Hansa Rostock : Amtszeit mit Höhen und Tiefen

'Wenn ich durch den Spielertunnel ins Stadion reingekommen bin, wusste ich, hier wollte ich sein': Marc Fascher scheidet mit einem weinenden und einem lachenden Auge vom FC Hansa.
"Wenn ich durch den Spielertunnel ins Stadion reingekommen bin, wusste ich, hier wollte ich sein": Marc Fascher scheidet mit einem weinenden und einem lachenden Auge vom FC Hansa.

Mit dem Gewinn des Landespokals will Trainer Marc Fascher ein abschließendes Highlight setzen. Redakteur Peter Richter befragte ihn zu der auslaufenden Saison in der 3. Fußball-Liga.

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16. Mai 2013, 07:53 Uhr

Rostock | Nur acht Monate dauerte die Amtszeit von Trainer Marc Fascher. Es hätte anders kommen können. So soll es in seinem Vertrag eine Klausel geben, nach der sich sein Engagement beim FC Hansa bei Erreichen von Tabellenposition sieben automatisch verlängert hätte. Letztlich könnte aus dem derzeit zwölften maximal noch der zehnte Platz werden. Redakteur Peter Richter befragte Marc Fascher zu der morgen mit dem Heimspiel gegen den FC Rot-Weiß Erfurt zu Ende gehenden Saison in der 3. Fußball-Liga.

Herr Fascher, bei Ihrer Amtsübernahme im September 2012 äußerten Sie die Hoffnung, dass die Station FC Hansa ein weiterer Schritt nach oben auf Ihrer Karriereleiter werden möge. War er es?

Marc Fascher: Im Nach hinein nicht. Dafür hätte ich über den 30. Juni hinaus hierbleiben müssen und dadurch die Möglichkeit gehabt, mit einer selbst zusammengestellten Mannschaft den nächsten Schritt zu machen, nämlich die 2. Bundesliga anzustreben.

Wären Sie gern beim FC Hansa geblieben?

Vom Prinzip her ja, aber ich empfinde das auch als in Ordnung, wie es jetzt gekommen ist. Ich würde von einem weinenden und einem lachenden Auge sprechen. Ich möchte Rostock mit einem sauberen Schnitt verlassen und immer wieder gern hierher kommen können.

Sie übernahmen die Mannschaft nach dem 8. Spieltag. Wenn wir auf die Saison zurückblicken: Über die Zeit unter Ihrem Vorgänger Wolfgang Wolf werden Sie sich sicherlich nicht äußern wollen?!

Nein, das möchte ich nicht. Der erste Teil des Jahres war nicht unter meiner Regie. Es steht mir nicht zu, das zu beurteilen.

Dann lassen Sie uns über Ihre Amtszeit sprechen. Man könnte sie unterteilen in eine sehr erfolgreiche und eine sehr erfolglose sowie in die abschließende dritte Phase, in der die Mannschaft die Kurve kriegte.

So könnte man das zusammenfassen. Meine Amtszeit war eine ständige Wellenreiterei mit sportlichen Höhen und Tiefen. Wobei der negative Trend aus meiner Wahrnehmung vor der Winterpause anfing, als sich herausstellte, dass der körperliche Zustand der Mannschaft sehr zu wünschen übrig ließ. Zudem sind uns in dieser Phase mit Edisson Jordanov und Stephan Gusche klare Leistungsträger weggebrochen, Mosaiksteine, die nicht eins zu eins ersetzt werden konnten. Dann diese Häufung von Kuriositäten im negativen Sinne: sechs Handelfmeter gegen uns, Eigentore… Der negative Lauf hielt immer länger an, die Spieler hatten null Selbstvertrauen. Es kam eins zum anderen, und so rutscht du dann in den Strudel rein. Ich bin froh, dass wir wenigstens den Klassen erhalt klarmachen konnten.

Apropos Negativtrend und Winterpause: Ist nicht zu spät die Gefahr erkannt worden, dass der FC Hansa sogar noch in den Kampf gegen den Abstieg ver wickelt werden könnte, was dann ja auch so kam?

Jein. Die Konstellation war trügerisch. Wir waren Neunter mit 29 Punkten. Da hast du nicht im Traum an so was gedacht. Aber ich bin dennoch bei Ihnen. Wenn ich mir einen Fehler ankreiden würde, den ich meine begangen zu haben, dann den, dass ich mich durch die erfolgreiche Serie am Anfang habe blenden lassen. Dadurch sind zu hohe Erwartungen eingetroffen, die ich mit meinem Ehrgeiz habe walten lassen, die im Nachhinein betrachtet aber überhaupt nicht realistisch waren.

Noch mal zurück zur Winterpause: In ihr wurden gleich vier Halbjahreskräfte verpflichtet, die für frischen Wind sorgen sollten. Ist dieses "Experiment" nicht misslungen?

Unsere Zielsetzung dabei war: Konkurrenz belebt das Geschäft. Aber alle vier hatten keine richtige Vorbereitung mit der Mannschaft. Collin Quaner und Nico Zimmermann kamen ja sogar erst nach dem ersten Spiel 2013, dem 0:2 gegen Preußen Münster. Dass da dann keine Rädchen ineinander greifen, ist verständlich.

Was wird Ihnen im Zusammenhang mit Hansa künftig am meisten fehlen?

Diese Stimmung jedes Mal, wenn ich vor dem Anpfiff ins Stadion reingekommen bin, und wie die Fans 90 Minuten die Mannschaft angefeuert haben. Da wusste ich, hier wollte ich sein. Das ist immer Gänsehaut-Feeling gewesen. Es macht mich stolz, wie die Fans auch hinter mir standen. Ich glaube, sie haben gespürt, dass ich den Verein

lebe, und ich bin ihnen sehr dankbar. Erwähnen muss man natürlich auch die sehr guten Bedingungen in Rostock. Und es gab eine richtig gute Zusammen arbeit mit Ärzten und Physiotherapeuten, Trainerteam, Be treuern, Zeug warten, Mitarbeitern der Geschäftsstelle und Stadion gesellschaft, mit den Platzwarten und der Nachwuchs-Abteilung.

Neben dem morgigen letzten Saisonspiel bleibt Ihnen noch ein großes Ziel in Ihrer Rostocker Zeit - das Landespokalfinale.

Ich persönlich als Trainer will maximalen Erfolg und Titel holen. Der Pott muss her, ich will ihn unbedingt. Wenn ich die Chance habe, ein Landespokalfinale zu gewinnen, werde ich das mit der Mannschaft auch mit aller Macht versuchen. Unterm Strich wurde es mit dem FC Hansa zwar nur der Klassenerhalt, aber mit einem Sieg am 29. Mai in Neustrelitz können wir ein abschließendes Highlight setzen.

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