Alpin-Team trainiert im Flachland

<strong>Die DSV-Damen im Wittenburger Schnee</strong>, während draußen die Sonne scheint: hinten v.l.: Lena Dürr, Isabelle Stiepel, Christina Geiger, Gina Stechert, Katharina Dürr, Kathrin Hölzl. Vorn v.l.: Viktoria Rebensburg, Fanny Chmelar, Susanne und Maria Riesch. <fotos>Karen Hacke</fotos>
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Die DSV-Damen im Wittenburger Schnee, während draußen die Sonne scheint: hinten v.l.: Lena Dürr, Isabelle Stiepel, Christina Geiger, Gina Stechert, Katharina Dürr, Kathrin Hölzl. Vorn v.l.: Viktoria Rebensburg, Fanny Chmelar, Susanne und Maria Riesch. Karen Hacke

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27. Juli 2010, 07:35 Uhr

Wittenburg | Von der Ostsee hat sie zwar schon irgendwann einmal gehört, da gewesen ist sie aber noch nie. Und das, obwohl Deutschlands Top-Skirennläuferin Maria Riesch nun schon zum vierten Mal in Mecklenburg-Vorpommern ist. "Bisher habe ich von dem Bundesland aber immer nur das Alpincenter in Wittenburg von innen gesehen. Zum Urlaub fahre ich sonst ans Meer", sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu: "Ans richtige Meer", womit sie das Mittelmeer und noch wärmere Gefilde meint. Denn Urlaub könne sie nur im April machen und dann will sie auch da sein, wo es "sicher schön und sicher warm" sei. Im Kalten sei sie schließlich lange genug im Jahr.

Auch gestern und heute hält sich die 25-jährige Doppel-Olympiasiegerin von Vancouver 2010 die überwiegende Zeit des Tages bei minus zwei Grad Celsius auf, während draußen das Thermometer bis auf 25 Grad ansteigt. Ihre ersten Trainingseinheiten der neuen Saison auf Skiern absolviert sie nämlich gerade zusammen mit neun anderen Damen des Weltcup-Teams des Deutschen Skiverbandes (DSV) im Wittenburger Alpincenter. Vor allem die Materialabstimmung steht hier im Vordergrund.

Auf insgesamt zwei abgesteckten 330 Meter langen Slalompisten - rechts von der Strecke läuft der öffentliche Betrieb, links davon trainieren Nachwuchsmannschaften aus Ungarn und anderen Nationen - brausen die Frauen mit gekonnten Hüftschwüngen über die vollkommen vereiste Bahn. "Das ist die beste Skihalle, die es gibt", sagt Riesenslalom-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg und auch ihre Teamkollegin Maria Riesch weiß: "Die eisigen Bedingungen in Wittenburg sind super für uns. Ich kriege hier das Gefühl für meinen Ski, habe guten Grip und kann hohe Umfänge fahren." Etwa 25 Mal pro zweistündiger Trainingseinheit geht es für sie und die anderen Frauen mit dem Lift hoch und auf den Brettern wieder runter.

Auch andere Weltcup-Mannschaften - wie kürzlich die DSV-Männer um Weltmeister Felix Neureuther oder die italienische und norwegische Nationalmannschaft - kommen mittlerweile bis zu dreimal im Jahr ins südwestliche Mecklenburg, um sich auf die neue Wintersaison vorzubereiten. "Früher waren wir noch ein Geheimtipp, doch seit 2008 sind wir vor allem im Sommer sehr gefragt und freuen uns natürlich auch darüber", erklärt Kornelia Führs, Marketingleiterin des Alpincenters Hamburg-Wittenburg.

Bundestrainer Thomas Stauffer, der erst im April die Nachfolge von Mathias Berthold angetreten hatte, war mit der ersten Einheit seiner Mädels zufrieden: "Die Frauen sind fit. Man kann sich hier gut mit dem Material abstimmen. Drei Einheiten werden wir noch machen." Heute schon kehrt die Mannschaft zurück in die Berge, bevor der Flieger kommende Woche Donnerstag in Richtung Neuseeland zum ersten Trainingslager abhebt. Denn im Sommer werden die Weltmeister für den Winter gemacht.

Die Ziele, die sich die Damen für die bevorstehende Saison gesteckt haben, sind wieder hoch. Susanne Riesch zum Beispiel will sich nicht immer nur mit ihrer Schwester Maria messen. "Sie ist zwar ein guter Maßstab und die beste in unserer Mannschaft. Aber sie kann auch mal einen schlechten Tag haben und dann reicht es mir nicht, nur schneller als sie zu sein, wenn vor ihr noch einige Österreicher platziert sind", sagt die 22-Jährige ehrgeizig. Am Ende sei es aber schon schön, wenn zwei Schwestern auf dem Podium stehen.

Maria Riesch will ihr Niveau aus dem vergangenen Winter auch 2010/11 halten. "Mein Ziel, mei, das ist schwierig. Ich hatte jetzt zwei sehr gute Saisons (2010 Olympiagold im Slalom und in der Superkombination in Vancouver sowie 2009 Weltmeistertitel im Slalom im französischen Val dIsère - d. Red.) und weiß, dass eigentlich nicht viel mehr geht", sagt die Zollbeamtin.

Geht aber doch: Der Gesamt-Weltcupsieg fehlt noch in ihrer Erfolgsgeschichte und natürlich eine Medaille bei der Heim-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen.

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