Olympia-Ticket für Marie-Louise Dräger : Denen zeig ich, was ne Harke ist

<fettakgl>Beim Weltcup am 16. Juni in München: </fettakgl>Teil eins der Olympia-Qualifikation im Einer für Marie-Louise Dräger <foto> Imago</foto>
Beim Weltcup am 16. Juni in München: Teil eins der Olympia-Qualifikation im Einer für Marie-Louise Dräger Imago

Eine "Leichte" bei den Olympischen Spielen in der Klasse der "Schweren": Marie-Louise Dräger hat nach ihrer Ausbootung im Leichtgewichts-Doppelzweier auf Umwegen doch noch den Sprung auf die britische Insel geschafft.

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25. Juli 2012, 05:22 Uhr

Rostock | Eine "Leichte" bei den Olympischen Spielen in der Klasse der "Schweren": Marie-Louise Dräger hat nach ihrer Ausbootung im Leichtgewichts-Doppelzweier auf Umwegen doch noch den Sprung auf die britische Insel geschafft. 2004 für Athen Ersatzfrau, 2008 in Peking mit Berit Carow (Hamburg) als Partnerin auf der undankbaren vierten Position einkommend, vertritt sie Deutschland bei Olympia im Skiff, dem Einer der offenen Gewichtsklasse. Die in Lübeck geborene 31-Jährige ist erfolgsorientiert. Dem ordnet sie alles unter. 2003 und 2005 schaffte sie es zu zwei Weltmeistertiteln im Leichtgewichts-Doppelzweier. Ihr erfolgreichstes Jahr hatte sie 2010 mit dem Gewinn des WM-Doubles im leichten Einer und Leichtgewichts-Doppelvierer sowie bei der EM als Solistin.

Marie-Louise kocht gern. Manchmal scheint auch etwas anzubrennen oder überzulaufen. So bei der Weltmeisterschaft 2011 auf dem Bleder See in Slowenien. Eine Medaille und die direkte Olympiaqualifikation sollten es mit der Lüneburgerin Anja Noske als Partnerin werden. Heraus kam ein enttäuschender elfter Rang. Und da ging anschließend wohl einiges über den Topfrand hinaus. Noske: "Zweier-Harmonie bestand bereits vorher nicht zwischen uns. Es war eher eine Arbeitsbeziehung. Im Gegensatz zu mir trug die Rostockerin einiges an die Öffentlichkeit. Bei Olympia kann nur eine von uns im Boot sitzen."

Mangelnde Teamfähigkeit wurde Marie-Louise von den Verantwortlichen im Ruderverband vorgeworfen. Der Bundestrainer setzte Dräger mit Potsdams Daniela Reimer in den leichten Doppelzweier. Beide hatten im leichten Vierer ja 2010 Gold geholt. Als es am 27. April um den nationalen Ausscheid für die Teilnahme an der letzten Vergabe der London-Startplätze beim Weltcup in Luzern ging, landete das Duo mit 4,1 Sekunden Rückstand hinter Lena Müller/Noske auf Rang zwei.

Aus für die britische Hauptstadt, wieder nur Ersatzfrau bis zur Abreise des Olympiateams und anschließend wie 2004 die Entscheidungen nur im Fernsehen verfolgen? "Nicht mit mir", sagte sich die Hansestädterin. Als Kämpfertyp erhielt sie auch vom Heimatverein Olympischer Ruderclub Rostock moralische Unterstützung, sich der Konkurrenz der "schweren" Damen zu stellen und sozusagen durch die Hintertür doch noch London zu erreichen. "Jetzt erst recht. Denen zeig’ ich, was ’ne Harke ist", sagte sie sich, kniete sich noch tiefer rein.

War der 27. April eine ihrer schwarzen Tage, so der 24. Juni einer ihrer schönsten. "Alles oder nichts hieß es für mich. Die Erleichterung über den Gewinn des letzten London-Tickets ist groß", sagt sie und ergänzt: "Im Einer geht international so richtig die Post ab. Mein Ziel kann daher nur das B-Finale heißen. In den Endlauf zu kommen, ist utopisch." Wohl wissend, dass sie im leichten Doppelzweier sogar Medaillenchancen gehabt hätte.

Nach London wird Marie-Louise Dräger keinesfalls Abschied von der internationalen Bühne nehmen. Die eine Polizeiausbildung aufnehmende Ostseestädterin will zurück im nicht olympischen Leichtgewichts-Einer weiter die Konkurrenz aufmischen. Bei dem Ehrgeiz eine richtige Entscheidung…

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