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Leichtathletik : Läufer geht über seine Grenzen

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Rostocker Paul Schmidt erleidet bei Dresden-Marathon Schwächeanfall, schleppt sich dennoch als Gesamtvierter ins Ziel

svz.de von
erstellt am 22.Okt.2014 | 08:02 Uhr

Der Geist war stark, der Körper schwach – für den Rostocker Läufer Paul Schmidt glich der 16. Dresden-Marathon einer rasanten Berg- und Talfahrt. Der gebürtige Sachse lief am Sonntag bei seinem Heimrennen in Elbflorenz über 42,195 Kilometer einer persönlichen Bestzeit entgegen, ehe ihn ein Schwächeanfall kurz vor dem Ziel außer Gefecht setzte. Doch der 29-Jährige biss die Zähne zusammen und kam mit letzter Kraft als Gesamt-Vierter in 2:41:47 Stunden ins Ziel.


Schmidt springt von der Krankenbahre


„Aus Sicht eines Athleten bin ich stolz darauf, den Marathon beendet zu haben. Aus Sicht eines Arztes war das Ganze grob fahrlässig“, sagte Schmidt, der derzeit in Rostock eine Facharztausbildung zum Internisten und Kardiologen absolviert.

Insofern verwunderte es schon, dass sich der Mediziner, der 2014 unter anderem die Marathon-Nacht in der Hansestadt in Rekordzeit gewonnen hatte, bei seinem letzten großen Wettkampf des Jahres derart aus der Spur bringen ließ. „Das lag auch daran, dass an der Strecke eine Riesen-Stimmung herrschte und mich viele, die mich kennen, anfeuerten. Das hat mir einen richtigen Schub versetzt“, so Schmidt. Folglich „flog“ er förmlich über die Strecke, absolvierte die Halbmarathon-Distanz in 1:09:30 h und war bei Kilometer 35 auf dem besten Weg, seine persönliche Marathon-Bestzeit von 2:22 h zu unterbieten. „Dann kam der Mann mit dem Hammer“, beschrieb der Wahl-Rostocker seinen plötzlichen Einbruch. Bis Kilometer 41 schleppte er sich weiter hin, ehe ihn ein Schwächeanfall völlig außer Gefecht setzte. „Ich habe mich erst mal acht Minuten hingelegt, dann kamen Sanitäter, um mich zu versorgen“, erinnerte Schmidt an die bangen Minuten. Doch statt Vernunft walten zu lassen und das Rennen vorzeitig zu beenden, sprang er aus dem Krankenwagen und lief leicht erholt die restlichen Meter ins Ziel.


Lohn ist Titel als sächsischer Meister


Unglaublich: Trotz seiner Zwangspause belegte er unter den 1 171 Startern noch Platz vier, musste nur dem kenianischen Spitzenduo und dem Cottbusser Christian Kley den Vortritt lassen. Da war die folgende Ehrung als sächsischer Meister „eine kleine Entschädigung für die Strapazen“. Zudem war der Sportler und Teamarzt der Deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft um eine Erfahrung reicher. „Ich bin das Rennen zu schnell angegangen. Da bin ich als Marathon-Läufer offenbar noch nicht erfahren genug. Vielleicht sollte ich mir mal Tipps von den Raelert-Brüdern (Rostocks Triathlon-Profis/ Anm. d. Red.) holen“, so Schmidt, der jetzt erst mal Urlaub macht. Den hat er sich verdient.

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