Rostocker Motorbootrennsportler : Was haben Sie sich vorgenommen? Nichts.

Eine echte Galionsfigur kann Bernd Mehnert natürlich nicht am Bug seines Bootes anbringen, aber zumindest fährt der oberhalb seiner Startnummer (der Rostocker Zahl) per Klebefolie befestigte Greif (das Wappentier der Hansestadt) bei den Rennen mit.
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Eine echte Galionsfigur kann Bernd Mehnert natürlich nicht am Bug seines Bootes anbringen, aber zumindest fährt der oberhalb seiner Startnummer (der Rostocker Zahl) per Klebefolie befestigte Greif (das Wappentier der Hansestadt) bei den Rennen mit.

Comeback nach vier Jahren: Bernd Mehnert, einziger erwachsener Motorbootrennsportler des deutschen Ostens nördlich von Berlin, fängt von Null wieder an

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31. Mai 2017, 12:00 Uhr

Mehr als vier Jahre hat Bernd Mehnert, einziger erwachsener Motorbootrennsportler des deutschen Ostens oberhalb von Berlin, keinen Wettkampf mehr bestritten. Doch diese halbe Ewigkeit von gesundheitlich und technisch bedingter Zwangspause findet jetzt ein Ende: Am Wochenende kehrt der 57-Jährige vom WSV Hanseat Rostock beim ersten Lauf zur Deutschen Meisterschaft 2017 auf der Mosel bei Traben-Trarbach in die Formel R-1000 zurück.

Die legendäre 7 ist wieder da! „Die hatte ich schon als Handballer auf dem Trikot (er spielte lange Jahre u. a. bis DDR-Junioren-Oberliga für ZAB Dessau bzw. für die hiesige ASG Grenze in der Bezirksliga – d. Red.), und die Rostocker Zahl habe ich mir dann auch als Startnummer ausgesucht“, sagt Mehnert und bringt die Ziffer mittels Klebefolie sorgfältig auf der Nase seines Bootes an.

Bis auf 150 km/h getrieben wird das 280 kg wiegende Fahrzeug von einem 136 PS leistenden Kawasaki-Jetski-Motor mit 960 Kubikzentimetern Hubraum. Einen Liter bleifreies Benzin pro Kilometer verbrennt das Aggregat. Gefahren werden innerhalb der Deutschen Meisterschaft drei Zehn-Kilometer-Läufe pro Wochenende.

Was hat sich Bernd Mehnert für sein Comeback vorgenommen? „Nichts“, lautet die verblüffende Antwort, doch weiß er sie zu begründen: „Wir (neben ihm selbst insbesondere Mario Bartusek, als Schrauber ja fast schon so etwas wie seine bessere Hälfte, und Herbert Reiter – d. Red.) mussten alles umbauen. Das gilt es jetzt erst mal komplett neu abzustimmen. Ich fange von Null wieder an.“

NNN, die den kultigen Typen aus dem Anhaltinischen bereits seit über 19 Jahren berichterstattend durch dick und dünn begleiten, beleuchten den Hintergrund: Am Boot ist eine Schwerpunktverlagerung vorgenommen worden, weil es am Bug mit den Kufen der Schwimmer auf dem Wasser lag und damit abbremste. „Die müssten eigentlich hochgehen, dass du im Optimalfall während des Rennens von vorne durchgucken kannst bis zum Propeller“, so Mehnert. Das Boot mit seinem Körper aus gut fünf Millimeter dünnem Sperrholz soll möglichst nur an drei Punkten das Wasser berühren, nämlich jeweils an den Kufenenden mittig links und rechts sowie am Heck. Also wurde der Fahrersitz fast zehn Zentimeter nach hinten verschoben.

Ob letztlich alles so hinhaut wie theoretisch angedacht, dafür gibt es noch keine Gewissheit. Und deshalb äußert sich der gelernte Dreher eher zurückhaltend: „Mein Ziel ist es, das Ding wieder konkurrenzfähig zu machen, dass es erst mal fährt und wir nicht sang- und klanglos untergehen.“

Freitag Früh um zwei will Mehnert Richtung Rheinland-Pfalz aufbrechen. Geplant hat er nach Traben-Trarbach die Teilnahme an den zwei weiteren Läufen um die Deutsche Meisterschaft am 24./25. Juni im polnischen Znin sowie am 26./27. August in Berlin-Grünau.

Jeder, der diesen Mann kennt, wird es bestätigen: Bernd Mehnert gibt nicht nur sein letztes Hemd, der würde sonstwas in Kauf nehmen für seinen Sport. Der steckt in sein Boot alles an finanziellen Mitteln, was er irgendwie auftreiben kann. Nur ist ihm bei seinen Bemühungen in der Regel leider kein großer Erfolg vergönnt. Doch der Unverwüstliche nimmt das viele vergebliche Klinkenputzen bei potenziellen Unterstützern mit Galgenhumor: „Wenn ich mich vielleicht bei meinen drei Hauptsponsoren bedanken dürfte: Es sind Hab-kein-Geld, Geb-dir-nächstes-Mal-Geld und Musste-leider-Steuern-nachzahlen.“

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