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Stabhoch-Vizeweltmeisterin Martina Strutz : Bleibt sie oder geht sie?

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In diesen Tagen wollen sich Stabhochspringerin Martina Strutz und der Hagenower SV zusammensetzen und ausloten, ob ihre bislang so erfolgreiche „Ehe" auch im Olympiajahr 2012 eine Fortsetzung finden kann.

svz.de von
erstellt am 11.Nov.2011 | 12:18 Uhr

Bleibt sie oder geht sie? Heute, spätestens aber am Montag wollen sich Stabhochspringerin Martina Strutz und der Hagenower SV zusammensetzen und ausloten, ob ihre bislang so erfolgreiche "Ehe" auch im Olympiajahr 2012 eine Fortsetzung finden kann.

So viel ist jetzt schon klar: Es werden schwierige Vertragsverhandlungen. Der Marktwert der Vizeweltmeisterin und deutschen Rekordhalterin ist nach der bombastischen Saison 2011 natürlich gestiegen. Und ihre Erfolge haben Begehrlichkeiten geweckt, weit über die Ländergrenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus, aber auch innerhalb. So hat sie zum Beispiel der SC Neubrandenburg auf dem Wunschzettel.

Wechsel in ein anderes Bundesland nicht geplant

"Bei Vereinen in anderen Bundesländern könnte ich weit mehr Geld verdienen als hier", sagt die seit einer Woche 30 Jahre alte 4,80-Springerin - und weiß zugleich, dass sie entsprechende Angebote gar nicht annehmen kann. Denn dafür müsste sie ihr Studium an der Landespolizeischule in Güstrow - bei dem ihr genau wie Radsport-Olympiasieger Stefan Nimke zugunsten einer optimalen Olympiavorbereitung ein "Sabbat-Jahr" gewährt wurde - aufgeben. Die Sportler-Studienplätze dort hat das Landes-Innenministerium ausschließlich für MV-Athleten zur Verfügung gestellt. "Die Polizei ist meine berufliche Perspektive. Die aufzugeben, das wäre mir kein noch so gut dotierter Vereinswechsel wert", sagt Martina Strutz.

Verständlich, zumal es sich bei "gut dotierten Wechseln" für deutsche Weltklasse-Leichtathleten um Summen dreht, für die Drittliga-Fußballer gar nicht erst ihre Töppen schnüren würden.

So soll Gerüchten zufolge der SC Neubrandenburg 25 000 bis 30 000 Euro - wohlgemerkt aufs Jahr gerechnet - dafür geboten haben, dass die gebürtige Schwerinerin in der kommenden Saison das blaue Trikot der Viertorestädter trägt. Ansonsten würde alles beim alten bleiben: "Strutzi" könnte wie bisher in Schwerin bei Erfolgscoach Thomas Schuldt trainieren.

Dem SCN, einst erfolgreichster Leichtathletik-Club der Welt, brächte der Wechsel einen weiteren, für die Beibehaltung des Status als Bundesstützpunkt dringend benötigten Kaderathleten ein. Davon hat der SCN allein seit der WM 2009 mit der dreifachen Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch, Kugelstoßerin Petra Lammert und Siebenkämpferin Sonja Kesselschläger gleich drei verloren. Und die Plätze zehn für Kugelstoßer Ralf Bartels bzw. 17 für Siebenkämpferin Julia Mächtig bei der WM im August/September im südkoreanischen Daegu waren auch nicht eben ein Faustpfand.

Der Haken an der Sache: 30 000 oder auch 25 000 Euro wollen erst einmal zusammengebracht sein. Noch sind sie es offenbar nicht. Und ein Wechsel ist damit längst nicht in trockenen Tüchern.

Aber auch der Hagenower SV kann nicht mit den Geldscheinen winken. "Wir haben alles versucht, um einen finanziellen Rahmen zu schaffen, der für eine Vizeweltmeisterin zumindest akzeptabel wäre", sagt Hagenows Leichtathletikchef Fred Bahr. "Unsere Sponsoren können aber nur wie bisher den Wettkampfbetrieb für unsere 45 Leichtathleten absichern, mehr geht nicht."

Hagenower Firmen verkennen Werbepotenzial für die Stadt

Deshalb sprachen die Sportler bei weiteren Firmen vor - mindestens fünf in Hagenow ansässige Firmen agieren deutschlandweit bzw. sogar international - stießen aber auf keinerlei Gegenliebe. "Und das verstehe ich nicht", wundert sich Bahr. "Noch nie war Hagenow so üppig in allen deutschen Medien vertreten, hat so viel Werbung bekommen wie in diesem Jahr dank der Erfolge von Martina Strutz. Das könnte im nächsten Jahr so weitergehen. Wenn man denn wollte…", sagt der Herzblut-Leichtathlet - und hofft insgeheim wohl doch noch auf eine Wende.

Bis Ende November läuft die Wechselfrist in der deutschen Leichtathletik. "Erst dann werde ich mich auch definitiv entscheiden", sagt Martina Strutz. Man darf gespannt sein, wer am Ende das Rennen machen wird.

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