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Nächster Kampf in Schwerin? : Brähmer auf dem Weg zu alter Stärke

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Boxprofi Jürgen Brähmer hat in der Nacht zum Sonntag ein gelungenes Comeback gefeiert. Im ersten Kampf nach gut 21 Monaten bezwang der Ex-Weltmeister in Hamburg den Spanier Jose Maria Guerrero durch technischen K.o.

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erstellt am 29.Jan.2012 | 07:45 Uhr

Hamburg | Jose Maria Guerrero musste einem am Ende einfach leid tun. Mit arg zerschrammtem und verbeultem Gesicht nahm der 35 Jahre alte Box-Profi in der Pressekonferenz nach der Universum Fight Night im Hamburger Grand Elysee Hotel Platz. Auf sein rechtes Auge hatte er ein Tuch gedrückt, dass es ausschaute, als weinte er. Aber ein stolzer Spanier weint nicht. Und ein Katalane schon gar nicht.

Außerdem hätte er selbst trotz seiner dritten Niederlage als Profi auch gar keinen Grund dazu gehabt. TKO in der vierten Runde auf dringesndes Anraten des Ringarztes wegen des erwähnten, komplett zugeschwollenen Auges. Sowas kann passieren, das ist einfach Pech.

"Was der so weggeschluckt hat, mein lieber Schwan"

Tapfer hatte sich Guerrero zuvor Universum-Zugpferd Jürgen Brähmer entgegengestellt, ordentlich ausgeteilt, aber noch viel mehr eingesteckt. "Das war ein gut eingestellter Gegner. Und was der so weggeschluckt hat, mein lieber Schwan", staunte im Anschluss sogar der Ex-Weltmeister im Halbschwergewicht aus Schwerin. "Von diesen Leberhaken hatte ich in der Vorbereitung schon welche ausgepackt. Meine Sparringspartner konnten da nicht gleich weitermachen."

Dass es statt der Leber das Auge war, das den Spanier vorzeitig in die Ecke zwang, quittierte Brähmer mit einem Achselzucken. "Wenn einer so stark blutet, ist das sicher nicht so angenehm", sagte er nach seinem 30. vorzeitigen Sieg im 39. Profikampf, "aber es hat mir auch geholfen, ich hatte ja sein Problem gesehen. Aber im Boxen ist das nunmal so: Siehst du eine dicke Stelle, probierst du, da weiter draufzuhauen und die Entscheidung zu suchen."

Ebenso ungerührt nahm Brähmer hin, dass er selbst auch mehr getroffen worden war, als wohl eigentlich geplant. "Stimmt schon, manchmal bin ich noch zu sehr stehengeblieben. Aber Guerrero war am besten zu treffen, indem ich genau in seinen Angriff hineinschlug, weil er dann offen war. Dafür muss man dann auch mal einen einstecken. Und außerdem: Wer ganz oben mitspielen will, der muss alles beherrschen, das Meiden, Ausweichen und Heraustreten ebenso wie den Infight", sagte der Schützling von Trainer Michael Timm und resümierte: "Natürlich bin ich noch längst nicht da, wo ich sein will. Doch für die mit vier Wochen sehr kurze Vorbereitung war das schon ganz ordentlich, zumal die erste Sparringswoche noch sehr holprig war. Aber ich bin hier von Runde zu Runde lockerer geworden."

Dem neuen Universum-Chef Waldemar Kluch hat sein deutsches Zugpferd schon jetzt mächtig Freude gemacht, "besonders, dass er überhaupt angetreten ist. Das war ja nicht immer so und manch einer hat zu mir gesagt: ,Du bist doch nicht dicht. Der Brähmer kommt nicht, wenn ihm was im Vertrag nicht passt." Insofern hätte er sich unheimlich gefreut, als der Schweriner am Tag vor der Veranstaltung Karten für Freunde und Familie geordert hatte. "Da fiel mir ein Stein vom Herzen", bekannte der Universum-Eigner.

Die Furcht wäre völlig unnötig gewesen, hielt Brähmer dem entgegen. "Da wir die Vertragssituation Ende 2011 sauber geklärt hatten, bestand gar kein Risiko, dass ich nicht boxen würde."

Für zwei Kämpfe werden die Verträge für gewöhnlich geschlossen, danach wird neu verhandelt. Dass man sich auch künftig einigen wird, halten beide Seiten für sicher. Zumal man ein gemeinsames Ziel fest vor Augen hat: Jürgen Brähmer soll wieder Weltmeister werden. Bald, möglichst noch in diesem Jahr.

Nächster Kampfabend zu 99 Prozent in Schwerin

Fünf ehemalige Weltmeister, ein (hoffentlich) angehender Europameister und zwei russische Universum-Supertalente im Cruiser- bzw. Schwergewicht: Die Hamburger Fight Night vom vergangenen Sonnabend hat zweifellos Appetit auf wieder mehr Boxen gemacht. Folgerichtig will die Universum Box Promotion schon in Kürze mit einem weiteren Kampfabend aufwarten und dabei ebenfalls namhafte Boxer in den Ring schicken.

Zwei Termine stehen dafür derzeit zur Disposition: entweder der 31. März in einer noch nicht festgelegten Halle in Hamburg oder der 21. April mit der Schweriner Sport- und Kongresshalle als Austragungsort. „Zu 99 Prozent werden wir am 21. April in Schwerin boxen“, legte sich Universum-Boss Waldemar Kluch am Samstagabend unmissverständlich fest und erklärte zu dem einen noch fehlenden Prozent: „Unser WBA-Weltmeister Karoly Balzsay muss eigentlich bis Ende März seinen Titel im Supermittelgewicht gegen Dimitri Sartison verteidigen. Da er aber eine Operation hinter sich hat, haben wir die WBA um eine Fristverlängerung gebeten. Angesichts der Sachlage dürfte es dabei eigentlich kein Problem geben.“

Neben dem von Karoly Balzsay soll es dann einen weiteren WM-Kampf geben, in dem es zwischen Ex-Weltmeisterin Ina Menzer und Maureen Shea (USA) um den derzeit vakanten WM-Gürtel der WBC im Federgewicht gehen soll.

Auch die beiden schon oben als Supertalente apostrophierten Rachim Tschachkiev (Cruisergewicht) und Denis Boytsov (Schwer), die am Samstag einen bärenstarken Eindruck hinterließen, sind für das Schwerin-Gastspiel fest eingeplant.

Und natürlich die Schweriner Lokalmatadoren Marcel Meyerdiercks, der hier um den EM-Gürtel boxen soll, und Jürgen Brähmer, der sich dem heimischen Publikum im vielleicht schon letzten Aufbau-Kampf vor dem erneuten Angriff auf einen WM-Gürtel präsentieren soll und will.

„Lassen Sie uns das mit Schwerin nächste Woche fix machen“, forderte Kluch den Chef der Schweriner Agentur „E.M. Promotion“, Burkhardt Tiedt, auf.

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