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26. September 2017 | 00:23 Uhr

Ein Weltrekord wird 24

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erstellt am 04.Jun.2010 | 07:23 Uhr

Potsdam | Da ist einer, der wirft einen Weltrekord, an dem sich eine ganze Generation von Diskuswerfern die Zähne ausbeißt. Und doch wünscht er sich, "dass er so schnell als möglich überboten wird". Statt stolz zu sein und zu hoffen, dass die 74,08 Meter vom 6. Juni 1986 auch diese Saison überstehen und im nächsten Jahr dann 25. Geburtstag feiern, nervt Jürgen Schult die älteste Weltbestleistung der Männer- Leichtathletik. "Sie interessiert mich schon lange nicht mehr!", sagt der ehemalige Sportler des SC Traktor Schwerin, der den Jahrhundert-Weltrekord in Neubrandenburg aufstellte und die damalige Bestmarke von Yuri Dumtchev (UdSSR) gleich um 2,22 m übertraf.

Es war der perfekteste Wurf in Schults 15-jähriger Karriere in der Weltspitze. Der damals 26 Jahre alte Hüne war athletisch und motorisch bestens in Form. Die seinerzeit von nur wenigen beherrschte Umsprungtechnik klappte maximal und erlaubte höchste Dynamik beim Abwurf. Gleichmäßiger Gegenwind und eine zusätzliche Bö in der letzten Flugphase sorgten dafür, dass der Diskus bei 70 m noch einmal Aufwind bekam und schließlich bei der Marke einschlug, die auch nach 24 Jahren noch nicht übertroffen worden ist.

Der im Amt Neuhaus an der Elbe Geborene erinnert sich: "Nicht nur ich - Trainer, Club, Verband, Medien, alle waren euphorisch, ja, trunken." Danach wurde er stets an der 74-m-Sensation gemessen. Dabei sei ihm klar gewesen: "Es war ein Glückswurf! So einer gelingt nur einmal im Leben. Aber das wollte keiner hören!"

Dem Rekordflug folgte wenige Wochen später der Absturz. Bei den EM in Stuttgart landete Schult nur auf Platz sieben. Prompt kam die ultimative Forderung des DDR-Verbandes (DVfL), zur alten Technik zurückzukehren...

Etwas Entscheidendes bewirkte dieser denkwürdige Wurf dennoch: Jürgen Schult strotzte danach vor Selbstvertrauen: "Mensch, du kannst es doch!" Trotzdem denkt der gerade 50 Jahre alt Gewordene schon seit langem nicht mehr an den Rekord. "Ich wäre sogar froh, wenn er endlich fallen würde", sagt Schult genervt. Am ehesten traut er das Kunststück Olympiasieger Gerd Kanther aus Estland (aktuelle Bestweite 73,38 m) und Weltmeister Robert Harting aus Berlin (68,65 m) zu.

Letztlich verwandelte sich der vorherige Trainings-Weltmeister Jürgen Schult in einen wirklichen Champion: 1987 eroberte er mit 68,74 m WM-Gold in Rom. Ein Jahr später in Seoul wurde er mit den gleich im ersten Versuch erzielten 68,82 m Olympiasieger. Insgesamt neun Medaillen holte Schult bei Olympischen Spielen (Gold und Silber), WM (Gold, Silber, zweimal Bronze) und EM (Gold, Silber, Bronze).

Nach der Wende ging "Schulle", der jetzige Wahl-Potsdamer, andere Wege, war quasi von 1993 bis zum Karriereende 2000 sein eigener Coach.

2001 übernahm der erfolgreichste deutsche Diskuswerfer die Funktion des Teamchefs und Verbandstrainers Diskus im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Von da an ging es aufwärts. Die Krönung war der WM-Titel 2009 von Robert Harting. Bei der bevorstehenden EM in Barcelona sollen drei deutsche Diskuswerfer starten und mindestens eine Medaille holen. So zumindest lautet die Vorgabe des Disziplintrainers.

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