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19. September 2017 | 13:50 Uhr

Ein "blaues Auge" für den Champion

vom

svz.de von
erstellt am 06.Jun.2010 | 06:46 Uhr

Neubrandenburg | "Mutti, Hauptsache, wir behalten den Weltmeistertitel!"

Sebastian Sylvester-Trainer Karsten Röwer nahm nach Bekanntgabe des Urteils im Kampf seines Schützlings gegen den russischen Herausforderer Roman Karmazin seine Mama und seine Frau in die Arme und atmete tief durch. Derweil stemmte der "Hurrikan" im Ring seines "Wohnzimmers" den WM-Gürtel in die Höhe.

Und gleich nebenan am Kampfrichtertisch schlugen die Emotionen ebenfalls hoch, als ein Vertreter der russischen Delegation die Punktzettel fotografieren wollte, weil er Schiebung witterte. Tumulte und Gerangel - bei einigen brannten die Sicherungen durch. Zurück blieb nach diesen unschönen Szenen ein fader Beigeschmack. Nach zwölf Runden stand dann - aus Sylvesters Sicht - ein glückliches Remis gegen den starken Russen fest, das dem Greifswalder weiter den Platz auf dem IBF-Thron im Mittelgewicht sicherte. Mit einem 114:114, sowie 111:117 gegen Sylvester und 118:111 für den amtierenden Champion machten die drei Kampfrichter die Sache diesmal zu einer "Millimeterentscheidung". Fazit: Der Champion ist mit einem "blauen Auge" davongekommen.

"Das war ein ganz intensiver Kampf. Roman Karmazin hatte sicher mehr Treffer, aber die klareren setzte Sebastian. Für mich hatte er den Kampf gewonnen", schätzte Karsten Röwer nachher ein. Und Sylvester selber nahm das Ganze trotz der Hektik im und am Ring ganz cool: "Ich glaube, ich kann mit dem Remis gut leben. Ich behalte den Gürtel und kann am 2. Juli als Weltmeister heiraten. Diesmal haben die Zuschauer hundertprozentig Anteil an diesem Unentschieden."

Dennoch, die Sache war knapper, als es der Champion wahr haben wollte, stand über zwölf Runden praktisch Spitz auf Knopf: Zunächst punktete der zehn Zentimeter kleinere Sylvester vor allem mit seiner linken Geraden. Mit fortschreitender Kampfdauer übernahm jedoch der in Los Angeles lebende Karmazin die Initiative und setzte mehr Treffer. Erst im Schlussgang wurde Sylvester - unter dem stürmischen Jubel der 4500 Fans im Jahnsportforum - wieder aktiver und sorgte damit in letzter Minute für das ausgeglichene Punktekonto.

Karmazin und sein Promoter Steve Bash waren nach der Urteilsverkündung in der Presekonferenz etwas "angefressen": "Ich habe natürlich gewonnen. Aber, wir sind in Deutschland. Hier kannst du einen knappen Kampf nicht gewinnen. Hier brauchst du einen K. o." Und sein Promoter legte nach: "Roman ist heute ein bisschen mehr Champion geworden, Sebastian ein bisschen weniger." Das riecht geradezu nach einem "Rematch" zwischen beiden Kämpfern. Davon wollte die Sauerlandseite in der Nacht des erneuten WM-Triumphes aber noch nichts wissen: "Zuerst Hochzeit, dann Urlaub", so beschrieb der Greifswalder seinen Fahrplan der nächsten Wochen.

Neben Sylvesters Titelverteidigung erweiterte der Sauerland-Stall in Neubrandenburg seine WM-Gürtelsammlung. Der erst sein wenigen Wochen unter Vertrag stehende Cruisergewichtler Steve "USS" Cunningham holte sich nach einem t.K.o.-Sieg über Troy Ross aus Kanada den vakanten IBF-Titel. Sein

Trainer Naazim Richardson verkündete danach euphorisch: "Das ist das neue Gesicht des Cruisergewichts." Und der nicht gerade bescheidene US-Boy fügte an: "Ich bin der größte Cruisergewichtler aller Zeiten."

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