Olympische Spiele : Olympia-Medaille für Sohn Ben

Im Doppelzweier will die Rostockerin Marie-Louise Dräger (rechts) mit ihrer Partnerin Ronja Fini Sturm bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro um einen Podestplatz mitkämpfen.
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Im Doppelzweier will die Rostockerin Marie-Louise Dräger (rechts) mit ihrer Partnerin Ronja Fini Sturm bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro um einen Podestplatz mitkämpfen.

Die Rostocker Ruderin Marie-Louise Dräger fährt zu ihren vierten Sommerspielen. Im Doppelzweier hofft sie auf Edelmetall.

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03. August 2016, 11:45 Uhr

Für die Rostockerin Marie-Louise Dräger sind die Olympischen Sommerspiele ein fester Termin in ihrem Kalender. Die 35-Jährige vom Olympischen Ruder-Club Rostock fährt bereits zum vierten Mal zu den Wettbewerben. „Es ist dennoch immer wieder anders, denn ich habe neue Partner beziehungsweise früher saß ich auch alleine im Boot. Das ist das, was sich ändert. Das Einzige, was sich nicht ändert ist die Wettkampfstrecke, die 2000 Meter, die ich schaffen muss, die bleiben immer gleich“, sagt Dräger selbstbewusst.


Im Einer und Zweier bei Sommerspielen dabei


Ihr olympischer Werdegang begann 2004 als Ersatzruderin für den leichten Doppelzweier (Claudia Blasberg/Daniela Reimer) bei den Spielen in Athen. Mit Berit Carow nahm sie im Leichtgewichts-Doppelzweier an den Olympischen Spielen in Peking teil (2008) und feierte ihren bisher größten Erfolg – den vierten Platz. Vier Jahre später versuchte sie ihr Glück alleine im Einer der offenen Gewichtsklasse, beendete die Wettkämpfe in London aber lediglich mit dem elften Platz im B-Finale. Viel Erfahrung mit großen Wettbewerben bringt die Hansestädterin also mit – im Gegensatz zu ihrer Partnerin, der 20-jährigen Ronja Fini Sturm (Ruder-Club Havel Brandenburg). Für Sturm sind es die ersten Spiele, wie aber bereiten sich die beiden gemeinsam auf die Wettkämpfe vor? „Wir trainieren jeden Tag, versuchen das Beste zu geben und alles aus uns rauszuholen – und das dann auch nachher beim Wettkampf bestmöglich umzusetzen“, erklärt Dräger das Erfolgsgeheimnis. „Ich sage mir immer: Es ist das gleiche, wie bei einem Weltcup oder bei einer WM. Es sind die selben Gegner, die gleiche Wettkampfstrecke. Letztlich haben wir nachher nur eine andere Medaille um, die wir dann für vier Jahre behalten dürfen. Aber es ist ein Wettkampf, wie jeder andere.“

Dabei wollte die Rostockerin das Rudern zunächst nicht als Wettkampfsport betreiben. Angefangen hat es in der 5. Klasse an der Oberschule zum Dom in Lübeck: „Damals konnte man drei Tage schulfrei bekommen, wenn man dafür Rudern lernt. Das bedeutete für mich vor allem – drei Tage von zu Hause weg und kein Unterricht“, sagt sie mit einem Lachen. Als Leichtathletin und Reiterin war sie schon immer sportlich – „schließlich hat das Rudern soviel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.“ Relativ schnell wurde sie von der Lübecker Rudergesellschaft entdeckt. Im Jahr 1995 zog sie dann mit 14 Jahren nach Rostock, nachdem sie mit ihrem Trainer ein Trainingslager in der Hansestadt besuchte. „Danach habe ich zu meiner Mutter gesagt, dass ich nach Rostock will oder ich gehe nie wieder zur Schule. Innerhalb von einer Woche bin ich quasi umgesiedelt.“ Und begann eine sportlich erfolgreiche Karriere. Bei den vergangenen beiden Europameisterschaften belegte sie mit ihrer Partnerin Sturm jeweils den zweiten Platz. Am 28. Juni dieses Jahres wurde sie dann offiziell für das Olympia-Team nominiert.


Abschlussfeier zu Hause verfolgen


Somit ist sie ein alter Hase im olympischen Dorf. Doch völlig anders sind für die heute 35 Jahre alte Rostockerin ihre Lebensumstände im Gegensatz zu den zurückliegenden Sommerspielen. Denn sie hat mittlerweile einen dreijährigen Sohn Ben. Bei der offiziellen Verabschiedung der Olympia-Starter der Hansestadt Rostock am 12. Juli hat sie ihn zum letzten Mal gesehen – 36 Tage muss sie auf den Kleinen verzichten. „Das fällt mir schon schwer. Es ist wirklich sehr hart für mich. Er ist solange bei meiner Mutter. Ich habe ihm extra einen kleinen Kalender gebastelt, an dem er die Tage abreißen kann und dann weiß, wann ich wieder da bin“, erzählt sie.

Eines ist für sie aber klar, an der Abschlussfeier wird sie nicht teilnehmen. „Dafür ist die Sehnsucht zu groß“, gesteht Dräger. Ihr Sohn Ben ist insbesondere an harten Trainingstagen Motivation für sie. „Ein Stück weit mache ich das ja auch für ihn, damit er stolz auf seine Mama sein kann“, sagt Marie-Louise Dräger.

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