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Sternberger bei Hindernislauf Extrem hart und extrem kalt

Von Thomas Prütz | 08.12.2016, 09:00 Uhr

Sternberger Athleten bestanden harte Prüfungen beim „5. Getting Tough The Race“ – Härtester Hindernislauf Europas

„Das war der härteste Getting Tough, den ich je gelaufen bin“ – Diese Worte stammen nicht etwa von den zwei Sportlern des 1. LAV Sternberg Heiko Fels und Thomas Prütz, die mit der Teilnahme am härtesten Hindernislauf Europas in der Nähe von Rudolstadt (Thüringen) zum zweiten Mal ihre Laufsaison krönten. Die stammen von einem, der es wissen muss, dem vierfachen „Getting Tough The Race“- Teilnehmer und dreifachen Seriensieger Hagen Brosius. Er ist einer der besten Hindernisläufer Deutschlands.

Diese Aussage können die beiden  Sportler aus Sternberg nur aus vollem Herzen bestätigen. Die Veranstalter des „Rennens, das dich zerstört“ (The Race that destroys you) machten auf dem Weg zu ihrem selbst erklärten Ziel, härtester Hindernislauf der Welt zu werden, wieder einmal keinerlei Kompromisse. Im Gegensatz zu anderen Matschcross-Hindernisläufen, die den Spaß an der Bewegung, die Teamfähigkeit, das gemeinsame Erleben dieser Erfahrungen in den Mittelpunkt stellen, ist hier das Ziel, die Läufer an ihre mentalen und physischen Grenzen zu führen. Dabei kommen aber die  eben genannten Erfahrungen absolut nicht zu kurz, sondern sind eigentlich notwendig wie bei jedem Hindernisrennen, um das Ziel zu erreichen.

Dabei können einige Zahlen den Vergleich erleichtern. Legendär ist schon der Massenstart von in diesem Jahr 3200 Läufern, von denen letztlich nur 2400 das Ziel erreichten. Mit 24 Kilometern Streckenlänge liegt das Rennen im Vergleich zu anderen im  oberen Bereich. 1000 zu überwindende Höhenmeter sprechen da schon eine andere Sprache. Minus 4 Grad  Lufttemperatur und 4 Grad Wassertemperatur bei längeren Schwimm- und Tauchpassagen sind bei anderen Rennen in Deutschland auch eher die Ausnahme. Auf 18 bis 22 km überwinden die Teilnehmer  bei anderen Rennen dieser Art etwa 40 Hindernisse. Bei diesem Wettkampf türmen sich fast 200 natürliche und künstliche Hindernisse vor den Teilnehmern auf. Die meisten davon, etwa 150, bei dem geliebt- gehasst- verehrt - gefürchteten „Walk of Fame“. Diese Ruhmesmeile oder wörtlich übersetzt „Spaziergang des Ruhms“ ist alles andere als ein Spaziergang, sondern letzlich der Teil der Strecke, bei dem die meisten Ausfälle  passieren.

Die Ruhmesmeile von cirka 5 km beginnt mit dem Durchwaten eines mit frisch gekühltem Saalewassers gefüllten  rund 250 Meter langen brusttiefen Graben. Ab diesem Zeitpunkt hat keiner der Teilnehmer mehr die leiseste Spur einer Chance, anders als triefend nass weiterzulaufen. Jetzt beginnt nach 20 km der eigentliche Kampf gegen Erschöpfung, Unterkühlung und die gefürchteten Krämpfe.

Den nächsten Höhepunkt stellt das Überwinden einer alten, allerdings mit Wasser und Feuer aufgepeppten NVA-Hindernisbahn dar. Sandsackschleppen über dicke Baumstämme zählt da eher zum Standard-Repertoire. Aber mit jedem zurückgelegten Meter kommt man dem Schwimmbad näher. Das ist im Sommer eine Oase der Erfrischung, jetzt für viele ein Ort des Schreckens. Die erste Herausforderung ist das Untertauchen sieben quer gelegter Baumstämme, bei 4 Grad Wassertemperatur eine echte Grenzerfahrung.

Auf dem Weg zum nächsten Schwimmbecken hat man die Qual der Wahl: Hangeln und nicht noch nasser werden oder Schwimmen. Nur  einige  Kletter-, Kriech- und Wasserhindernisse weiter galt es dann den Wasserfall hochzuklettern, unzählige Eskaladierwände zu überwinden, dutzende gestapelte Traktorreifen zu queren, enge dunkle Kriechhindernisse hinter sich zu lassen, Stromschocks zu ertragen, ein zwölf Meter hohes Baugerüst zweimal zu erklimmen und auf der anderen Seite wahlweise herunterzuklettern oder zu rutschen und so weiter und so fort. Das alles ertrugen die Teilnehmer mit Schüttelfrost, geplagt von Krämpfen, mit klammen Fingern, die scheinbar nichts mehr greifen konnten.

Irgendwie kämpfte man sich wider aller Vernunft ins Ziel, nahm stolz und vor Kälte zitternd seine Medaille in Empfang und fragte sich:  Warum tu ich mir das an? Platzierungen spielen außer für die Leistungsläufer bei diesen Rennen weniger einer Rolle, sondern eher der Kampf gegen sich selbst. Ein 59. Platz von Heiko Fels in der stark besetzten M 45 (132 Teilnehmer) und ein 5. Platz in der eher schwach besetzten M55 (15 Teilnehmer) sind  echte Gründe, stolz zu sein.

Rückblickend wechseln bei den Sternbergern nach der zweiten   Teilnahme an  diesem Lauf die Gefühle  zwischen eindeutig nie wieder oder cool oder wann geht’s wieder los…?