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DESG-Sportdirektor Robert Bartko : Hier liegt keine Willkür vor

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Wie positioniert sich die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft zur Nichtmeldung von Betty Moeske und Svea Rothe für das Junioren-Europacup-Finale? NNN-Redakteur Peter Richter befragte DESG-Sportdirektor Robert Bartko.

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erstellt am 08.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Herr Bartko, beim ESV Turbine fiel man aus allen Wolken, als die Information durchdrang, dass die DESG Betty Moeske und Svea Rothe, obwohl sie sich über die Starclass-Wettkämpfe qualifiziert haben, nicht für das Junioren-Europacup-Finale meldet. Bleibt es dabei?
Robert Bartko: Ja, dabei bleibt es. Ich bin erstaunt, dass alle so überrascht davon sind. Die Konsequenz kommt vielleicht unerwartet, aber dass es eine Athletik-Normative gibt, ist lange bekannt. Das wurde bereits in die Kaderkriterien für die Saison 2015/16 mit dem Hinweis aufgenommen, dass die Athletik-Normative ab der Saison 2016/17 erfüllt werden muss, und ist nochmals mehrfach verbal kommuniziert worden, so im November beim 2. Deutschland-Cup der Junioren in Inzell in einer separaten Trainersitzung. Jetzt wird also nur erstmals konsequent umgesetzt, was lange klar war. Hintergrund ist, dass sich die DESG im Shorttrack und Eisschnelllauf neu ausrichtet mit dem langfristigen Ziel, die Weltspitze zu erreichen. Hierfür müssen in der Phase des Grundlagentrainings die Voraussetzungen geschaffen werden. Wir haben erkannt, dass der Weg, den wir bisher gegangen sind, nicht zum Erfolg führt. Wir müssen also etwas ändern – da, wo wir es können.

Phase des Grundlagentrainings – betrifft also auch den Altersbereich D2, über den wir im konkreten Fall reden.
Richtig, das betrifft das Alter von elf bis 14 Jahren. Hier geht es um unverzichtbare Grundlagen. Deshalb wurde beschlossen, dass in diesem Altersbereich ab der Saison 2016/17 die Athletik-Normative in die Kaderkriterien aufgenommen wird. Das Talent oder Potenzial eines Nachwuchsathleten ist durch die ganzheitliche Betrachtung aller Leistungsfaktoren, einen Komplex von Leistungsvoraussetzungen, zu beurteilen. Es geht um richtiges altersgerechtes Training. In dieser Phase müssen allgemeine Leistungsvoraussetzungen geschaffen werden. Die reine Bewertung der Spezifik ist da nicht ausreichend. Der Beschluss der Trainerkommission, die Athletik-Normative auch für die Nominierung zu internationalen Wettkämpfen heranzuziehen, war eine Reaktion auf den unzureichenden allgemeinathletischen Zustand der Nachwuchssportler.

Die Nichtmeldung für den Saisonhöhepunkt trotz Qualifikation betrifft nicht allein die beiden Rostockerinnen und ist auch keineswegs nur auf die Sportart Shorttrack beschränkt. Was alle Betroffenen eint, inklusive der Eltern, ist bittere Enttäuschung…
Ich bin selbst dreifacher Vater und habe Verständnis dafür, dass die Eltern ihre Enttäuschung zum Ausdruck bringen. Uns liegen Schreiben von Eltern vor, die wir ernst nehmen und auch beantworten werden. Wie gesagt, ich kann die emotionalen Reaktionen verstehen. Hier liegt aber keine Willkür vor, steckt keine sprunghafte Entscheidung dahinter, sondern an diesem Punkt fängt die Neuausrichtung des Leistungssports in der DESG an. Der Shorttrack hatte einen Vorlauf von anderthalb Jahren, um sich darauf einstellen zu können. Die Athleten konnten aber die Leistungsanforderungen – wir sprechen von Mindestanforderungen – in diesem Jahr nicht erfüllen. Das müssen auch die Eltern akzeptieren.

Aber wie soll man denn mitten in der Hochsaison einen noch dazu unmittelbar nach einem dreitägigen Wettkampf angesetzten Athletiktest bestehen? Das geht doch eigentlich gar nicht.
Genau aus diesem Grund wurde der zentrale Athletiktest bereits für September 2016 anberaumt. Für den Altersbereich D2 sollte dies dezentral an den jeweiligen Stützpunkten geregelt werden. Leider mussten wir feststellen, dass die angedachte Vorgehensweise nicht optimal umgesetzt wurde, denn es gab bis Ende 2016 nur von zwei Landesverbänden Ergebnismeldungen. Darauf haben wir reagiert, indem wir auf der Stützpunktleiter-Tagung Mitte Dezember 2016 in Berlin darüber informierten, dass im Sinne der betroffenen Athleten die Möglichkeit besteht, in der Spanne bis 31. Januar 2017 den Test nachzuholen. Warum der ESV Turbine den Athletiktest so dicht nach dem Starclass-Wettkampf angesetzt hat, kann ich im Moment nicht rekapitulieren.

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