Tour de France : Momentan nur Passagier im Peloton

Der gebürtige Rostocker Radprofi Paul Voß fährt derzeit seine erste Tour de France.
Der gebürtige Rostocker Radprofi Paul Voß fährt derzeit seine erste Tour de France.

Der gebürtige Rostocker Radprofi Paul Voß spricht im NNN-Interview unter anderem über die Folgen seines Sturzes und die erste Woche bei der Tour de France

svz.de von
16. Juli 2014, 06:00 Uhr

Kein Sprinterfinale, keine Bergankunft, keine Hatz um Sekunden: Gestern konnten die Radprofis der 101. Tour de France einmal kräftig durchpusten, stand der erste von zwei Ruhetagen auf dem Programm. NNN-Mitarbeiter André Gericke sprach mit Paul Voß. Der gebürtige Rostocker feiert gerade für das deutsche Team NetApp-Endura seine Premiere bei der Frankreich-Rundfahrt.

Zehn Etappen haben Sie mittlerweile in den Beinen. Wie fühlen Sie sich nach den Anstrengungen der ersten knapp anderthalb Woche durch Frankreich?

Paul Voß: Mir geht es relativ gut. Bei der Vuelta (Spanien-Rundfahrt) und dem Giro (Italien-Tour) habe ich mich jeweils am ersten Ruhetag schlechter gefühlt. Die Beine sind jedenfalls okay.

Wie geht es dem Rest des Körpers nach dem Sturz im Finale der siebten Etappe?

Mit der gebrochenen Nase habe ich weniger Probleme. Sie ist ein bisschen geschwollen, schmerzt ab und an. Vielmehr Sorgen bereitet mir die linke Hand. Der kleine und der Ringfinger sind in einer Manschette. Zudem tut die Hand schon ziemlich weh.

Was hat das für Folgen fürs Rennen?

Dass ich quasi nur ein Passagier im Peloton bin und auch dem Team nicht viel helfen kann. Flaschen kann ich zum Beispiel nicht holen. Ich haben aufgrund des gebrochenen Fingers ziemliche Probleme beim Bremsen, daher kann ich in den Abfahrten auch nicht vorne im Feld fahren. Es ist schon kurios. Ich werde auf den Abfahrten abgehängt und muss mich berghoch wieder herankämpfen.

Eine Aufgabe stand/steht aber dennoch nicht zur Disposition...

Es ist schließlich die Tour de France, und ich musste lange auf meine Chance warten. Als mir die Ärzte sagten, dass ich nicht operiert werden muss, war klar, dass ich aufs Rad steige und weitermache.

Es ist Ihre erste Tour. Jetzt wo sie hautnah im Fahrerfeld dabei sind: Was ist der größte Unterschied zu den anderen Rennen?

Es ist einfach alles viel schneller und hektischer. Auf der letzten Etappe wurde ich zum Beispiel nach dem zweiten Berg abgehängt. Da wusste ich dann nicht recht, wie groß der Rückstand ist und wo man genau liegt. Da fährt man dann den ganzen Tag am Anschlag, um nicht aus dem Zeitlimit zu fliegen. Und natürlich ist bei der Tour das ganze Drumherum, das Medien- und Zuschauerinteresse wesentlich höher als bei anderen Rundfahrten.

Die Form ist gut. Werden Sie trotz der Probleme mit der Hand noch einmal etwas wagen und vielleicht in die Attacke gehen?

Ich ärgere mich wirklich über den Sturz. Aber so etwas passiert nun einmal. Da kann man nichts machen. Es ist nur unglaublich schade, dass ich meine gute Form jetzt nicht zeigen kann. Ich hoffe, dass es von Tag zu Tag besser wird. Heute zum Beispiel wäre wieder eine Etappe gewesen, die mir vielleicht gelegen hätte. Doch mit meinen Problemen an der Hand, brauche ich es momentan einfach nicht zu versuchen. Ich hoffe und bin auch zuversichtlich, dass es im weiteren Verlauf der Tour noch einmal besser wird und ich meine guten Beine unter Beweis stellen kann.

Ihr Team präsentierte gestern am Ruhetag einen neuen Sponsor für die kommenden fünf Jahre...

Das ist ein gutes Zeichen und macht Hoffnung auf eine Zukunft des Radsports in Deutschland.

Ihr Kontrakt läuft aus, wie geht es bei Ihnen weiter?

Außer bei Sam Bennett laufen bei allen Fahrern unseres Teams die Verträge am Saisonende aus. Es gibt noch nichts Konkretes.

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