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Deutscher Box-Meister aus Schwerin : Marutjan vor die Tür gesetzt

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Der Deutsche Boxsport-Verband hat sich von Arayk Marutjan, einem seiner Hoffnungsträger für die Olympischen Spiele 2016, getrennt und aus dem Bundeskader und der Sportfördergruppe der Bundeswehr ausgeschlossen.

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erstellt am 28.Feb.2013 | 09:57 Uhr

Schwerin | Der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) hat sich von Arayk Marutjan, einem seiner Hoffnungsträger für die Olympischen Spiele 2016, getrennt. Der deutsche Meister im Weltergewicht und Dritte der U22-EM vom BC Traktor Schwerin wurde in dieser Woche aus dem Bundeskader und der Sportfördergruppe der Bundeswehr ausgeschlossen. Außerdem darf er die Einrichtungen am Olympiastützpunkt Schwerin nicht mehr nutzen. Auch sein geplanter Start beim Chemiepokal in Halle (6. bis 9. März) ist damit hinfällig.

Der Grund für Marutjans K.o. im Amateurbereich ist die Ablehnung eines Vertrages durch den Deutsch-Armenier, der ihn für den laufenden Olympiazyklus an den Verband binden und für diesen Zeitraum seine Abwanderung ins Profilager ausschließen würde. Auf Anraten seines Vaters sowie seines Beraters Peter Hanraths, früherer Co-Chef des Hamburger Universum-Profistalls, verweigerte der 20-Jährige, der die vergangenen Monate beim Feldwebel-Lehrgang der Bundeswehr verbrachte, seine Unterschrift. "Ich habe in der vergangenen Woche immer wieder telefoniert und mich am Wochenende abseits der WSB-Veranstaltung in Hannover mit ihnen zusammengesetzt. Trotzdem haben sie sich gegen den Vertrag entschieden. Leider", berichtete Schwerins Stützpunkttrainer Michael Timm.

Die strittige Vereinbarung schreibt der Weltverband AIBA seit kurzem vor. "Sonst erhalten die Boxer keine Startberechtigungen für WM, EM und Olympia", erläuterte DBV-Sportdirektor Michael Müller gestern gegenüber dpa.

Zur Erklärung: Auf diese Weise will die AIBA die Abwanderung der besten Amateure verhindern und zugleich auch ihre eigene Profiserie pushen, die ab 2014 ein Gegengewicht zu den bisherigen Profiverbänden bilden soll. Im Gegenzug sollen jetzt übrigens die Profis mit dem Gedanken spielen, ein eigenes Amateurlager jenseits der AIBA aufzubauen.

Trainer Timm: Nicht wütend, aber enttäuscht

Michael Timm verhehlt nicht, dass es ihm an die Nieren geht, sein sportliches Zugpferd zu verlieren. "Ich bin nicht wütend, aber ich bin enttäuscht. Jeder Arbeitnehmer hat einen Arbeitsvertrag. Und dieser Vertrag ist super, da kann man nicht meckern. Als Profi verdienst du nur, wenn du Kämpfe hast. Hier kriegst du als Kaderathlet jeden Monat dein Geld, deine Sporthilfe und auch die Krankenkasse wird bezahlt. Egal, ob du bei einem Turnier boxt, ob du trainierst oder Pause hast."

Die mit der Unterschriftsverweigerung praktisch einhergehende Entscheidung, zu den Profis zu gehen - in dem Fall sicherlich zu Sauerland -, kann der erfahrene Coach so nicht nachvollziehen. "Profi zu sein, lohnt sich, wenn du Weltmeister bist", sagt er und zieht eine Parallele zu einem seiner früheren Schützlinge aus Marutjans Gewichtsklasse: "Jack Culcay hat nach drei Profi-Jahren immer noch keinen WM-Gürtel. Und der war bei den Amateuren immerhin Weltmeister."

Überhaupt gebe es von seinen Jungs aus 15 Jahren Profi trainerzeit ganze zwei, die mit Geld in der Hand aus ihrer Profikarriere kämen: "Felix Sturm und Jürgen Brähmer. Alle anderen haben am Ende nichts, aber dafür - wegen früherer Kampfbörsen - das Finanzamt am Hacken."

Für die Zukunft gelte es, "in Schwerin schnell einen Nachrücker zu finden, damit wir 2016 trotzdem bei Olympia dabei sein können".

Doch auch die Hoffnung auf Arayk Marutjan mag der 50-Jährige noch nicht aufgeben. "Ich glaube noch an eine Chance. Noch ist die Tür einen Spalt breit offen - aber bestimmt nicht mehr lange", so Timm.

Der Boxer selbst war gestern übrigens für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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