Interview mit Ex-Fußball-Nationalspieler Heinrich : "Die Älteren erkennen einen noch"

<strong>Etwas mehr als drei Jahre her:</strong> Am 5. Dezember 2009 gewann Jörg Heinrich (l.) mit dem BSC Rathenow 94 das Landesliga-Punktspiel beim FSV Veritas Wittenberge/Breese (hier Christian Münster) im Ernst-Thälmann-Stadion mit 5:0. <foto>Archiv Knoll</foto>
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Etwas mehr als drei Jahre her: Am 5. Dezember 2009 gewann Jörg Heinrich (l.) mit dem BSC Rathenow 94 das Landesliga-Punktspiel beim FSV Veritas Wittenberge/Breese (hier Christian Münster) im Ernst-Thälmann-Stadion mit 5:0. Archiv Knoll

Beim Ü40-Einladungsturnier in Wittenberg - organisiert von Frank Dannehl und Manfred Wolter - am vergangenen Wochenende sorgte Ex-Fußball-Nationalspieler Jörg Heinrich für einige Glanzlichter.

svz.de von
24. Januar 2013, 10:05 Uhr

Wittenberge | Beim Wittenberger Ü40-Einladungsturnier - organisiert von Frank Dannehl und Manfred Wolter - am vergangenen Wochenende sorgte Ex-Fußball-Nationalspieler Jörg Heinrich für einige Glanzlichter. Nach seinen Gastspielen mit Chemie Premnitz und dem BSC Rathenow gastierte Heinrich, der 1998 für die damalige Rekord-Ablösesumme von 25 Millionen D-Mark von Borussia Dortmund zum AC Florenz wechselte, erneut in der Prignitz. Während des Turniers sprach "Prignitzer"-Mitarbeiter Torsten Gottschalk mit dem 43-Jährigen.

Jörg, schön dass wir Sie mal wieder in der Prignitz begrüßen dürfen. Wie kam der Kontakt zu Stande?

Jörg Heinrich: Durch Manfred Wolter. Er hat mich gefragt, ob ich mit meinem Team nicht bei seinem Turnier mitmachen will. Ich betreibe zwei Sportfachgeschäfte in Rathenow und Berlin, da sind solche Turniere für uns immer eine schöne Abwechslung. Beim Team Sport-Heinrich spielen ja fast nur Angestellte von mir. Das Turnier hier in Wittenberge ist eine schöne Sache.

Andere Fußballgrößen sind nach ihrer aktiven Laufbahn Trainer oder TV-Kommentatoren geworden. Was macht Jörg Heinrich heute?

Ich habe im vergangenen Jahr meinen Fußball-Lehrer gemacht. Außerdem sind da ja noch die beiden Sportgeschäfte. Dazu veranstalten wir die Sport-Heinrich- Fußballcamps für den Nachwuchs.

Also Fußball auf Sparflamme?

Naja, ganz so ist es nicht. Ich beschränke mich aber schon auf Turnierteilnahmen, spiele ab und an auch mit der Uwe Seeler-Traditionsmannschaft.

Sie sind immer noch rank und schlank, haben Sie sich körperlich gegenüber ihrer aktiven Profizeit kaum verändert…

(Lacht) Das ist wohl Veranlagung. Nee ehrlich, ich bin ein Mannschaftssportler. Jogging ist absolut nichts für mich.

In ihrer Karriere haben sie ja viel erlebt, sind Nationalspieler und WM-Teilnehmer gewesen und haben alle wichtigen Klubtitel errungen. Woran erinnern Sie sich immer noch gern?

(Stöhnt) Natürlich an die beiden Meisterschaften und den Sieg im Champions-League-Finale 1997 mit Borussia Dortmund. Bei Borussia hatte ich meine erfolgreichste Zeit. Dann natürlich an das erste A-Länderspiel.

Sie sind 1998 nach Italien in die Serie A zum AC Florenz gegangen…

Das war auch eine schöne Erfahrung. Ich stand in einer Mannschaft mit Weltstars wie Gabriel Batistuta oder Rui Costa. Für Florenz war das eine erfolgreiche Zeit. Wir wurden Dritter in der Meisterschaft, holten den Pokal. Leider ging es dem Verein finanziell dann nicht mehr so gut und sie mussten mich abgeben, obwohl ich noch zwei Jahre Vertrag hatte.

Gab es für Sie einen Wunschklub?

Inter Mailand oder Arsenal hatten angefragt. Das ehrt einen schon. Doch ich hatte damals in Dortmund einen Vertrag. Wir hatten dort eine starke Mannschaft beisammen und deshalb wollte mich der Verein auch nicht abgeben. Überhaupt muss ich sagen, dass ich immer in guten Teams gespielt habe.

Apropos Dortmund, haben Sie noch Kontakt zu ihren ehemaligen Mitspielern?

Ich fahre vier, fünf Mal im Jahr nach Dortmund, pflege persönliche Kontakte. Von meinen ehemaligen Mitspielern sind ja nur noch Sebastian Kehl und Roman Weidenfeller dabei.

Borussia spielt attraktiven Fußball, hat in dieser Saison ja vor allem in der Champions-League geglänzt…

Es ist hochinteressant, wie sich das junge Team entwickelt hat. Ich bin begeisterter Zuschauer, freue mich, welchen schönen Fußball sie spielen.

Als Nationalspieler standen Sie früher permanent im Fokus der Öffentlichkeit. Wie sieht es mit der Popularität heute aus. Werden Sie auf der Straße noch angesprochen?

Es wird ruhiger, das ist doch normal. Die Älteren erkennen einen aber noch. Die Jüngeren erfahren meist erst bei den Fußballcamps, wer ich bin.

Sie haben eingangs erwähnt, dass Sie den Lehrgang als Fußball-Lehrer abgeschlossen haben. Sieht man Sie demnächst auf der Trainerbank?

Mal sehen. Konkretes gibt es aber noch nicht.

Vielen Dank für das Gespräch.

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