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12. Dezember 2017 | 20:43 Uhr

Don King will erst mal ein Eisbein

vom

svz.de von
erstellt am 20.Mai.2010 | 10:17 Uhr

Rostock | Er ist eine lebende Legende, hat die besten Schwergewichts-Boxer der Welt vermarktet und ist leicht an seiner Starkstromfrisur und der extravagant glitzernden Kleidung zu erkennen: Don King. Mit Ende 70 besucht er seit gestern zum ersten Mal die Hansestadt Rostock. Denn morgen boxt sein Schützling Kali Meehan aus Australien gegen den früheren Schwergewichtsweltmeister Ruslan Chagaev im WM-Ausscheidungskampf der World Boxing Association (WBA) in der Stadthalle. Der Sieger wird den WBA-Weltmeister David Haye vor die Fäuste bekommen.

"Es wird eine große Show", kündigte der King gestern an, als er sich im Rathaus ins Gästebuch der Hansestadt eintrug. Den Worten ließ er auch gleich Taten folgen, wedelte unaufhörlich mit seinen Markenzeichen - zwei Händen voller Fahnen - posierte für Fans und Fotografen gleichermaßen ausgiebig und strahlte einfach gute Laune aus. Und das, obwohl er schon um 8.10 Uhr aus München nach Hamburg abgeflogen und von dort im Eiltempo auf der Autobahn nach Rostock gedüst war - wobei sein Fahrer prompt in einer Tempo 100 Zone mit 130 KIilometern pro Stunde geblitzt wurde. Trotzdem kam er standesgemäß 20 Minuten zu spät zum Besuch beim Stadtoberhaupt.

"Der Sport bringt die Menschen zusammen"

"Ich war schon in Nürnberg, Mannheim, Hamburg und München, aber noch nie in Rostock", sagt King. Dabei sei Deutschland sein Zuhause und habe der Welt so viel zu bieten. Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) klärte ihn gleich darüber auf, dass Max Schmeling, die deutsche Boxlegende der 1930er-Jahre, aus dieser Gegend stammt - aus dem Dorf Klein Luckow. "Das war ein großer Champion", sagt King, der Schmeling noch selbst kennengelernt hatte und genau deswegen den Boxsport so liebt: "Er bringt die Menschen zusammen."

Seine eigene Mission sieht er darin, die Leute zu unterhalten. "Die Menschen sind es, die für mich zählen", sagt King und fügt pathetisch an: "Wir fragen nicht, was Rostock für uns tun kann, sondern was wir für Rostock tun können." Sätze, die auch den Oberbürgermeister beeindruckten: "Das wären die richtigen Worte für die Bürgerschaft." King verlieh seiner Freude darüber Ausdruck, dass es in Deutschland jetzt eine Frau als Kanzlerin und in den USA einen schwarzen Präsidenten gibt: "Change is in the air." Damit war er mit dem politischen Teil aber auch schon durch und wandte sich seinem heimlichen Besuchsgrund in Deutschland zu: Eisbein essen und dazu ein deutsches Bier trinken.

Auf schnellstem Wege ging es in seiner schwarzen Limousine ins Fünf-Sterne-Hotel Neptun nach Warnemünde, wo sein Leibgericht bereits auf ihn wartete. "Viele Menschen mögen Hühnchen, Büffel oder Hirsch, aber ich mag Eisbein. Das schmeckt nicht nur gut, du fühlst dich danach auch gut." Und die Zufriedenheit stand ihm während des Festschmauses mit seinen Begleitern und seinem Kämpfer Meehan ins Gesicht geschrieben. Kings Urteil: "Einfach herrlich, ausgezeichnet." Anschließend wirkte der Maestro angesichts seines hohen Alters, des langen und anstrengenden Tages sowie der einsetzenden Verdauungsphase etwas matt. Die erste Show hat er hinter sich, die ganz große wird dann morgen Abend in der Stadthalle folgen. Die üblichen Sticheleien gegen Ruslan Chagaev hat der Promoter gestern bereits gesetzt. "Dieser Name ist wie die Pest", so King. Meehan werde ihn vernichten, komplett auseinandernehmen. Denn das einzige, was zähle, sei der Sieg.

Und dieses Gefühl kennen beide Kämpfer sehr gut. Der 40 Jahre alte Kali Meehan verlor von seinen 38 Kämpfen drei, knockte seine Gegner 29-mal aus. Ruslan Chagaev musste bisher nur eine Niederlage einstecken, am 20. Juni 2009 in Gelsenkirchen gegen Wladimir Klitschko. In den übrigen 26 Kämpfen siegte er 17-mal durch k.o. Rostock kennt der 32-jährige Usbeke schon sehr gut, tritt hier bereits zum dritten Mal an. Die anderen beiden Kämpfe gegen den US-Amerikaner Willie Williams im Jahr 2004 und Carl Davis Drumond aus Costa Rica im vergangenen Jahr beendete er in der dritten, beziehungsweise der sechsten Runde.

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