zur Navigation springen

Hansa Rostock : Sportliche Lage besorgniserregend

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Im Gespräch mit dem neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates des FC Hansa, Harald Ahrens

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2014 | 07:37 Uhr

Harald Ahrens ist seit Montag Abend dieser Woche Aufsichtsratsvorsitzender des FC Hansa Rostock. Mit dem 62 Jahre alten Unternehmer hat Dietmar Tahn über die aktuelle Situation und notwendige Maßnahmen beim Fußball-Drittligisten gesprochen.

Herr Ahrens, Sie sind Jahrzehnte mit dem FC Hansa verbunden und seit 25. November 2012 Mitglied im Aufsichtsrat. Als Vorsitzender dieses Gremiums ist die Last für Sie nun noch größer, oder?

Harald Ahrens: Die Last ist nicht größer geworden. Die Aufgaben, die vor dem gesamten Aufsichtsrat stehen, sind ja bekannt. Die Situation war nach dem Rücktritt von Thomas Abrokat einfach so, dass die Mitglieder des Aufsichtsrates die Meinung vertreten haben, dass ich aufgrund meiner Erfahrung im Fußball und meiner wirtschaftlichen Kenntnisse den Vorsitz übernehmen soll.

Inwieweit wollen Sie, dass sich der Aufsichtsrat ins Tagesgeschäft des Vereins reinhängt?

Gar nicht mehr. Es sei denn, der Vorstand würde mit entsprechenden Wünschen auf uns zukommen. Der Aufsichtsrat ist ein Kontrollgremium, diese Aufgabe muss er mit aller Konsequenz wahrnehmen. Wir arbeiten im Hintergrund. Es gibt Fußballclubs, in denen weiß niemand, wer eigentlich im Aufsichtsrat ist. Da müssen wir auch hinkommen.

Aber auf wesentliche Entscheidungen nehmen die Aufsichtsräte Einfluss?

Es sind ja viele Dinge entschieden, auch im personellen Bereich. Aber grundsätzlich ist unser Auftrag, zu prüfen und Vorgaben zu geben.

Gibt es da konkrete Dinge?

Ja. Wir werden vierteljährlich einen Soll-Ist-Vergleich abverlangen, denn wir müssen in der Spur bleiben und uns an den vorgegebenen Rahmenplan halten. Daran ist auch dem Vorstand gelegen.

Hat der Aufsichtsrat genug Ahnung vom Fußball – diese Frage taucht ja durchaus auf. Wie sehen Sie das?

Sportliche Kompetenz im Aufsichtsrat ist vorhanden. Wir haben mit Thomas Klemm einen Mann, der seit Jahren Trainer ist. Der ehemalige Bundesliga-Coach Andreas Zachhuber ist dabei. Ich bin auch nicht unbeleckt. Zudem haben wir einen Sportbeirat gegründet, in dem neben unserem Trainer Peter Vollmann und Andreas Zachhuber ja auch Juri Schlünz und Axel Schulz arbeiten. Aber wir müssen entscheiden, ob dieser Beirat für das operative Handeln ausreicht.

Sie denken über einen Manager nach?

Wir haben mit Michael Dahlmann einen Vorstandsvorsitzenden, der seine Arbeit beherrscht. Aber ich wünsche mir – wenn die Arbeit des Sportbeirates nicht reicht –, dass wir gemeinsam darüber nachdenken, ob es sinnvoll wäre, zur Rückrunde einen Sportdirektor zu verpflichten, der den Cheftrainer Peter Vollmann unterstützt.

Die aktuelle sportliche Situation des FC Hansa ist traurig. Wie sehen Sie den Stand?

Im Moment bieten wir unglaublich schlechten Fußball an, und die sportliche Situation ist besorgniserregend. Für mich ist die Situation so, dass das, was im Training sehr gut erarbeitet wird, dann auf dem Platz nicht zu sehen ist. Da liegt es jetzt am Trainer und seinem Team, das schnell zu verändern. Woran es letztendlich hackt, kann ich nicht beurteilen. Dies kann nur das Trainerteam, das tagtäglich mit der Mannschaft arbeitet, einschätzen.

Nimmt sich der Aufsichtsrat da nicht aus der Verantwortung?

Nein. Natürlich ist dies bei all unseren Sitzungen ein Thema, aber wir vertrauen Peter Vollmann und seinem Team. Es findet auch ein ständiger Austausch statt. Anfang Oktober wird es zudem eine Sitzung geben, in der es nur um das Thema Sport geht. Dann wurde eine gewisse Anzahl von Spielen absolviert – also ein guter Zeitpunkt, um Zwischenbilanz zu ziehen.

Ein Trainer ist ja schnell in der Kritik, da greifen Mechanismen…

Wir hatten in den vergangenen Jahren viele Trainer, Manager sowie Aufsichtsräte. Aber wir haben es nicht geschafft, Kontinuität reinzubringen. Das wollen wir nun ändern. Dazu gehört auch, die Ruhe zu bewahren und Entscheidungen im Sinne des Vereins zu treffen.

Das heißt möglicherweise auch, dass auf dem Spielermarkt noch nachgelegt werden könnte?

Der Vorstand muss prüfen, welchen finanziellen Spielraum wir haben. Natürlich müssen dann auch Spieler auf dem Markt sein, die uns weiterhelfen. Auf alle Fälle – da brauchen wir nicht drumherumreden – muss es eine Kehrtwende geben, aber dafür müssen wir alle etwas tun und nicht auf ein Wunder hoffen.

Wie lange könnte sich der FC Hansa Rostock die 3. Liga wirtschaftlich überhaupt noch leisten?

Da möchte ich mich gar nicht festlegen. Egal, in welcher Liga – es muss auf allen Ebenen und besonders auf dem Platz Gas gegeben werden.

Haben Sie das der Truppe gesagt?

Ich war nach meiner Wahl bei der Mannschaft und habe mich nicht nur mal so vorgestellt. Es sind von meiner Seite deutliche Worte gefallen. Aber das war in der Kabine und ist somit eine interne Geschichte. Ich erwarte klare Reaktionen.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen