

Dresden/Schwerin | In Elbflorenz herrscht regelrechter Ausnahmezustand nach dem Aufstieg Dynamo Dresdens in die 2. Fußball-Bundesliga. Durch ein völlig verdientes 3:1 nach Verlängerung am Dienstagabend im Relegations-Rückspiel beim Zweitliga-16. VfL Osnabrück sind die Sachsen nach fünf Jahren in den Fußball-Niederungen zurück auf der Bundesliga-Ebene.

Überraschender Trainerwechsel am 12. April bringt die Wende

Während Eintracht Braunschweig und der FC Hansa Rostock sicher durch die Liga drei marschierten und folgerichtig bereits einige Spieltage vor Schluss als Aufsteiger feststanden, war dieses Ziel für die Dynamos lange in weiterer Ferne. Ja, nach dem 0:1 in Rostock wurde Dresdens Trainer Matthias Maucksch am 12. April gefeuert - quasi als letzter Strohhalm im Aufstiegskampf. Sechs Spieltage vor Schluss hatte man vier Zähler Rückstand auf Relegationsplatz drei. Nachfolger Ralf Loose - einst Bundesligaspieler für Borussia Dortmund (120), Rot-Weiß Oberhausen, Fortuna Düsseldorf (188) und FSV Frankfurt und als Trainer u.a. Nationalcoach Liechtensteins - gab die Parole von den "sieben Siegen" aus. Auch wenn es im Anschluss in Babelsberg nur ein 1:1 gab - Dresden schaffte es dennoch in die Relegation gegen Osnabrück. Und setzte sich durch.

Damit ist der DDR-Kultklub aus Oberligazeiten, der trotz jahrelangen sportlichen Darbens bis runter in die 4. Liga (Oberliga Nordost, Staffel Süd) weiterhin mit Abstand die meisten Fans zwischen Ostsee und Fichtelberg hat, dort wieder angekommen, wo er sich schon von der Tradition her als achtfacher DDR-Meister sieht: in der Bundesliga. Zumindest erst einmal im Unterhaus…

Dabei hing am Dienstagabend im Osnabrücker Stadion an der Bremer Brücke so zusagen das Damoklesschwert über den Sachsen: Aufstieg oder drohendes finanzielles Aus. Bürgschaften für knapp über zwei Millionen Euro hätten die Dresdener beim Verbleib in Liga drei zur neuen Saison benötigt. "Wenn wir keine Unterstützung von der Stadt oder den städtischen Unternehmen erhalten, dann ist die Situation aussichtslos", sagte Geschäftsführer Volker Oppitz noch am Montag. In der 2. Bundesliga braucht die SG Dynamo - trotz der wesentlich höheren TV-Gelder - immer noch eine Bürgschaft von ca. 800 000 Euro, doch diese Hürde sollte überwindbar sein.

Aber erst einmal wird gefeiert. Gestern Nachmittag stieg die große schwarz-gelbe Party auf dem Dresdner Altmarkt; auf den Aufstiegs-T-Shirts prangte der Schriftzug: "Die SGD ist wieder da!!!"

Bereits in Osnabrück hatten sich nach dem Abpfiff unglaubliche Szenen abgespielt. Die mitgereisten 2000 Dynamo-Fans überfluteten geradezu den Rasen, es kam zu tumultartigen Szenen mit insgesamt 14 Festnahmen, überwiegend Dresdner. Nach lang anhaltender Party auf dem Rasen gings dann für das Team in einem Sonderbus zum Flughafen Münster/Osnabrück. Allerdings mit Hindernissen: Während der Fahrt schrien und tanzten die Spieler nämlich so toll, dass das Gefährt ganz schön ins Wackeln kam und der Fahrer die Autobahnauffahrt verpasste. Um 2.45 Uhr landete der Flieger in Dresden-Klotzsche, wo 1500 (!) Fans auf ihre Helden warteten. Dresden und der Fußball...

Aber nicht nur in Elbflorenz gab es in der Saison etwas zu feiern. Ob Hansa Rostock oder bei Drittliga-Aufsteiger Chemnitzer FC - der Ostfußball zeigt, dass er allen Unkenrufen zum Trotz lebt! Wenn auch mit dem Makel behaftet, dass es jetzt schon die dritte Saison über mehr keinen Erstligisten aus den neuen Bundesländern gibt. Doch Aue und Cottbus schnupperten in der gerade beendeten Spielzeit schon mal zwischendurch dran, so waren die Veilchen aus dem Erzgebirge Zweitliga-Herbstmeister.

Fünf Bundesligaklubs aus Neufünfland, zuletzt gabs das in der Saison 1997/98 - freilich war da der FC Hansa erstklassig. Na ja, vielleicht gibt schon in einem Jahr wieder einen Ost-Erstligisten zu feiern! An der Küste hätte keiner was dagegen, wenn der dann FC Hansa hieße... Aber erst einmal dürfen sich die Fans auf gleich 20 sicherlich rassige Zweitliga-Duelle zwischen Aue, Cottbus, "Eisern" Union, Rostock und Dresden freuen.

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