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Frauenhandball : „Ich bin total unzufrieden mit der Mannschaft“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Klassenerhalt gefährdet: Ute Lemmel, Trainerin der Handballerinnen des Rostocker HC, stellt die Charakterfrage, prangert laxe Einstellung, Wehleidigkeit und Selbstüberschätzung an

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erstellt am 01.Jan.2014 | 22:00 Uhr

Donnerstag Abend ist für die Handballerinnen des Rostocker HC Trainingsauftakt nach den Feiertagen.

Die Damen dürfen davon ausgehen, dass 2014 ein anderer Wind wehen wird.

„Zu Beginn meiner Übernahme hat die Mannschaft sehr konzentriert und gut mitgearbeitet. Aber derzeit bin ich total unzufrieden mit ihrer Grundausrichtung“, erklärt Coach Ute Lemmel. „Das hat mit Leistungshandball nichts zu tun. Und ich habe Leistungshandball im Kopf und nicht nur Spaß an der Freude.“

Das Ziel des RHC für die 3. Liga Ost 2013/14 lautet, mindestens Elfter unter den 14 Mannschaften zu werden und so früh wie möglich den Klassenerhalt zu sichern. Nach der Hinrunde sieht es jedoch nicht so aus, als sollte das Vorhaben erreicht werden können. So bedrohlich nahe wie gegenwärtig war die Viertklassigkeit noch nie: Fünf Zähler Rückstand sind es schon bis zum ersten Nichtabstiegsplatz!

Die Dolphins werden, was die nackte Punktausbeute betrifft, eine der 1. geradezu entgegengesetzte 2. Halbserie zeigen müssen, sonst verschwinden sie sang- und klanglos in der Ostsee-Spree-Oberliga.

Die Rettung kann aber nicht gelingen, wenn nicht jede einzelne Spielerin den in der ersten Saisonhälfte zu oft erlebten gravierenden Mängeln den Kampf ansagt – vor allem blamablem Abschlussverhalten, einem Passspiel, das einem oftmals die Haare zu Berge stehen ließ, und der allgemeinen Verunsicherung. Aber: Verbesserungen können sich nur übers Training einstellen!

„Die, die da sind, ziehen ordentlich mit“, so Ute Lemmel, „und wenn jemand aus beruflichen Gründen fehlt, ist das ja noch zu akzeptieren. Man muss den Hut davor ziehen, wenn die Spielerinnen das dann trotzdem auf die Reihe kriegen. Aber was hier bei einigen eingerissen ist, welche einfachen Entschuldigungen da vorgeschoben werden, um nicht trainieren zu müssen, das ist sehr enttäuschend. Bei bestimmten Verletzungen kann man sich zumindest im Teiltraining weiter aufbauen, um die Rückstände so gering wie möglich zu halten. Da muss man sich dann eben auch mal anders organisieren und persönliche Befindlichkeiten zurückstellen. Sie erheben schließlich auch den Anspruch, spielen zu wollen. Ich kann aber nicht irgendwas verbessern, wenn ich nicht da bin. So wie im Augenblick, mit dieser laxen Einstellung, ist kein kontinuierliches und zielstrebiges Arbeiten möglich. Und das sieht der komplette Vorstand genauso.“

Es war eine Phase von vier Partien in Folge, die der Saison durchaus eine andere Richtung hätten geben können. Im vorigen Jahr konnten sich die Rostockerinnen, als es zum Ende hin gegen die
direkte Konkurrenz um die Wurst ging, auf ihre guten Nerven verlassen, holten drei von den vier möglichen Punkten auswärts gegen den Letzten und Vorletzten.

Diesmal gingen sie in den engen Partien gegen Grün-Weiß Schwerin (25:26), beim Berliner TSC und gegen HC Salzland 06 (jeweils 26:28) sowie beim SHV Oschatz (20:22) jedesmal leer aus.

Dem 23:21-„Schweinesieg“ über den SV 63 Brandenburg West (Zitat des damaligen Verantwortlichen Lothar Goldschmidt) folgten zwei weitere klare Niederlagen und der Trainerwechsel.

„Ich bin überzeugt, dass wir die Klasse noch halten“, sagte Ute Lemmel bei ihrem Amtsantritt – und fuhr gleich mal ein 29:28 über Tabellenführer Buxtehuder SV II ein. Doch bis zur Winterpause folgten drei „Nuller“, und heute ist die verdiente Handball-Lehrerin gar nicht mehr optimistisch gestimmt: „Entweder man schweißt sich zusammen und ist mindestens dreimal die Woche beim Training oder der Klassenerhalt ist gefährdet, das muss man so klar und deutlich sagen. Die Mannschaft muss Charakter zeigen. Derzeit übernimmt keiner eine Führungsrolle, es spielen zuviele individuelle Interessen rein, viele überschätzen sich – es ist ganz schwierig, da ranzukommen. Die Einstellung, alles Menschenmögliche zu unternehmen, um drinzubleiben, ist in den Köpfen eines Teils der Damen nicht angekommen. Dieser Gedanke – ich will mit aller Macht weiter 3. Liga spielen – fehlt mir ganz und gar. Aber wir müssen jetzt sofort Fuß fassen!“


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