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Sport-Ehrenamt : „Ich habe nie vor dem Spiegel geübt“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Karsten Braasch ist Track Steward beim Shorttrack – und fällt aufgrund seines eleganten Laufstils immer sofort auf

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erstellt am 01.Jan.2015 | 19:40 Uhr

Was wäre der Sport ohne seine uneigennützigen Macher im Hintergrund, die nicht fragen: Was kriege ich dafür? und nie ihre reichlich investierte Freizeit aufrechnen. Auch im Shorttrack, dem rasanten Kurzbahn-Eisschnelllauf, sind solche Leute unverzichtbar. Menschen wie Karsten Braasch. Der 49-Jährige betätigt sich bei Wettkämpfen als Track Steward, der – ganz simpel ausgedrückt – für eine störungsfreie Nutzbarkeit der 111-Meter-Runde sorgt.

Der Mann fällt sofort auf, mehr sogar als die eigentlichen Protagonisten. Das liegt einerseits an seiner Länge von 1,87 m plus Schlittschuhe plus Helm = annähernd zwei Meter. Vor allem aber an seinem eleganten Laufstil, wenn er während der Rennen oder zwischen ihnen auf dem Eis seiner Berufung nachgeht. „Es gibt Leute, die sagen, das sieht ganz schick aus. Ich habe nie vor dem Spiegel geübt. Aber meinetwegen gerne“, kommentiert Braasch, dass schon des Öfteren Menschen auf ihn zukamen und wissen wollten, wo man so gut Schlittschuhlaufen lernen könne.

Na, in Rostock! Er selber tat dies – nachdem er 1976 dank der Nähe seiner Schule, der einstigen 21. POS „Wladimir Iljitsch Lenin“, zur Eishalle zum Eisschnelllauf fand – bei Trainerin Gerda Hoffmann, mittlerweile 90, und dem damaligen SV Dynamo. Der (seinerzeit noch) kleine Karsten war ein so gutes Talent, dass er immerhin zum Berliner TSC delegiert wurde, wo er von 1979 bis 1982 die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) besuchte.

Beim Elite-Club waren schließlich andere besser. Karsten Braasch beendete seine leistungssportliche Laufbahn und begann eine Lehre zum Kfz-Schlosser, während der er sich noch als Übungsleiter bei Turbine Rostock betätigte; auch gehörte er der Ordnungsgruppe an, die beim öffentlichen Eislaufen für einen geregelten Ablauf sorgen sollte.

Irgendwann sehr viel später, zu Beginn des neuen Jahrtausends, kam Karin Schmidt, Leiterin des Rostocker Shorttrack-Nachwuchs-Bundesstützpunktes und Tochter von Gerda Hoffmann, auf Karsten Braasch zu, um ihn zur Mitarbeit zu bewegen. Er sagte zu – und ist seitdem als Track Steward ein gefragter Fachmann.

Bei drei Europameisterschaften und sechs Weltcups war der in Rostock geborene Ziesendorfer bisher im Einsatz, der siebte folgt im Februar in Dresden. Dort ist u. a. auch Ehefrau Birgit mit von der Partie: Sie zählt die Runden und läutet vor der jeweils letzten die Glocke. Und mit Erik Schoob, geboren 1999, wird ein „Nachwuchstalent“ als Helfer debütieren.

Besonders angenehm in Erinnerung blieb Braasch die EM-Teilnahme 2012 in Malmö, für die ihn die Deutsch-Schwedin Lina Cremer (ehemals ESV Turbine) gewann: „Das war sehr beeindruckend. Mein Mitstreiter Christian Stiene und ich durften unsere Frauen mitnehmen. Die Abschlussveranstaltung fand im dortigen Ratssaal statt. Sehr feudal…“

Millionär, versichert Karsten Braasch, werde er mit seinem Hobby nicht; üblich ist die Erstattung der Fahrtkosten und Bezahlung der Übernachtungen. Sein Brot verdient er sich als Lkw-Fahrer bei der SchnellHans Baustoffspedition GmbH & Co. KG. „In Kritzkow haben wir zehn Autos, zwei Sattelzüge und acht Fahrzeuge mit vier unterschiedlichen Kränen. Ich bin seit zehn Jahren Springer und fahre sie alle“, begründet er, warum bei ihm keine Langeweile aufkommt. Er bediene weder die Strecke Hamburg – München noch kurve er „in Rostock nur um den Kirchturm herum“. Sein Einsatzgebiet erstrecke sich vor allem auf MV, Schleswig-Holstein und Brandenburg.

In seiner Freizeit beschäftigt sich Karsten Braasch neben Hexe, „unserer schüchternen, aber sehr hübschen Katze“, gern mit der Kettensäge: „Wenn man nur mit Holz heizt, muss man ja für die kalte Jahreszeit ein paar Meter machen. Und im Sommer skate ich hin und wieder mal. Allerdings versaut man sich damit ein bisschen die Technik, und dann geht man zur neuen Shorttrack-Saison wie ein Depp aufs Eis.“

Das kann er nicht zulassen. Schließlich will er ja „zehn Weltcups noch vollmachen“. Fürs Erste…
Was für Aufgaben ein Track Steward hat und wie gefährlich es für ihn werden kann, auch das lesen Sie in der Freitag-Ausgabe der NNN.

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