Gegen den Schiedsrichter-Schwund : Verband schlägt Alarm: Immer weniger Referees

Ruhig und sachlich leitet Lefter Adhamidhi (l.) pro Jahr  150 Partien. Der Deutsch-Albaner, einer von 843 Schiedsrichtern im Land, geht mit Leidenschaft seinem Hobby nach.
Ruhig und sachlich leitet Lefter Adhamidhi (l.) pro Jahr 150 Partien. Der Deutsch-Albaner, einer von 843 Schiedsrichtern im Land, geht mit Leidenschaft seinem Hobby nach.

Nur noch 843 Fußball-Schiedsrichter in MV aktiv / Neues Förderkonzept soll Abwärtstrend stoppen

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13. Februar 2014, 05:58 Uhr

Wenn Lefter Adhamidhi Anfang März in die Rückrunde der Fußball-Saison startet, steht ihm wieder ein Mammutprogramm bevor. Der Schiedsrichter leitet landesweit an jedem Wochenende drei bis vier Spiele. Ob in der Kreisoberliga, bei den Alten Herren, im Nachwuchs oder als Linienrichter in der Verbands- und Landesliga – der 41-Jährige stellt sich in seiner Freizeit in den Dienst des Sports.

„Das Pfeifen ist meine Macke. Ich habe noch nie eine Partie abgesagt. Ohne die Unterstützung meiner Frau wäre all das nicht möglich“, sagt der Rostocker, der bis zu 150 Spiele pro Jahr leitet.


LFV verlor 400 Schiris in vier Jahren


Adhamidhi ist einer von derzeit 843 Schiedsrichtern, die in Mecklenburg-Vorpommern den Spielbetrieb absichern. Zu wenig, wie jetzt der Landesfußballverband (LFVMV) mitteilte. „Die Zahl der Unparteiischen bei uns ist weiter rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr haben wir ein Minus von mehr als sieben Prozent zu verzeichnen“, erklärt LFV-Geschäftsführer und FIFA-Referee Bastian Dankert.

Demnach gelingt es den Vereinen immer seltener, genügend Schiedsrichter für den Spielbetrieb zu stellen. Waren vor der Neuordnung der Kreisverbände 2009 noch 1250 Schiedsrichter landesweit aktiv, sind es heute und nach Bereinigung aller „Karteileichen“ 400 weniger – ein bundesweiter Trend, der im strukturschwachen MV besonders zu Buche schlägt.

„Der demografische Faktor spielt sicher eine Rolle. Gleichzeitig gehen uns viele junge Schiedsrichter zwischen 17 und 18 Jahren verloren, die nach ihrer Schulzeit eine Ausbildung oder ein Studium in einem anderen Bundesland beginnen“, nennt Dankert die wesentlichen Gründe für den dramatischen Rückgang.

Zudem sei das Ansehen der Referees gesunken, sind sie häufig verbalen Attacken von Eltern und Offiziellen ausgesetzt. „Da wird selbst bei E-Jugend-Spielen von allen Seiten geschimpft und beleidigt. Klar, dass sich viele junge Schiris das irgendwann nicht mehr antun wollen“, so der Fifa-Referee.

Lefter Adhamidhi hat noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Der Deutsch-Albaner, der in sechs Jahren rund 1000 Spiele in der Region leitete, versucht mit seiner lockeren Umgangsart, die bei den Spielern gut ankommt, früh den „Dampf“ aus einer Partie zu nehmen. „Mich hat noch nie einer angegriffen. Nach Spielende sind wir eh alle Sportfreunde“, sagt der Unparteiische.

Nebenbei ist Adhamidhi als Schiedsrichter-Beobachter im Einsatz und leitet den Nachwuchs an. Dies ist auch das Ziel des Landesverbandes, der kürzlich in Rostock erstmals 30 Mentoren geschult hat. „Sie sollen den Neulingen bei ihren ersten Einsätzen als Vertrauensperson zur Seite stehen und bei der eigenen Leistungsanalyse helfen“, so Schiedsrichter-Lehrwart Enrico Barsch.


167 Neulinge geben Anlass zur Hoffnung


Nur ein Bestandteil des Förderkonzeptes, das der LFVMV 2013 verabschiedete. Mit ersten Erfolgen: So wurden im vergangenen Jahr 167 Anfänger an der Pfeife von den Kreisverbänden ausgebildet. „Damit haben wir im prozentualen Vergleich zu den 20 weiteren Landesverbänden im DFB den größten Sprung nach vorne gemacht“, sagt Dankert.

Diese Maßnahmen könnten aber nur der Anfang sein, um den Abwärtstrend zu stoppen. Der LFV-Geschäftsführer sieht auch die Vereine in der Pflicht, ihre Schiedsrichter zu halten. „Sie dürfen nicht weiter als fünftes Rad am Wagen angesehen werden. Man muss sie aktiv ins Vereinsleben integrieren“, fordert Dankert und hat einen weiteren Vorschlag parat: „Die Kreisverbände könnten lokale Stützpunkte für die Schiris schaffen, an denen sie sich regelmäßig treffen, Sport treiben und austauschen können.“

Für Lefter Adhamidhi, der für den TSV Bützow im Einsatz ist und beim Hauptsponsor des Vereins sogar eine berufliche Zukunft gefunden hat, dürfte die Integration kein Problem sein. „Es ist halt mein Hobby, meine Macke“, sagt der sympathische Schiedsrichter und lächelt.

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