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Endpunkt einer großen Karriere vor 30 Jahren : Alis letzter Kampf: Drama in Bahama

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Die Sprache war schon verschleppt und undeutlich, vor allem unter Stress. "Hirnschäden von den vielen Schlägen" hatten Ärzte festgestellt. Aber Muhammad Ali wollte unbedingt boxen, an jenem 11. Dezember 1981.

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erstellt am 09.Dez.2011 | 05:39 Uhr

Hamburg | Die Sprache war bereits verschleppt und undeutlich, vor allem unter Stress. "Hirnschäden von den vielen Schlägen in der Karriere" hatten zwei Ärzte festgestellt, darunter auch sein langjähriger Leibarzt Ferdie Pacheco. Er hatte Probleme mit der Fitness, war so schwer wie nie zuvor in seiner langen Laufbahn, über 107 Kilogramm. "Alle Fans, die ihn immer angefeuert haben, werden sich für ihn schämen", prophezeite der alte Kontrahent George Foreman. Aber Muhammad Ali wollte unbedingt gegen Trevor Berbick boxen, an jenem 11. Dezember 1981.

Wer Ali bei seinem bis heute letzten öffentlichen Auftritt am 14. November 2011 gesehen hat, konnte nicht anders, als tief erschüttert zu sein. Seit Jahren leidet der ehemalige Schwergewichtsweltmeister an der Parkinsonschen Krankheit. Man sah die Symptome schon vor 30 Jahren, nur beurteilte man sie nicht richtig. Die "Dementia Pugilistica", auch Boxer-Syndrom genannt, ist inzwischen in der Medizin längst anerkannt. Eine neurale Dysfunktion bei Menschen, die häufigen Schlägen an den Kopf ausgesetzt sind.

Ali bestritt also vor 30 Jahren seinen letzten Kampf im Ring. Es war furchtbar. Als "Drama in Bahama" wurde der Fight in Nassau vermarktet. Alis Mutter und seine Frau waren strikt gegen den Kampf. Kein Veranstalter in den USA wollte seinen Segen geben. Zu furchtbar war seine Niederlage 14 Monate zuvor gegen Larry Holmes ausgefallen, als Trainer Angelo Dundee ihn nach zehn Runden erlöste. Wenn es den einen Kampf zu viel gab, war es der gegen Holmes, nicht der gegen Berbick.

1,1 Millionen Dollar soll Ali für seinen Bahamas-Auftritt kassiert haben. Geld, das ein obskurer Unternehmer namens James C. Cornelius irgendwie aufgetrieben hatte. Eine Woche vor dem Kampf kam Don King auf die Bahamas geflogen, um seine Promoter-Rechte an Berbick geltend zu machen, er wurde von fünf Mann im Hotel verprügelt. Berbick drohte kurz vor dem Kampf mit Absage, weil er nur 100 000 der vereinbarten 350 000 Dollar erhalten hatte.

Alis Motivation für diesen letzten Auftritt ist unklar. "So wie gegen Holmes kann ich nicht aufhören", wurde er zitiert. Ein Schlankheitsmittel habe ihn da so geschwächt, dass er keine Reflexe mehr hatte. Von finanziellen Problemen war aber auch zu lesen, die Millionen hat er wohl wirklich gebraucht. Und da war wohl auch ein Rest des großsprecherischen Selbstvertrauens, das seine Karriere geprägt und ihn berühmt gemacht hat: "Ich bin der Größte".

Zum vierten Mal wollte er Weltmeister werden. Nach dem Sieg gegen Berbick wollte Ali den WBA-Champion Mike Weaver fordern. Keine Gegner für den jüngeren, "alten" Ali, der vor dem Kampf auf einer Pressekonferenz Zaubertricks vorführte und noch einmal tönte: "Berbick ist so leicht zu treffen, der wird sauer, wenn du ihn verfehlst."

Aber Ali war eben nicht mehr der alte Ali, sondern nur noch ein sehr gealterter Ali. Berbick, ein limitierter Boxer ohne besondere Klasse, machte was er wollte. Ali stand an den Ringseilen und versuchte sich so gut wie möglich zu schützen. Kein Tempo, keine Klasse, ein kranker Mann. "Ich fühle mich jetzt wirklich wie 40", sagte Ali nach der klaren Punktniederlage.

Zu "Trauma in Bahama" benannte die Presse Alis 61. und letzten Kampf im Ring um. Der Kampf im Leben begann erst danach und wurde auch zu einem großen Teil in der Öffentlichkeit geführt. Ali versteckte sich und seine stetig fortschreitende Erkrankung nicht. Er war weiter unterwegs für Menschenrechte weltweit, so lange er noch konnte. Er rührte die Weltöffentlichkeit, als er zitternd das Olympische Feuer 1996 in Atlanta entzündete.

Er erwies in diesem November seinem alten Rivalen Joe Frazier die letzte Ehre und bezahlte fünf Tage später dafür mit einer Einlieferung ins Krankenhaus. "Es geht ihm wieder so gut, wie man es erwarten kann", teilte anschließend seine Familie mit. Was kann man erwarten? Am 17. Januar jährt sich Ali Geburtstag zum 70. Mal.

Trevor Berbick boxte noch bis 2000. Er wurde mehrmals verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. 2002 wurde er aus den USA ausgewiesen und am 2006 in seinem Geburtsland Jamaika ermordet. Letztlich ein Kleinkrimineller im Schatten des Größten.

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