Nach Dopingskandal : Sachenbacher-Stehles neues Leben: «Liebe es, Mutter zu sein»

Genießt das Familienleben: Die ehemalige Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle mit ihren Töchtern Greta und Mina.
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Genießt das Familienleben: Die ehemalige Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle mit ihren Töchtern Greta und Mina.

Für Evi Sachenbacher-Stehle wird die Wunde nach ihrem Doping-Schock von Sotschi wird niemals «ganz» verheilen. Als zweifache Mutter hat die frühere Weltklasse-Wintersportlerin aber ihr Lachen zurück.

svz.de von
07. Februar 2018, 09:23 Uhr

Evi Sachenbacher-Stehle sorgte bei den Winterspielen 2014 für einen Doping-Skandal. Ein verunreinigter Tee war nach ihren Angaben der Grund für die positive Probe bei Olympia in Sotschi, der Internationale Sportgerichtshof reduzierte daraufhin ihre Sperre.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur beschreibt die zweimalige Olympiasiegerin ihr Leben nach der Sport-Karriere: «Ich liebe es Mutter zu sein, die Zeit mit meinen Mädels zu genießen und nicht mehr ständig reisen zu müssen.»

Erstmals seit langer Zeit sind Sie nicht im Olympia-Stress. Dafür halten Sie ihre beiden Mädels ganz schön auf Trab. Was ist denn stressiger?

Evi Sachenbacher-Stehle: Ganz klar meine beiden Mädels. Nein, Quatsch, mit den zwei Mädels hab ich zwar alle Hände voll zu tun, aber es macht unglaublich viel Spaß und sie geben mir so viel zurück. Im Sport ist das ein anderer Stress und es kommt zusätzlich der Druck von außen, oder der, den man sich selbst macht hinzu. Das zehrt auf jeden Fall mehr.

Ihr neues Leben gefällt Ihnen.

Sachenbacher-Stehle: Absolut! Ich liebe es, Mutter zu sein, die Zeit mit meinen Mädels zu genießen und nicht mehr ständig reisen zu müssen. Sport kann ich ja so auch noch machen, das brauche ich auch - und das ganz ohne Stress.

Sie haben Ernährungsberatung studiert. Wie setzen Sie das jetzt beruflich um?

Sachenbacher-Stehle: Noch habe ich keinen konkreten Plan, momentan stehen unsere beiden Mädels an erster Stelle, das ist mir sehr wichtig. Aber in Zukunft möchte ich gerne etwas in Richtung Ernährungsberatung in Verbindung mit Fitness machen.

War das die Konsequenz aus den Ereignissen in Sotschi?

Sachenbacher-Stehle: Ich habe mich die letzten Jahre meiner sportlichen Karriere sehr intensiv mit dem Thema Ernährung befasst. Seit meiner Auszeit 2011 habe ich mich bewusster ernährt und gesunde Ernährung ist mir immer wichtiger geworden. Das hat letztendlich auch zu dem positiven Test geführt, da der Tee aus getrockneten Beeren, den ich getrunken habe, verunreinigt war. Ob das der ausschlaggebende Punkt war, kann ich nicht sagen, das ganze Thema Ernährung interessiert mich aber schon länger.

Wie oft werden Sie denn noch auf den Doping-Skandal angesprochen?

Sachenbacher-Stehle: Sehr selten. Er ist aber ein Teil meines Lebens und hin und wieder werde ich nach Hintergründen gefragt.

Ist das eine Wunde, die irgendwann verheilt ist oder immer weh tun wird?

Sachenbacher-Stehle: Ganz verheilen wird sie wohl nie, dafür war der Schmerz zu tief. Aber ich habe gelernt, damit zu leben.

Haben Sie sich etwas vorzuwerfen?

Sachenbacher-Stehle: Ich habe sicherlich den falschen Menschen vertraut. Ein Ernährungsberater, der Leistungssportler betreut, sollte wissen, was er Sportlern empfehlen kann und was nicht. Auch sollte eine Firma, die Produkte in Deutschland vertreibt und weiß, für wen sie bestimmt sind, in der Lage sein, saubere Produkte anzubieten, was mir auch zugesichert wurde. Rückblickend würde ich sicher anders damit umgehen, da man als Sportler am Ende selbst verantwortlich ist, was man zu sich nimmt. In der damaligen Situation schien es mir Sicherheit genug.

Wie wichtig war Ihr Mann, war Ihre Familie bei der Aufarbeitung?

Sachenbacher-Stehle: Sehr wichtig. Ohne sie, vor allem ohne meinen Mann hätte ich das alles wohl nicht so geschafft. Ich bin sehr glücklich, so eine tolle Familie zu haben, auch Hannes Eltern und Familie haben mir in dieser schweren Zeit sehr geholfen und dafür bin ich sehr dankbar.

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat ihre Zweijahres-Sperre durch den Biathlon-Weltverband auf sechs Monate reduziert. War das eine Art Genugtuung?

Sachenbacher-Stehle: Genugtuung der IBU gegenüber, ja. Es war hart, von der IBU die gleiche Strafe auferlegt zu bekommen, wie Athleten die vorsätzlich mit Epo oder sonstigen leistungssteigernden Substanzen versucht haben zu betrügen. Ich war sehr erleichtert, dass das Zustandekommen meines positiven Tests hundertprozentig aufgeklärt werden konnte und dass der CAS diese Fakten berücksichtigt hat.

Danach haben Sie Ihre Karriere offiziell beendet. Wie wichtig ist Ihnen der Sport heute?

Sachenbacher-Stehle: Sehr wichtig. Ich habe Skilanglauf und Biathlon gemacht, weil es mir unglaublich viel Spaß macht und daran hat sich nichts geändert. Ich brauche die Bewegung an der frischen Luft. Das Einzige, was ich nicht mehr mache, ist bei kaltem, regnerischem Wetter rauszugehen. Dann lieber bei Sonne.

Interessieren Sie sich noch für Olympia?

Sachenbacher-Stehle: Auf jeden Fall! Ich finde es toll, bei Olympia auch mal was von Sportarten zu sehen, die sonst nicht im Fernsehen übertragen werden.

Wenn Ihre beiden Mädels später eine Sportkarriere anstreben würden, würden Sie zuraten?

Sachenbacher-Stehle: Wenn sie das selbst gerne wollen, warum nicht? Ich denke sehr gerne an meine aktive Karriere zurück und durfte unvergessliche und emotionale Momente erleben.

Lieber den Berg runter als Abfahrer wie der Papa? Oder als Langläuferin oder Biathletin wie die Mama?

Sachenbacher-Stehle: Mir wäre lieber, wenn sie sich für Skilanglauf oder Biathlon anstatt Alpinskifahren entscheiden, das ist weniger gefährlich.

ZUR PERSON: Evi Sachenbacher-Stehle (37) gewann als Skilangläuferin unter anderem zwei olympische Goldmedaillen, ehe sie im März 2012 zum Biathlon wechselte. Die Bayerin schaffte als Skijägerin die Qualifikation für Olympia 2014 in Sotschi, dort wurde sie nach einer positiven Dopingprobe aus der deutschen Mannschaft ausgeschlossen und anschließend gesperrt.

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