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Badendiek "So platt war ich echt lange nicht"

Von Redaktion svz.de | 18.12.2010, 01:57 Uhr

Tom Gröschel nach seinem EM-Start mit Karen Hacke im Gespräch Als 19.

kehrte Tom Gröschel (1. LAV Rostock) von der Cross-Europameisterschaft der Junioren U20 im portugiesischen Albufeira zurück in die Heimat. Karen Hacke sprach mit dem 19-Jährigen Badendieker über seine Leistung, die Bedingungen in Portugal und den fast gestorbenen "Heldentod" seiner Eltern.

Mit Rang 19 sind Sie unter Ihren Erwartungen geblieben, haben den angestrebten Topten-Platz um neun Sekunden verpasst. Sind Sie selbst zufrieden?

Gröschel: Ich habe alles rausgeholt, was ging. Mehr war einfach nicht drin.

Warum nicht?

In Albufeira herrschte eine ziemlich hohe Luftfeuchtigkeit bei 18 Grad Celsius. Das Atmen fiel schwer, meine Beine waren sofort zu. Ich habe mich trotzdem durchgekämpft.

Hatten Sie denn nicht genug Zeit, um sich an die anderen klimatischen Verhältnisse zu gewöhnen?

Nein. Wir sind erst Freitagabend angekommen, Samstag konnten wir uns die Strecke ansehen, Sonntag war der Lauf.

Und wie war der Rundkurs?

Schwer zu laufen, nicht vergleichbar mit deutschen Crossbahnen. Der lose Sandboden war durch die warmen Temperaturen sehr schnell aufgewühlt und weich. Es wurden extra Löcher gebuddelt, an anderen Stellen Hügel aufgeschüttet. Es gab viele Kurven, was für die Zuschauer natürlich schön war.

Hatten Sie Unterstützung mit vor Ort?

Nein, das nicht. Aber meine Eltern haben zu Hause vorm Internet gesessen und alles live mitverfolgt. Dabei sind sie fast den Heldentod gestorben, weil ich offiziell gar nicht im Ziel ankam.

Was war denn passiert?

Bei einer Rangelei habe ich beide Startnummern verloren. Da war der Chip drin, der die Zwischenzeit registriert, die im Internet sofort nachzulesen war. Aber ich wurde natürlich nicht aufgeführt. Meine Eltern dachten schon, mir wäre etwas passiert oder ich hätte aufgegeben.

Konnten die Kampfrichter Sie richtig zuordnen?

Die haben mich nach dem Zieleinlauf gleich abgefangen, weil die meinen Namen wissen wollten. Aber ich war so fertig, dass ich gar nicht sprechen konnte. Ich musste mich erst mal hinlegen, weil ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. So platt wie da war ich echt lange nicht.

Wann ist der nächste Höhepunkt?

In der Halle starte ich nächstes Jahr nicht mehr, weil ich für die Jugend zu alt bin und es für die Erwachsenen noch nicht ganz reicht. Im März steht deshalb die deutsche Meisterschaft im Cross an. Außerdem will ich mich wieder für die EM qualifizieren, dann für die U23 in Slowenien. Mit den dortigen klimatischen Verhältnissen komme ich sicher besser zurecht.