Fußball Liga : Rauball wird nicht mehr als DFL-Präsident kandidieren

Reinhard Rauball gibt sein Amt als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) im nächsten Jahr auf.
Reinhard Rauball gibt sein Amt als Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL) im nächsten Jahr auf.

Beim DFB sortiert man sich inmitten der Krisen immer wieder neu, bei der DFL soll ein geordneter Umbruch stattfinden. Dies sieht Reinhard Rauball als dringend notwendig an. Der anerkannte Spitzenfunktionär schafft dafür selbst Platz.

svz.de von
10. September 2018, 17:29 Uhr

Reinhard Rauball tritt als langjähriger DFL-Präsident im nächsten August ab und mahnt eine Strukturreform bei der Dachorganisation der Bundesliga-Clubs an.

Mit dem Ausscheiden des 71-Jährigen verliert der deutsche Fußball in einer seiner größten Krisen eine wichtige Figur, die oft als Vermittler zwischen der Deutschen Fußball Liga und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wirkte. Die spannende Frage wird sein, wer das Vakuum füllt - und vor allem, wie sich der FC Bayern München künftig positioniert, wenn der anerkannte Spitzenfunktionär aus Dortmund weicht. Bisher hatte sich der Branchen-Krösus nicht um derartige Posten in Frankfurt/Main bemüht.

«Nach intensiven Überlegungen habe ich mich entschieden, im kommenden Sommer nicht erneut für ein Amt bei der DFL zur Verfügung zu stehen», sagte Rauball in einer von der DFL veröffentlichten persönlichen Erklärung nach einer Präsidiumssitzung. Für die Deutsche Fußball Liga müsse künftig gelten: «Strukturen und Kompetenzen richten sich konsequent an den Herausforderungen der Zukunft aus, nicht an Satzungen von gestern und erst recht nicht an einzelnen Personen.»

Die Aufgaben seien von einer Person kaum mehr auszufüllen, meinte Rauball. «Die Welt um uns herum hat sich verändert. Wir müssen daher als DFL einiges für uns selbst neu definieren. Dazu gehört auch die Frage: Was ist der beste organisatorische Rahmen, die richtige Struktur für die DFL und ihre Gremien?»

Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge äußerte in einer ersten Reaktion Bedauern und Verständnis. «Reinhard Rauball hat in seiner Amtszeit als Präsident der DFL mit seiner ausgleichenden und ruhigen Art dem Fußball und der Bundesliga stets gedient», sagte er. «Insbesondere ist es ihm gelungen, trotz der teilweise unterschiedlichen Interessenslagen der Parteien der Bundesliga und der zweiten Bundesliga mit viel diplomatischem Geschick Lösungen zu finden.»

Während sich der DFB angesichts der Affäre um das «Sommermärchen» 2006 und des WM-Debakels in Russland ständig neu sortieren muss, steht nun auch bei der DFL vieles auf dem Prüfstand. Der scheidende Präsident nimmt die Vereine in die Pflicht: «Um zur DFL-Generalversammlung im August 2019 ein Zukunftsmodell mit Leben zu füllen, ist es erforderlich, dass nun die Clubs über Veränderungen diskutieren und entsprechende Beschlüsse möglichst bis Ende des Jahres fassen.» Davon unberührt sei allerdings die DFL-GmbH, also der Tagesbetrieb in der Frankfurter Guiollettstraße.

Vor diesem Hintergrund habe er bereits im April das Gespräch mit seinen beiden Stellvertretern Peter Peters und Helmut Hack gesucht. «Gemeinsam sind wir überzeugt davon, dass der DFL e.V. als Zusammenschluss der 36 Clubs eine neue zeitgemäße Organisationsform benötigt», sagte Rauball, der für die nächste Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung steht.

Rauball ist zugleich erster Vizepräsident des DFB und hatte nach dem unrühmlichen Abgang von Verbandsboss Wolfgang Niersbach 2015 in der Affäre um die Weltmeisterschaft 2006 gemeinsam mit Rainer Koch den größten Sportfachverband der Welt kommissarisch geleitet. Der Jurist steht zudem seit 2004 bereits zum dritten Mal Borussia Dortmund als Präsident vor und half dem BVB immer wieder in wirtschaftlich schweren Zeiten.

Auch DFB-Boss Reinhard Grindel lobte seinen Kollegen: «Ich habe in den vergangenen Jahren sehr vertrauensvoll mit Reinhard Rauball zusammengearbeitet und ihn dabei als ausgewiesenen Fußballfachmann und verlässlichen Menschen schätzen gelernt.» Er habe mit seiner Erfahrung und seinem Weitblick über Jahrzehnte den deutschen Fußball in unterschiedlichen Funktionen entscheidend mitgeprägt.

2007 hatte Rauball als Nachfolger des gestorbenen Werner Hackmann den Vorsitz des damaligen Ligaverbandes der 36 Erst- und Zweitligaclubs übernommen. Sein jetziger Entschluss beziehe sich aber ausschließlich auf sein Amt bei der DFL und nicht bei Borussia Dortmund. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte der Funke-Mediengruppe: «Es ist mein Wunsch, dass uns Reinhard Rauball über 2019 hinaus beim BVB erhalten bleibt. Aber das entscheidet er ganz alleine.»

In den zwölf Jahren seiner Amtszeit habe er gemeinsam mit den Clubs und der DFL-GmbH einiges im Sinne des deutschen Profi-Fußballs erreicht, bilanzierte Rauball. «Fakt ist aber genauso: Aktuell stehen Bundesliga und 2. Bundesliga vor bedeutenden Weichenstellungen - mit Blick auf die sportliche und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich, aber auch in Bezug auf das Verhältnis der Clubs und der beiden Ligen untereinander.»

Rauball gilt als begnadeter Diplomat und souveräner Stratege, der seine Kritik immer in bedachte Worte gepackt hat. «Ich bin Repräsentant der Emotionen», so erklärte es Rauball mal in der Tageszeitung «Die Welt». Gemeinsam mit Christian Seifert, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung und Vermarktungsexperten, ist er seit Jahren das Gesicht der DFL. 2016 war der Spitzenfunktionär einstimmig und ohne Gegenkandidat wiedergewählt worden und hatte angekündigt, die Aufgabe «mit Herzblut» zu erfüllen. Schon damals deutete sich an, dass seine vierte Amtszeit seine letzte sein könnte.

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