Die deutsche Party soll weitergehen

<strong>Deutscher Jubel</strong> nach einem Sieg bei der WM - bitte noch zwei Mal! <foto>dpa</foto>
Deutscher Jubel nach einem Sieg bei der WM - bitte noch zwei Mal! dpa

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06. Juli 2010, 09:00 Uhr

Durban/Erasmia | Zeit für die EM-Revanche und den Finaltraum: Joachim Löw will mit seinen in der Heimat vergötterten Himmelsstürmern auch Fußball-Europameister Spanien vom Favoriten-Thron stürzen und sich beim Triumphmarsch ins Endspiel nicht beirren lassen. Löw beschäftigte sich damit, zwei Jahre nach dem verlorenen EM-Finale von Wien (0:1) die von Bastian Schweinsteiger eingestandenen "Revanchegelüste" gegen die spanischen Kurzpass-Künstler stillen zu können. Sami Khedira (Muskelverhärtung) und Arne Friedrich (Oberschenkel-Prellung) sind angeschlagen, zudem muss Löw den Ausfall von Thomas Müller (Gelb-Sperre) kompensieren und eine weitere Erfolgs-Taktik aushecken.

"Spanien ist der WM-Favorit. Wir müssen sie zu Fehlern zwingen, von alleine machen sie keine", betonte Löw. Spanien sei eine ganz andere Hausnummer als England und Argentinien, warnte auch Manager Oliver Bierhoff: "Ein 1:0 würde mir diesmal reichen." Der Respekt vor "der besten Mannschaft der Welt" (Schweinsteiger) ist riesig, aber das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten hat extrem zugenommen. "Unser Weg ist noch nicht zu Ende, die Party soll weitergehen", übermittelte die Mannschaft in einer Botschaft an die Millionen Fans in Deutschland. "Wir wissen, dass wir am Gegner wachsen. Die Mannschaft hat so viel Selbstvertrauen getankt, dass sie weiß, was sie kann. Sie traut sich zu, auch die Spanier zu schlagen", sagte Bierhoff und fügte mit Blick auf den Finaltermin entschlossen hinzu: "Es ist nicht die ultimative Prüfung. Die ist am Sonntag." Ein weiteres taktisches Meisterstück von Löw und eine erneute Gala-Leistung der Spieler werden dafür heute im Moses Mabhida Stadion von Durban, wo Deutschlands WM-Mission mit einem 4:0 gegen Australien grandios begonnen hatte, nötig sein.

Der Bundestrainer muss schon bei der wichtigsten Personalentscheidung richtig liegen. Wen bringt er für den gesperrten Müller? Piotr Trochowski nannte Löw "naheliegend", Toni Kroos und der nach Wehwehchen um Anschluss kämpfende Cacau sind weitere Kandidaten. "Die Mannschaft hat immer wieder gezeigt, dass sie Löcher stopfen kann", erinnerte Bierhoff an die Ausfälle von Ballack, Westermann und Träsch in der Vorbereitung. Aber jetzt sei die Situation schwieriger, wie der Manager zugab: "Es ist nicht leicht innerhalb eines Turniers, wenn sich eine Formation gefunden hat und eine blendende Abstimmung besteht." Tausendsassa Müller glänzte als vierfacher Torschütze und Mitspieler. "Thomas hat Großes geleistet, nicht nur mit seinen Toren, sondern auch mit seinen intelligenten Läufen hinter die gegnerische Abwehrreihe", beschrieb Bierhoff die Klasse des Neulings. Der 20 Jahre junge Müller vertraut den Kollegen: "Die Jungs machen das schon." 1954, 1974, 1990 - 2010?

Gegen Spaniens Startruppe um Villa, Xavi, Iniesta & Co. muss Löws Rasselbande nochmals wachsen, wenn sie schon in Südafrika im ICE-Tempo zum vierten deutschen Weltmeister-Jahrgang durchstarten will. "Spanien ist auf dem Papier das bessere Team. Aber wir haben in den letzten zwei Spielen gesehen, dass man auch solche Mannschaften schlagen kann", betonte Schwein steiger, der nicht wie 2006 nach dem Halbfinal-K.o. gegen Italien (0:2 nach Verlängerung) wieder bittere Tränen der Enttäuschung vergießen möchte: "Ich will unbedingt gewinnen!" Die Willenskraft könnte den Ausschlag geben.

Oder die Schlüsselduelle: Schweinsteiger und Sami Khedira müssen Xavi und Andres Iniesta "in Schach halten", forderte Löw. Und die Abwehr muss vor allem WM-Toptorjäger David Villa stoppen, der fünf der sechs spanischen Tore erzielte. "Er ist fast ein Spieler wie Messi, den man mit der ganzen Mannschaft ausschalten muss", mahnte Miroslav Klose. Der 32-Jährige selbst möchte Villa nach seinen vier WM-Toren nicht nur die Final-Teilnahme wegschnappen, sondern auch die Torschützenkrone verteidigen. Trifft Klose einmal, zieht er zudem mit insgesamt 15 Toren mit WM-Rekordschütze Ronaldo (Brasilien) gleich.

So wie Spanien über den Müller-Ersatzmann rätselt, rätselt Löw über die einzige ungewisse Personalie beim Gegner. Hält Vicente del Bosque am bislang formschwachen und noch torlosen Angreifer Fernando Torres fest, der im EM-Finale 2008 das Siegtor für Spanien schoss? "Es kann auch sein, dass Torres gegen uns wieder hochmotiviert ist", gab Bierhoff zu bedenken. Cesc Fabregas heißt die Alternative, der aber leidet an einer Knöchelverletzung. Sein Einsatz ist fraglich. Wenn er aber spielt, würde Villa dann nicht von links kommen, sondern im Zentrum spielen.

So könnten sie heute antreten, Deutschland: Neuer (Schalke/24 Jahre/10 Länderspiele) - Lahm (Bayern/26/70), Mertesacker (Bremen/25/67), Friedrich (Hertha/31/77), Boateng (HSV/21/8) - Khedira (Stuttgart/23/10), Schwein steiger (Bayern/25/79) - Trochowski (HSV/26/34), Özil (Bremen/21/15), Podolski (Köln/25/78) - Klose (Bayern/32/100).

Spanien: Casillas - Ramos (bd. Real), Piqué, Puyol (bd. Barca), Capdevila (Villareal) - Busquets - Iniesta (bd. Barca), Xabi Alonso (Real), Xavi (Barca), Villa (Valencia) - Torres (Liverpool).

Schiedsrichter: Kassai (Ungarn).

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