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Motorsport in MV Geschwindigkeit kommt von ganz allein

Von Volker Beier | 07.04.2018, 16:00 Uhr

Moto-Cross-Nachwuchs verbrachte den Großteil der Osterferien mit der Vorbereitung auf den Saisonstart in einem Trainingslager in und um Schwerin.

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“, dichtet Johann Wolfgang von Goethe in seinem „Faust“. Bei den Motorsportlern im Nordosten steht diese Passage aus dem „Osterspaziergang“ heute nahezu als Ausdruck der Erlösung. Denn wäre die Wetterlage jetzt noch so wie vor wenigen Tagen, als sich eine dichte Schneedecke über die zu früh versteckten Ostereier legte, käme ihr Terminplan gleich zum Saisonauftakt schwer ins Wanken. Für den Moto-Cross-Nachwuchs beginnt nämlich heute in Bensfeld bei Brandenburg an der Havel der Kampf um die deutsche Jugend-Meisterschaft in der Klasse bis 65 Kubikzentimeter. Und da redet Mecklenburg-Vorpommern und speziell Schwerin ein ganz gewichtiges Wörtchen mit: Sowohl der Titelverteidiger als auch der Silbermedaillengewinner von 2017 kommen aus der MV-Landeshauptstadt. Im vergangenen Herbst setzte sich der elfjährige Niklas Ohm vom PSV Schwerin knapp vor dem Pinnower Paul Neunzling vom MC Schwerin-Süd durch.

Damit die vierteilige Serie – weitere Stationen sind Gräfentonna bei Gotha (6. Mai), Wilnsdorf bei Siegen (10. Juni) und Ueckermünde (1. Juli) – mindestens ähnlich erfolgreich wird, haben sich die schnellen Jungs intensiv vorbereitet. Höhepunkt war ein mehrtägiges Trainingslager des ADAC Hansa Juniorteams in und um Schwerin. Ein halbes Dutzend talentierter Kaderfahrer wurde da auf die Saison vorbereitet. „Wir haben den ganzen Winter über trainiert, immer Sport getrieben“, betont Paul Neunzlings Vater Peter, der selbst 25 Jahre im Moto-Cross aktiv war und heute Trainer, Sponsor und Mechaniker seines Sohnes ist.

„Man braucht eine gute Fitness. In der Rennpause ist das Training zwar zeitweise nicht so intensiv wie im Sommer, aber in diesem vergleichsweise milden Winter hatten wir maximal zwei Wochen kein Fahrtraining“, beschreibt der 51-Jährige die vergangenen Monate. „Unsere Schwerpunkte liegen auf Schulung von Kraft, Koordination, Konzentration und Kondition – aber möglichst spielerisch“, ergänzt der Inhaber einer Auto-Spezial-Reinigung. Dafür ging es bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Fitnessraum oder die Sporthalle.

Und es wurden alle Möglichkeiten genutzt, wo das Fahrtraining geduldet wird. Erfahrene Motorsportler kümmern sich dann darum, dass der Nachwuchs eine ausgewogene Fahrtechnik lernt. „Die Geschwindigkeit ist dabei noch nicht so wichtig, die kommt von ganz alleine“, urteilt Peter Neunzling.

Seinem Junior, der mit zweieinhalb Jahren erstmals auf eine Maschine stieg („Paul konnte eher Motorrad als Fahrrad fahren!“), gefällt nach eigenen Angaben das ganze Programm. Am meisten natürlich das Fahren. Zumal es auch bei den Trainingseinheiten in der Heimat nahezu immer gegen den stärksten Konkurrenten seiner Altersklasse, Niklas Ohm, geht. „Für die Anforderung bei überregionalen Meisterschaften – in diesem Jahr sind rund 30 Starts bei Landesmeisterschaft, ostdeutscher und deutscher Meisterschaft sowie bei der EM geplant – ist es wichtig, dass man sich häufig mit stärkeren Gegnern messen kann“, ist Neunzling überzeugt.

Aber Paul, Schüler der 5. Klasse am Schweriner Pädagogium mit einem sehr guten Notenschnitt, fuhr als besondere Belohnung in ein Trainingslager in Italien. „Und vor drei Jahren durften wir als Gast beim KTM Super Cross in St. Louis in den USA teilnehmen. Da wurde Paul Vierter in der 50-ccm-Klasse“, erzählt der stolze Vater.

Wichtig sind für das Team Neunzling jetzt zwei Dinge. Einerseits sollte der Elfjährige möglichst von Verletzungen verschont bleiben. Und ebenso wichtig ist, dass sich Unterstützer finden. „Die Kosten für eine Saison liegen im fünfstelligen Bereich“, so der 51-Jährige. „Und da ist die Anschaffung von Maschine, Motor und sonstigem Material noch nicht eingerechnet.“