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Sechster bei der Tour de France Emanuel Buchmann: Das ist Deutschlands neue Radsport-Hoffnung

Von Alexander Barklage und dpa | 24.07.2019, 09:25 Uhr

Der Deutsche Emanuel Buchmann beeindruckt bei der Tour de France und weist sogar den Titelverteidiger in die Schranken.

Spätestens seit dem vergangenen Wochenende hat Deutschland eine neue Radsport-Hoffnung mit Namen Emanuel Buchmann. Der 26-jährige Ravensburger beeindruckt bei der diesjährigen Tour de France und steht nach 16 von 21 Etappen auf einem starken 6. Platz im Gesamtklassement. Bei den beiden sehr schweren Etappen in den Pyrenäen kam der Fahrer des deutschen Teams Bora-hansgrohe jeweils als Vierter ins Ziel und ließ Titelverteidiger Geraint Thomas hinter sich. Auch Deutschlands einziger Tour-de-France-Sieger Jan Ullrich ist begeistert von Buchmanns Leistung.

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Lob von Tour-Sieger Jan Ullrich

"Er fährt mit Courage und taktisch sehr diszipliniert. Es kommen noch sehr schwere Etappen. Dass er sich jedoch so im Kreis der Favoriten hält und auch beim Zeitfahren seine Klasse beweist, zeigt, dass er das Zeug zu einem echten Champion hat", sagte Ullrich der "Bild"-Zeitung. "Ich freue mich sehr, dass es mal wieder einen deutschen Fahrer gibt, der das Podium im Visier hat. Es tut dem deutschen Radsport insgesamt gut, dass Emanuel Buchmann eine klasse Tour fährt", sagte Ullrich. Zum letzten Mal stand ein Deutscher 2006 in Paris auf dem Podium. Andreas Klöden wurde damals Dritter. Buchmanns Ziel war vor dem Start in Brüssel eine Platzierung unter den besten zehn Fahrer. Aktuell ist er Sechster mit nur 2:14 Minuten Rückstand den führenden Franzosen Julian Alaphilippe.

„"Es war natürlich ein supergeiles Wochenende. Ich habe meine Leistung wie erhofft abgerufen und wir sind in einer super Ausgangslage für die dritte Woche. Nach wie vor sind die Top 10 das Ziel."“
Emanuel Buchmann

Buchmann will Zielsetzung noch nicht ändern

Buchmann selbst will sich noch kein neues Ziel setzen, geht aber selbstbewusst in die dritte und letzte Tour-Woche. "Es war natürlich ein supergeiles Wochenende. Ich habe meine Leistung wie erhofft abgerufen und wir sind in einer super Ausgangslage für die dritte Woche. Nach wie vor sind die Top 10 das Ziel. Momentan sieht es sehr, sehr gut aus. Aber wenn man einmal einen schlechten Tag hat, verliert man gleich richtig Zeit. Wenn mehr rauskommt, wäre das richtig geil. Aber mit den Top 10 wäre ich zufrieden.

Ab Donnerstag geht es dann Richtung Alpen. Entschieden wird die Tour de France wahrscheinlich erst am Samstag, dann steht die letzte schwere Alpenetappe mit dem 33 Kilometer langen Schlussanstieg nach Val Thorens (2365 Meter hoch) an. Auf der letzten Etappe nach Paris wird das Gelbe Trikot traditionell nicht mehr angegriffen.

Wer ist dieser neue Stern am deutschen Radfahr-Himmel? Wir stellen Emanuel Buchmann mal etwas näher vor:

Erster Tourstart bereits mit 22 Jahren

Schon mit 22 Jahren gab Buchmann sein Tour-Debüt und ließ damals mit einem dritten Platz auf der Pyrenäen-Etappe nach Cauterets aufhorchen. Kurz zuvor hatte er völlig überraschend den deutschen Meistertitel geholt. Bei Bora-hansgrohe wurde er behutsam aufgebaut. Im letzten Jahr war er erstmals Kapitän bei der Vuelta und wurde Gesamtzwölfter. Eine noch bessere Platzierung hätten Fehler bei der Ernährung verhindert. Dies scheint er 2019 abgestellt zu haben. Bei der anspruchsvollen Baskenland-Rundfahrt und dem Criterium du Daphiné belegte er jedenfalls den dritten Gesamtrang.

Mit dem dreimaligen Weltmeister Sagan im Team

Noch vor zehn Jahren gehörte der Radrennstall aus Raubling zu den No-Name-Teams und war mit einem geliehenen Camper unterwegs. Heute zählt Bora-hansgrohe zu den Top-Mannschaften und hat schon 34 Saisonsiege eingefahren. Im dreimaligen Weltmeister Peter Sagan fährt die schillerndste Persönlichkeit des Pelotons im Team. "Den meisten Druck hat Peter. Er kriegt am meisten Geld, von ihm wird am meisten erwartet", sagt Buchmann.

Seine Konkurrenten: Lob von Titelverteidiger Geraint Thomas

Haben ihn allmählich auf dem Zettel. "Er fährt die ganze Zeit schon sehr gut", lobte jüngst Tour-Titelverteidiger Geraint Thomas, der das auf dem Tourmalet bei einer Attacke von Buchmann zu spüren bekam. Beim Tour-Organ "L'Equipe" blieb er dagegen lange unbemerkt: Bis zu den Pyrenäen wurde er in der Liste der Top-Favoriten nicht erwähnt.

Seine Freundin ist Ernährungswissenschaftlerin

Claudia Eder ist Ernährungswissenschaftlerin und war früher selbst im Bora-Team angestellt. Mit ihr als Ratgeberin hat der 26-Jährige keine Probleme mit seinem Gewicht. 62 Kilogramm bringt Buchmann bei 1,81 Metern auf die Waage - perfekt für das Hochgebirge. "Er schläft schlecht ein, wenn er ein Eis ist", berichtet Denk. Auch sonst blüht Buchmann bei Claudia Eder auf, wie sie der ARD sagte: "Zu Hause ist er nicht so schweigsam, sonst wäre es auch langweilig."

Ohne Manager: Buchmann handelt Verträge selbst aus

Gibt es nicht. Buchmann handelt seine Verträge selbst aus - und das als Ich-AG gar nicht mal so schlecht. "Er hat die Verhandlungen selbst geführt, aber in einer souveränen Art und Weise. Er hat die Grundkenntnisse im Rechtsbereich erkannt. Man kennt ihn als ruhigen Zeitgenossen. Aber wenn die Tür zu ist, kann er ganz anders sein. Ich habe ihn nach der Vertragsunterzeichnung für seine Herangehensweise gratuliert", erzählte Teamchef Denk. Zimmerkollege Schachmann musste Tour verletzt aufgeben

Gibt es auch nicht mehr. Buchmann teilte sich bei der Tour das Zimmer mit Maximilian Schachmann, der allerdings beim Einzelzeitfahren in Pau stürzte und einen dreifachen Bruch der Mittelhand erlitt. "Das ist schade, er war ein wichtiger Helfer", sagte Buchmann. Auch sonst stimmte die Chemie zwischen den beiden. Häufigstes Gesprächsthema war die finanzielle Absicherung im Alter, wie Schachmann verriet. Buchmann sei ein angenehmer Partner auf dem Zimmer. Er habe einmal kurz geschnarcht, sich dann aber umgedreht. Nun hat Buchmann den Luxus eines Einzelzimmers.

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