DFL-Boss : Seifert mahnt: Kampf gegen Corona noch nicht gewonnen

Angespannt: DFL-Boss Christian Seifert. /dpa Pool/dpa
Angespannt: DFL-Boss Christian Seifert. /dpa Pool/dpa

Der deutsche Profifußball setzt den Notbetrieb in den beiden Bundesligen fort. DFL-Geschäftsführer Seifert mahnt eindringlich zu höchster Disziplin, um den angestrebten Abschluss der Saison in der Corona-Krise nicht zu gefährden.

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22. Mai 2020, 15:23 Uhr

Ob DFL-Boss Christian Seifert zur Ablenkung an diesem Wochenende wieder den Rasen mähen wird, ist nicht überliefert.

Sicher ist dagegen, dass die Anspannung beim Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga vor dem zweiten Teil der Geisterspiel-Serie mindestens genauso groß ist wie vor dem gelungenen Bundesliga-Neustart in der Vorwoche, als er sich vor Aufregung dem Grün in seinem Garten widmete. «Was wir geschafft haben, ist gerade mal das erste von neun Spielen, und es ist längst nicht raus, ob nicht am Ende doch Corona gewinnt», beschrieb Seifert in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» seine Gefühlslage.

Es verwundert daher nicht, dass der 51 Jahre alte Top-Manager die gesamte Branche davor warnt, nachlässig zu werden. «Es geht jetzt darum, die Disziplin aufrechtzuerhalten. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht zurücklehnen und sagen: Geht doch, alles okay», mahnte Seifert. Jedem müsse klar sein, «dass wir noch nicht viel erreicht haben und die Vorgaben weiter konsequent umsetzen müssen».

Nicht nur nach Ansicht von Kölns Sportdirektor Horst Heldt ist das DFL-Konzept am ersten Geister-Spieltag voll aufgegangen. Der 50-Jährige hegt daher große Hoffnungen, «dass wir die Saison auf sportliche Weise zu Ende führen können». Es müsse aber allen Beteiligten klar sein, «dass wir gegen einen Feind kämpfen, der einerseits so klein ist, dass er unsichtbar bleibt, andererseits aber so mächtig ist, dass die kleinste Undiszipliniertheit alles erneut lahmlegen könnte», sagte Heldt in einem Interview des «Sportbuzzer».

Mahnendes Beispiel ist der Zweitligist Dynamo Dresden, der mittlerweile fünf positive Corona-Fälle verzeichnete und nach zweiwöchiger Quarantäne erst an diesem Samstag ins Mannschaftstraining zurückkehrt. Am kommenden Montag begeben sich die Sachsen dann in ein Quarantäne-Hotel, um als letztes Profi-Team am 31. Mai gegen den VfB Stuttgart den Spielbetrieb fortsetzen zu können - inklusive drei Nachholespielen.

Bereits am Donnerstag hatte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge den Profis noch einmal ins Gewissen geredet. «Wenn die Spieler es ernst nehmen und diszipliniert sind, haben wir eine Chance, die Saison zu beenden», sagte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters aus München der «Gazzetta dello Sport».

Dazu gehört laut Seifert auch ein zurückhaltender Corona-Torjubel, der bei der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der 1. und 2. Bundesliga entgegen der DFL-Empfehlung nicht von allen Mannschaften umgesetzt wurde. Die Kritik am Verhalten einiger weniger Profis - vor allem von Hertha BSC - könne er gut nachvollziehen.

«Was wir jetzt nicht brauchen, sind die ersten Stimmen aus der Liga nach dem Motto: Ach, da darf man nicht spießig sein, da muss man doch mal drüber hinwegsehen», sagte Seifert und forderte mit Nachdruck: «Ich gehe davon aus, dass sich am nächsten Wochenende alle an die Empfehlung halten, auf die Nähe beim Jubeln zu verzichten.»

Kein Verständnis äußerte der Familienvater für die generellen Vorbehalte gegen die Saison-Fortsetzung. «Sollen wir auf einen Nullwert bei den Infektionen warten? Auf einen Impfstoff? Oder auf bessere Werte im ZDF-Politbarometer?», konterte Seifert die Kritik. «Darauf hätte ich gern eine Antwort gehört von all denen, die meinten, es sei nicht zu vertreten zu starten. Dass 36 kleine und mittlere Unternehmen versuchen, ohne staatliche Finanzhilfen zurückzukommen in einen betrieblichen Alltag - ich finde, da gibt es schlimmere Signale in Deutschland im Jahr 2020.»

Um das fragile Gebilde nicht zum Einsturz zu bringen, ist auch abseits des Rasens weiter höchste Disziplin gefragt. «Ich bin jetzt mit dem Fahrrad zum Training gefahren, da kommt man natürlich auch mal an einem Biergarten vorbei», berichtete Bayern-Trainer Hansi Flick am Freitag. «Aber es ist aktuell wichtig, dass wir uns an die Vorgaben halten. Wir wollen die Saison zu Ende bringen.» Das ist ganz im Sinne von Seifert. «Die eigentlich anstrengende Phase kommt jetzt, weil wir ein Stück weit die Kontrolle aus der Hand geben und noch mehr Menschen in die Verantwortung müssen als vorher», betonte der DFL-Boss.

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