0:3 - die Schande von Neustrelitz

Der Anfang vom Hansa-Ende: Der Ball zappelt nach einem Kopfball des Neustrelitzers Gramoz Kurtaj  (links) zum 1:0 im Netz. Torwart Johannes Brinkies ist machtlos. Matthias Holst (Zweiter von links) und Michael Blum können nicht mehr eingreifen.   Foto: Andy Bünning
Der Anfang vom Hansa-Ende: Der Ball zappelt nach einem Kopfball des Neustrelitzers Gramoz Kurtaj (links) zum 1:0 im Netz. Torwart Johannes Brinkies ist machtlos. Matthias Holst (Zweiter von links) und Michael Blum können nicht mehr eingreifen. Foto: Andy Bünning

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29. Mai 2013, 09:44 Uhr

neustrelitz | Die favorisierten Fußball-Profis des FC Hansa haben das Landespokalfinale gestern gegen die TSG Neustrelitz auf peinliche Weise mit 0:3 (0:1) verloren. Es war der Tiefpunkt der Vereinsgeschichte. Eines war vorher klar: Wie auch immer dieses Endspiel ausginge, die Rostocker würden sich zumindest nicht ganz so blamieren wie der FC Rot-Weiß Erfurt, der seinen fest eingeplanten Startplatz im DFB-Pokal nach einem 0:1 im Finale an den Thüringer Verbandsliga-Meister und damit im Moment noch Sechstligisten (!) SV Schott Jena abtreten musste. Denn die ebenso wie die Blumenstädter drittklassigen Ostseestädter gastierten beim immerhin Achten der Regionalliga Nordost (4. Liga), und da sind die Unterschiede nicht mehr so gewaltig groß, als dass nicht eine Überraschung schon mal vorkommen könnte.

Bester Beweis die 10. Minute im Parkstadion. Nachdem sich die Anfangsphase passend zur Waldidylle ringsumher ruhig und friedlich gestaltet hatte, brachten die "Gäste" - laut Ansetzung war Hansa die Heimmannschaft - schon mit ihren ersten ernsthaften Angriffsbemühungen die Rostocker in Schwierigkeiten. Noch erwischte Jovanovic den Ball nicht voll mit der Hacke (9.), doch Sekunden später war Schindler zunächst bereits an Brinkies vorbeigezogen, hatte dann, nachdem zu weit nach außen abgetrieben, geflankt und exakt den Kopf von Kurtaj gefunden - 1:0 für den Außenseiter.

Die Ostseestädter waren total von der Rolle, fanden überhaupt nicht zu sich. Da war keinerlei Linie drin in den Aktionen der gestern Weiß-Gelben, die zudem deutliche Nachteile in Sachen Leidenschaft und Biss aufwiesen. In der Defensive liefen die Rostocker stets Gefahr "zu schwimmen". So hatte Kahlert gar das 2:0 auf dem Fuß (40.). Wenig später kam der FCH nach dem einen oder anderen harmlosen Freistoß endlich zu seinen ersten (und einzigen) erwähnenswerten Chancen. Jeweils Grupe schloss ab: nach Freistoß von Blum mit dem Hinterkopf (43./Torwart Bittner lenkte den Ball über die Latte) und im Anschluss an eine Ecke von Weilandt (45./daneben).

Die Blauen hingegen krempelten die Ärmel hoch, investierten viel mehr, wenn sie es in ihrer Heißblütigkeit auch einige Male übertrieben. So durfte Fuchs froh sein, dass sein kung-fu-artiger Tritt gegen Grupes Brustkorb im Bereich von Mittel- und Seitenlinie Schiedsrichter Dräger entging - der pfiff statt dessen zur Pause…

Nach selbiger wurde zwar das Wetter besser - der Regen hörte halbwegs auf -, nicht jedoch das Hansa-Spiel. Statt dessen nahm die "Krönung" einer miserablen Saison Gestalt an, als Kahlert aus über 25 Metern einfach mal draufhielt: Erneut landete die Kugel im Netz, wobei Keeper Brinkies ganz schlecht aussah - aber wer tat das gestern nicht in den Reihen des Favoriten?! Wobei das Schlimmste die Art und Weise war, diese blutleere "Kunst", mit der die Hansestädter kein bisschen Druck aufzubauen vermochten. So nahm die "Schande von Neustrelitz" ihren Lauf, gingen die so dringend benötigten 100 000 Euro für das Erreichen des DFB-Pokals den Bach hinunter. Die Rostocker werden nun erstmals seit Vollzug der deutschen Einheit nicht in diesem Wettbewerb vertreten sein.

Das 3:0 durch Rogoli nach gescheitem Querpass von Pütt war die Abrundung (77.). Danach stürmten etwa 25 Chaoten das Spielfeld, wollten augenscheinlich den Hanseaten an die Wäsche. Polizisten und Ordner räumten die Fläche, die Partie musste für acht Minuten unterbrochen werden.

0:3 im Landespokalfinale - und das ausgerechnet an einem 29. Mai, an dem der FC Hansa vor 14 Jahren durch ein 3:2 beim VfL Bochum am letzten Bundesliga-Spieltag noch den Klassenerhalt schaffte. Ein Tag, der zur Legende wurde. Jetzt ist der 29. Mai auch in negativem Sinne in die Vereinsgeschichte eingegangen.

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