Stabhochspringerin Martina Strutz : Beine rasieren - und los!

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Silber-Jubel von Martina Strutz bei der EM in Helsinki Wolfgang Birkenstock

Vorfreude bei Martina Strutz: Im August geht es nach London - doch für die 30-jährige Stabhochspringerin sind dies die ersten olympischen Spiele, und sie weiß nicht, was sie dort erwartet.

svz.de von
25. Juli 2012, 04:41 Uhr

Neubrandenburg | Ungekünstelte Vorfreude: Martina Strutz ist vor Olympia sonnig drauf. "Das sind meine ersten Spiele, und ich weiß echt nicht, was mich dort erwartet", sagt die aus Schwerin stammende Allwetter-Athletin, die Anfang des Jahres vom Hagenower SV zum SC Neubrandenburg gewechselt ist und derzeit an letzten Details feilt, damit es am 6. August in London "richtig krachen" kann.

6. August - Finaltag für die besten Stabhochsprung-Frauen der Welt, und die 30-Jährige sollte da mitmischen. "4,80 Meter muss man schon hoch, wenn man eine Medaille abkriegen will", schätzt sie. Übrigens: "Meine Eltern und einige Freunde haben Tickets für den Endkampf gebucht, allein deshalb darf ich nicht schon in der Quali hängen bleiben", lacht Martina Stutz.

Ein solches Missgeschick scheint undenkbar. Nachdem 2011 mit dem Vize-WM-Titel, der deutschen Meisterschaft und dem nationalen Rekord (4,80 Meter) bereits ein Strutz-Jahr war, ist es zuletzt mit dem Silber-Platz bei den Europameisterschaften in Helsinki top weitergegangen. Unter Hundeschnauzen-Bedingungen - kalt und feucht. Als der Regen am stärksten prasselte und die Konkurrenz an Miesepetrigkeit zulegte, war Martina Strutz so richtig in ihrem Element. "Och, so ein bisschen was von oben macht gar nix", erklärt die gebürtige Schwerinerin. "Das sind wir aus dem Norden doch gewöhnt." Dass die Meteorologen von einem verwässerten August für London unken, kann also nicht schocken.

Überhaupt, "Strutzi" gilt als Wettkampftyp. Ihr Ritual, ehe es ernst wird: Im Hotel warm duschen, Beine rasieren, kalt duschen - und los! "Ich bin keine von denen, die im Training irre Höhen schaffen und das, wenn’s drauf ankommt, nicht bestätigen. Eher andersrum: Ich konnte mich bei internationalen Wettbewerben öfter um ein paar Zentimeter steigern." Wenn es ähnlich in der britischen Hauptstadt liefe, wäre sie happy. Das wachsende Interesse im Vorfeld - auch von Leichtathletik-Laien - findet sie "geil". Wenn der Sprungstab dabei auch mal "Stock" genannt wird, kein Problem.

Martina Strutz liebt die große Sportbühne, schon weil sie dort mit Athletinnen um Platz und Sieg springt, "mit denen man ordentlich Spaß haben kann. Die Amis zum Beispiel sind meist locker, kein Stück verbissen. Das finde ich gut. Man kennt sich, ich bin ja mittlerweile ein Oldie im Geschäft." Daraus, dass sie mit den deutschen Stabhochsprung-Assen nicht so dicke ist, macht sie kein Hehl. "Das ist in Ordnung und hat ja nichts mit dem Team zu tun. Jeder sollte seinen Weg gehen."

Die 1,60 Meter große Ex-Turnerin hat einen eigenen Kopf zum Denken, scheut sich auch vor Unkonventionellem nicht: So lässt sie sich in London von Männer-Bundestrainer Jörn Elberding betreuen, einmal mehr. "Wir verstehen uns, das ist wichtig für mich." Als einst die sportliche Karriere auf der Stelle trat, wechselte Martina Strutz in Schwerin den Heimcoach und zu Thomas Schuldt - einem Wurftrainer. Es ging aufwärts.

Als ebenso richtigen Schritt schätzt sie den zum SC Neubrandenburg ein. "Das war eine gute Entscheidung. Toll, wie offen und herzlich man mir da begegnet", erzählt die Athletin. Nachdem im März die Laufhalle am Schweriner Lambrechtsgrund abgebrannt war, trainierte sie für ein paar Wochen direkt beim Viertorestädter Club. "Von allen Seiten erhielt ich Hilfe." Auch privat sind Kontakte entstanden. "Ich muss, stellvertretend für all die anderen, mal Franka Dietzsch danken, die so lecker für mich gekocht hat, und Physiotherapeutin Sibylle Jänecke für die kompetente Betreuung."

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