Ein Morel für alle Fälle

<strong>Axel Morel (l.) mit Matthias Holst</strong>, den er gern eines Tages als Trainer einer Mannschaft in Belek begrüßen würde. Schnell musste es gehen mit dem Foto, denn schon fuhr der Bus der nächsten trainierwilligen Mannschaft am Platz vor, des Dreizehnten der 1. türkischen Liga Gaziantepspor. <fotos>Richter</fotos>
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Axel Morel (l.) mit Matthias Holst, den er gern eines Tages als Trainer einer Mannschaft in Belek begrüßen würde. Schnell musste es gehen mit dem Foto, denn schon fuhr der Bus der nächsten trainierwilligen Mannschaft am Platz vor, des Dreizehnten der 1. türkischen Liga Gaziantepspor. Richter

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10. Januar 2013, 10:14 Uhr

Belek | Schon von weitem zu erkennen mit schlohweißem Haarschopf, zumeist rotem Sweatshirt und seiner drahtigen, hochaufgeschossenen Gestalt ist Axel Morel, der allgegenwärtig scheinende Ansprechpartner für alle Belange des FC Hansa während des Trainingslagers in Belek. Der 73-Jährige arbeitet, obwohl eigentlich längst Rentner, für die Agentur AMC Sportmarketing International und ist damit Angestellter seines älteren Sohnes Alexander Morel (Inhaber, außerdem Pressesprecher der Deutschen Eishockey Liga - d. Red.).

"Ich mache alles: besorge Flüge, organisiere Hotels, Spieltermine und -gegner, hole die Mannschaften vom Flugplatz ab, schnüre praktisch ein Rundumpaket", berichtet der Krefelder: "Von Beruf bin ich eigentlich Kaufmann."

Zum Fußball brauchte er nicht erst zu finden - er war vor langer, langer Zeit selbst aktiv: "Soll ich Ihnen mal meine Beine zeigen? Das sind alles Spuren von der schwarzen Asche, auf der wir im vorigen Jahrhundert gespielt haben. Bei uns wurde noch gegrätscht. Zweimal habe ich mir deshalb das rechte Schienbein gebrochen."

Vor 14 Jahren war alles voller Schlaglöcher

Die Leidenschaft für das runde Leder blieb dennoch, und so ist Axel Morel nach wie vor im Fußball "aktiv". Seit 16 Jahren macht er diesen Job, ist im Sommer stets in Süddeutschland und Österreich unterwegs, im Winter vorwiegend in der Türkei: "Das hat was mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zu tun, und das ist inzwischen sehr gut. Vor 14 Jahren konnten Sie hier kaum mit dem Auto fahren, alles war voller Schlaglöcher. Aber es hat sich viel getan. Mittlerweile kommen zwischen dem 1. Januar und dem 15. April 2350 Fußballmannschaften aus allen Ländern der Welt hierher. Sie verteilen sich auf nur 140 Kilometern Küstenlinie zwischen Antalya und Alanya."

Gegenwärtig kann Morel senior seine volle Aufmerksamkeit dem FC Hansa widmen - die nächsten "Klienten" Dresden und Koblenz treffen erst am Sonnabend ein -, und er tut es gern, denn "Dynamo Ostberlin kennt hier keiner mehr, aber Rostock hat einen Namen. Die Verantwortlichen von euerm nächsten Testspielgegner Elazigspor haben mich gefragt, an welcher Stelle der 1. Liga ihr steht. Da sieht man, wie bekannt Hansa ist. Ich bin stolz, diese Mannschaft hier begleiten zu dürfen. Das sind alles ganz pflegeleichte Menschen", schwärmt Axel Morel und fügt nachdenklich hinzu: "Man kann den Aufstieg nicht erzwingen. Aber um den guten Ruf, den Namen von Hansa Rostock im Geschäft zu halten, muss da unbedingt mit aller Macht dran gearbeitet werden."

Zum Abschluss verrät der 1939 geborene Senior sein Erfolgsrezept: "Die Türen öffnen für mich die Trainer. Viele von ihnen habe ich schon als Spieler betreut. Euern Innenverteidiger dort", deutet er in Richtung Trainingsplatz auf Matthias Holst, "kenne ich zum Beispiel noch von Paderborn her. Der hat ’ne ganz hübsche Frau, an so was erinnere ich mich immer bewusst. Wer weiß, vielleicht macht er ja den Trainerschein und will später als Coach von Bergedorf 85 hierher kommen, dann kann ich den gleich anrufen. Der Augenkontakt ist wichtig."

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