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Shorttrack : Torsten Kröger will zurück in die Weltspitze

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Shorttracker vom ESV Turbine Rostock fühlt sich auf einem guten Weg und strebt eine „Leitungsfunktion“ an / Bruder Hannes beendet seine Laufbahn

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erstellt am 27.Mai.2015 | 10:21 Uhr

Torsten Kröger ist nach dem Laufbahn-Ende seines Bruders Hannes endgültig der Shorttracker Nummer eins des ESV Turbine Rostock. Der 27-Jährige, der seit acht Jahren in Dresden lebt, empfing NNN exklusiv bei sich zu Hause. Er äußerte sich zur zurückliegenden Saison ebenso wie zu seiner sportlichen Zukunft bis zu den Olympischen Spielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang.

„Totti“ ist soeben vom Rad-Training zurück. Keine große Sache, etwas über 80 Kilometer in 2:50 Stunden, immer so 28, 29 km/h. Es wäre, wenn nötig, auch schneller gegangen…

Der Oberfeldwebel der Sportfördergruppe der Bundeswehr Frankenberg/Sachsen wohnt günstig gelegen im Dresdner Stadtteil Friedrichstadt: Bis zu seinem Haupt-„Arbeitsplatz“, der Eishalle namens EnergieVerbund Arena, benötigt er mit dem „Drahtesel“ fünf Minuten. „Oft fahre ich aber auch mit meiner Simson Schwalbe“, sagt Torsten und deutet im Hof seines Hauses auf eine graue Abdeckplane. Darunter erscheint ein senfgelbes, mustergültig restauriertes Exemplar des DDR-Kult-Motorrollers, Baujahr 1979…

Mit dem Fahrstuhl geht es die drei Etagen nach oben; das Rad muss er ja nicht unbedingt die Treppen hochtragen. In der Zwei-Raum-Wohnung des gebürtigen Rostockers schließt Britisch-Kurzhaar-Kater Mogli (4), ein graues Prachtexemplar, sogleich Bekanntschaft mit dem Gast. Sein Kamerad Lazy (3), gleiche Rasse, aber gestreift, ist eher schüchtern und verkriecht sich unter der Couch.

Derweil lässt „Herrchen“ das zurückliegende Shorttrack-Jahr Revue passieren: „Ich würde schon sagen, dass das über die gesamte Saison betrachtet eine meiner besten war. Ich hatte zunächst große Schwierigkeiten, nach meiner schweren Verletzung (siehe „Zur Person“ – d. Red.) zurückzufinden von der Wettkampfhärte her, war rein physisch noch nicht wieder ganz soweit. Dabei ist aber mein Trainingsniveau viel besser gewesen als in den Jahren zuvor. Das hat mich erheblich irritiert, dass ich das anfangs nicht umsetzen konnte. Aber nach den ersten Wettkämpfen ging es stark bergauf. Die Europameisterschaft war die beste, die ich je gelaufen bin. Im niederländischen Dordrecht war ich Gesamt-Fünfzehnter, Zwölfter über die 1000 und Elfter über die 500 Meter. Und, wie gesagt, die Trainingsresultate waren meine besten seit fünf, sechs Jahren.“

Der Höhepunkt 2014/15: die WM in Moskau. Dort musste der gelernte Technische Zeichner mindestens 32. werden, um den zwischenzeitlich verlorenen zweiten Einzel-Startplatz für die deutschen Männer zurückzuerkämpfen. Er belegte Rang 31: „Es wäre schön gewesen, einen kleinen Tick weiter vorn zu landen, unter die Top 30 zu kommen. Aber dafür, dass ich ein bisschen Probleme mit dem Eis hatte, habe ich das Beste draus gemacht“, schätzt Torsten ein – und präsentiert seine gesamte vergegenständlichte Karriere: eine ganze Schrankwand voller Medaillen, Pokale, Pins… Da finden sich das Staffel-Silber des Vize-Weltmeisters 2011 und von der Jugend-EM 2005, die bronzenen Plaketten der Militär-WM 2010 (1500 Meter) und der EM 2012 (Staffel) etc.

Und Brillen „stapeln sich“ hier in allen erdenklichen Farben. „Für jedes Outfit passend“, schmunzelt Torsten. „Das ist mein Faible. Ich bin ein Sportbrillen-Fanatiker. Allein letztes Jahr sind vier neue dazugekommen…“

Apropos letztes Jahr: Hannes Kröger (26), ebenfalls Wahl-Dresdner, hat nach der Saison 2014/15 Abschied vom Kurzbahn-Eisschnelllauf genommen. „Mein Bruder kehrt dem Sport den Rücken. Hannes wollte die gesundheitlichen Probleme, die er über die Jahre immer hatte, ungern weiter ausreizen. Er konzentriert sich jetzt voll auf seine berufliche Entwicklung, hat eine Ausbildung zum Fitnesskaufmann abgeschlossen und will in dieser Branche Fuß fassen“, informiert Torsten.

Ihm hingegen fehle es nicht an Motivation für neue Taten: „Ich möchte 2015/16 mit dem Niveau, das ich jetzt hatte, wieder einsteigen und noch ein bisschen draufpacken. Das vorige Jahr war für mich eine Findungsphase. Ich habe festgestellt, dass ich wieder auf dem Weg in die Weltspitze bin, und würde mich gern künftig in den Weltcups in dem einen oder anderen Halb- oder Viertel- finale wiederfinden. Und ich will als Ältester unser Team anführen, möchte die Leitfunktion einnehmen.“

Ob es für ihn bis zu den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang weitergeht, darauf will sich „Totti“ jetzt noch nicht festlegen. Da wäre er dann 30: „Seinen Karriere-Höhepunkt hat man normalerweise auf dem Leistungszenit. Mit 30 Jahren ist man im Shorttrack relativ alt, da wird es schwierig gegen Jungspunde von 18 oder 19. Aber ich habe schon das Ziel vor Augen, doch noch mal Olympia zu erleben.“

Dafür ist er bereit, sehr viel zu investieren. Aber nicht mehr heute. Diesen Tag lässt Torsten Kröger geruhsam ausklingen: indem er sich seinem neuen Hobby widmet. Mit dem quasi noch druckfrischen Fischereischein sowie den Angel-Utensilien im „Gepäck“ braust er, nachdem der Besuch weg ist, mit seiner Schwalbe nach Radeburg zum Fluss Große Röder, hofft auf einen Hecht – diesmal vergeblich.

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