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Schach : SSC schreibt Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Rostocker Schachsportclub 07 steigt erstmals in die 1. Bundesliga auf. Im Hintergrund ziehen Kirsten und Eckhard Jeske die Fäden.

Wenn bei Jeskes der Postmann klingelt, wird erst einmal eine Runde Schach gespielt. Die Familie hat an ihrem Geschäftssitz in Elmenhorst einen Flip-Chart, eine Art mobiles Schachbrett mit magnetischen Figuren, zu stehen. „Immer, wenn der Paketbote vorbeikommt, ist er am Zug“, beschreibt Firmenchefin Kirsten Jeske die ungewöhnliche Partie, die schon seit ein paar Wochen andauert.

NNN besuchten das schachbegeisterte Ehepaar vor vier Jahren schon einmal. Damals feierten Eckhard und Kirsten Jeske mit dem Schachsportclub Rostock 07 (SSC) gerade den Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord. Heute gibt es erneut Grund zum Feiern: Die erste Mannschaft hat den Sprung in die 1. Bundesliga geschafft. „Das ist in Mecklenburg-Vorpommern noch keinem Verein gelungen. Wir haben Schach-Geschichte geschrieben“, sagt Eckhard Jeske stolz.

Nachdem das Team in der bundesweit zweithöchsten Spielklasse zweimal in Folge Platz fünf belegte und in der vergangenen Saison Zweiter wurde, schien 2013/14 der Staffelsieg vorprogrammiert. „Der Medaillenplatz war ein Ziel. Wir wollten vorne mitspielen. Aber vom Aufstieg war nie die Rede“, sagt Kirsten Jeske, die als Organisatorin, Sponsorin und moralische Stütze bei den Auswärtskämpfen fungiert. Auch für ihren Mann Eckhard, der als Ersatzmann (am neunten Brett) mehrfach nachrückte, war der Gewinn der Meisterschaft nicht selbstverständlich. „In der zweiten und fünften Runde traten wir ersatzgeschwächt an und verloren. Zu diesem Zeitpunkt stand SK Norderstedt scheinbar unangefochten an der Spitze“, erklärt der Mannschaftsleiter. Doch der Bundesliga-Absteiger strauchelte, spielte in Folge dreimal nur remis. Der SSC 07 gab dagegen keinen Kampf mehr verloren und führte vor der neunten und letzten Runde plötzlich die Tabelle an. „Im letzten Spiel beim SC Kreuzberg traten wir mit voller Kapelle an und gewannen mit 4,5:3:5. Damit war uns der Titel nicht mehr zu nehmen“, sagt Kirsten Jeske.

Großen Anteil an diesem Erfolg hatten zweifelsohne die ausländischen Spieler in Diensten der Rostocker. Vor allem die Polen Jacek und Rafal Tomczak, die nicht, wie gemeinhin vermutet wird, miteinander verwandt sind, Marcin Szelag sowie der Schwede Stellan Brynell brachten auf den Punkt ihre Leistungen. Dennoch will sich der SSC nicht als reine Legionärs-Truppe verstehen. „Alle Spieler sprechen deutsch und sind schon seit Jahren dabei, gehören quasi zur Schach-Familie“, erklärt der 61-Jährige.

Zudem trugen die heimischen Akteure wir die Internationalen Meister (IM) Henrik Rudolf und Hans-Ulrich Grünberg und die FIDE-Meister (FM) Willi Skibbe und Prof. Dr. Robert Jaster ihr Scherflein zum Aufstieg bei. Nicht zu vergessen der erst 19-jährige Max Weber, der in seinem ersten Jahr in der ersten Mannschaft voll überzeugte.

„Aus dem Nachwuchs kommt oben oft zu wenig an. Es ist schwer, Jugendliche für den Schachsport zu begeistern. Noch schwieriger ist es, die Mädchen und Jungen im Verein zu halten“, erklärt Kirsten Jeske, die als mehrfache DDR-Meisterin bis heute in der 2. Bundesliga der Frauen für Berlin-Pankow aktiv ist.

Vielleicht könne ja der Bundesliga-Aufstieg der ersten Mannschaft als Anreiz für die SSC-Talente um ihren verdienten Nachwuchs-Coach Egon Raitza (79) dienen. Der Vorstand teilte diese Auffassung bis zuletzt nicht, äußerte Bedenken ob des höheren organisatorischen und sportlichen Aufwands in der eingleisigen Eliteklasse. Tatsächlich müssen die Rostocker künftig noch weitere Wege fahren und sind im Feld der 16 Teams, darunter der mehrfache Deutsche Meister aus Baden-Baden, krasser Außenseiter. „Da geht es gegen die besten Großmeister und Weltmeister. Der direkte Abstieg wird nicht zu verhindern sein“, prophezeit Eckhard Jeske und ist sich dennoch sicher: „Das ganze Team hat sich diesen Aufstieg verdient und freut sich, in der 1. Bundesliga spielen zu dürfen. Wir hoffen, den Verein von unseren Vorhaben überzeugen zu können.“

Und wer weiß, vielleicht gibt es im nächsten Jahr wieder etwas im Hause Jeske zu feiern. Und sei es nur der Klassenerhalt in der 1. Bundesliga.

SSC 07 I 2013/14: 1. Brett Jacek Tomczak (Großmeister), 2. Brett Stellan Brynell (Großmeister), 3. Brett Marcin Szelag (Internationaler Meister), 4. Brett Henrik Rudolf (Internationaler Meister), 5. Brett Hans-Ulrich Grünberg (Internationaler Meister), 6. Brett Rafal Tomczak (FIDE-Meister), 7. Brett Willi Skibbe (FIDE-Meister), 8. Brett Prof. Dr. Robert Jaster (FIDE-Meister), 9. Brett Eckhard Jeske, 10. Brett Max Weber

 

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