Bahnrad-Weltmeister Nimke in London : Abflug zur letzten Olympia-Mission

<strong>An der Sicherheitskontrolle: </strong>Stefan Nimke (l.) und Miriam Welte (r.) vom Track Cycling Team MV gestern auf dem Düsseldorfer Flughafen vor dem Abflug nach London. <foto> dapd</foto>
An der Sicherheitskontrolle: Stefan Nimke (l.) und Miriam Welte (r.) vom Track Cycling Team MV gestern auf dem Düsseldorfer Flughafen vor dem Abflug nach London. dapd

Zu seinen vierten Olympischen Spielen brach gestern Bahnrad-Ass Stefan Nimke auf. In London geht der Schweriner auf Goldjagd im Teamsprint.

svz.de von
25. Juli 2012, 04:35 Uhr

Köln/Schwerin | Jeden Tag reisen immer mehr deutsche Athleten in London an, wo am Freitagabend mit einer gigantischen Feier im Olympiastadion die Sommerspiele eröffnet werden. Gestern hoben Maschinen der Lufthansa von Frankfurt/Main und Düsseldorf mit deutschen Medaillenhoffnungen an Bord Richtung Insel ab. Im Flieger aus dem Rheinland saßen auch die Bahnrad-Asse um den Schweriner Olympiasieger von 2004 in Athen, Stefan Nimke. "Ich freue mich riesig auf Olympia. Wir ziehen dann gleich ins Dorf ein", berichtete der 34-Jährige am Abend vor seinem Abflug. Es ist für den 1000-m-Weltmeister die letzte Etappe zu seiner letzten Olympia-Mission. Nach London ist Schluss. Zum vierten Mal startet Nimke bei Olympia, und am Freitag wird er bei der Eröffnungsfeier dabei sein. "René (Enders - d. A.) und Max (Levy) wollen hin, so werde ich auch hingehen und freue mich darauf", sagt der Top-Athlet vom Track Cycling Team Mecklenburg-Vorpommern. Nach Peking 2008 ist es erst seine zweite Eröffnungsfeier, die er mitmacht. "In Sydney und Athen waren wir gleich am ersten und zweiten Tag dran. Da konntest du nicht acht Stunden und mehr mit allem drum und dran bei der Eröffnungsfeier herumstehen", erinnert sich der Schweriner.

Mit Ruhe und Physio die Schmerzen auskurieren

Am 2. August will er mit dem Erfurter Enders und dem Cottbuser Levy im Teamsprint das große Ziel erreichen: eine Medaille - am liebsten die goldene. Dafür muss der gebürtige Hagenower aber wieder topfit werden. Am Freitag vergangener Woche packte er sich beim Training in Köln brutal auf die Bahn, zerstörte dabei sein neues Olympiarad und hat seitdem Schmerzen im Knie und im Rücken. Die Generalprobe am Sonntag ging dann auch daneben (wir berichteten). "Ich habe ein Problem beim Anfahren, wenn ich alle Muskeln anspanne. Ich brauche jetzt ein bisschen Ruhe und Physio, dann wird das wieder. Von daher kommt der Montag als Reisetag ganz gut. Am Dienstag werde ich mich weiter auskurieren", erklärte der Schützling von Trainer Ronald Grimm. Ein Start bei Olympia ist aber keineswegs in Gefahr. "Meine Form verliere ich dadurch garantiert nicht. Bis zum Crashtag hatte ich ja überhaupt keine Probleme. Und von der Belastung her machen wir uns in London im Training jetzt sicher nicht mehr kaputt. Es geht darum, die Form zu halten."

Da sein neues Olympia-Rad, das er erst vor kurzem im Trainingslager im niederländischen Apeldoorn erhalten hat, zerstört ist, kommt sein WM-Rad vom März noch einmal zum Einsatz. "Auf die Schnelle kann die FES mir kein neues Rad bauen. Das Sitzrohr und das Querrohr sind gebrochen. Aber das WM-Rad ist ja auch kein schlechtes. Es ist halt nur nicht so leicht wie das Olympia-Rad, das ja keine absolute Neuentwicklung ist. Das war aber cool", so Stefan Nimke, der sich schon über den Totalschaden aufgrund eines Materialfehlers ärgert.

Ehefrau Marlen und die Töchter bleiben zu Hause

Das muss alles aus dem Kopf heraus - alles richtet sich auf den Tag X. Und auch in London wird wie bei seinen drei vorherigen Olympia-Starts seine Frau Marlen nicht dabei sein. "Es gab Überlegungen, dass Marlen mit nach London kommt. Aber wir haben uns gesagt: Wir lassen alles wie gehabt, hat ja immer geklappt. Und Marlen würde das vor Ort nicht aushalten. So kann sie zu Hause vorm Fernseher sich das ansehen und hinterher jubeln - oder auch nicht", meinte schmunzelnd Mecklenburgs sportliches Aushängeschild. Marlen, die ja auf die beiden Töchter Luise und Charlotte aufpassen muss, verabschiedete ihren Stefan am Wochenende in Köln. Sie war mit den anderen Athleten vom Track Cycling Team in die Rhein-Metropole gefahren. "So war das ein Gefühl von Heimat und Vertrautheit", meinte der sechsfache Weltmeister, der seinen Rückflug für den 9. August vorgemerkt hat. "Die Bahnrad-Wettkämpfe gehen bis zum 7. So haben wir alle noch den 8. August zusammen. Ich werde vor Ort entscheiden, welche anderen Wettkämpfe ich mir nach meinem anschaue. Ich möchte noch was anderes sehen. Das ist ja Olympia", sagt Nimke und Olympia heißt auch: Medaille für den Schweriner. Seine Marlen konnte ihn jedesmal nach den Sommerspielen entweder mit Gold (2004), Silber (2000) oder Bronze (2004 und 2008) wieder zu Hause empfangen…

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