Radsport : Greipels Premierensieg in Hamburg

Im Zielsprint eine Klasse für sich: André Greipel triumphierte gestern in Hamburg.
Im Zielsprint eine Klasse für sich: André Greipel triumphierte gestern in Hamburg.

Rostocker gewinnt im Sprint als vierter deutscher Radprofi die Cyclassics – trotz eines kuriosen Unfalls während einer Pinkelpause

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23. August 2015, 19:30 Uhr

André Greipel hat seine erstaunliche Erfolgsserie trotz eines kuriosen Sturzes zu Beginn des Rennens fortgesetzt. Der viermalige Etappensieger der diesjährigen Tour de France holte sich zum ersten Mal den Sieg bei den Hamburg Cyclassics, obwohl er sich nach zehn Kilometern leicht verletzt hatte. Ein Konkurrent hatte ihn bei einer Pinkelpause, die Greipel „sanitärer Stopp“ nannte, übersehen und umgefahren. „Ich nenne den Attentäter nicht“, konnte er hinterher scherzen.

Bei der 20. Ausgabe des einzigen deutschen WorldTour-Rennens ließ der bullige Rostocker gestern der Konkurrenz dennoch im Schlussspurt auf der Mönckebergstraße keine Chance. Greipel verwies nach 221 Kilometern den norwegischen Vorjahressieger Alexander Kristoff und Giacomo Nizzolo aus Italien auf die folgenden Plätze. Greipel siegte als insgesamt vierter deutscher Radprofi in der Hansestadt nach Jan Ullrich (1997), Erik Zabel (2001) und John Degenkolb (2013).

Neben dem schnellen Greipel, der sich mit seinem Sieg in der Hansestadt auch für die Weltmeisterschaften im Oktober in Richmond/USA empfahl, standen zwei Comebacks im Mittelpunkt. Marcel Kittel, der wegen Formrückstandes nach einer schweren Viruserkrankung im Frühjahr nicht für die Tour nominiert worden war, kehrte im Inland mit Rang 89 zurück. Er war der letzten Temposteigerung bei der dritten und letzten Besteigung des Waseberges nicht gewachsen.

Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin griff zum ersten Mal nach seinem Schlüsselbeinbruch auf der Tour-Etappe nach Le Havre wieder ins Wettkampfgeschehen ein. Er beendete das Rennen auf Platz 108. Sein Fernziel ist ebenfalls die WM. „Es hat trotzdem Spaß gemacht und mich auf dem Weg zur WM weitergebracht. Ich war natürlich noch gehandicapt und konnte mich noch nicht wie sonst im Feld bewegen“, sagte Martin.

„Endlich mal Hamburg. Ich hatte mir den Sieg fest vorgenommen, und es hat auch dank meiner Supermannschaft geklappt. Jetzt freue ich mich auf die WM“, sagte Greipel nach dem Rennen. Bis zu den Titelkämpfen in Richmond bestreitet er noch neun Renntage, darunter die Tour of Britain.

Das Rennen war zum ersten Mal in Kiel gestartet worden – in Schleswig-Holstein und Hamburg säumten nach Polizeiangaben geschätzte 800  000 Zuschauer die Strecke. Der Startschuss fiel im Kieler Hafen im Bauch einer skandinavischen Riesenfähre, die von Göteborg kam und am Abend zurückfuhr. Kurz nach dem Start hatte sich eine Spitzengruppe abgesetzt, die in der Endabrechnung aber keine Rolle mehr spielte. Die Entscheidung fiel wie meist auf der Mönckebergstraße im Sprint einer größeren Gruppe, aus der Mitfavorit Mark Cavendish durch einen Sturz auf den letzten zwei Kilometern noch herausgefallen war.

Zeitgleich zu den Profis waren rund 20000 ambitionierte Hobby-Radler auf vier unterschiedlich langen Rundkursen in Hamburg unterwegs.

Ungeachtet der Suche nach einem Hauptsponsor und Nachfolger eines schwedischen Energieversorgers (Vattenfall) sollen die Cyclassics auch 2016 wieder in der norddeutschen Metropole stattfinden. Passend zum Ende der langjährigen Partnerschaft zwischen den Organisatoren und dem skandinavischen Konzern hatte die Umweltorganisation „Robin Wood“ mit einem Banner auf der Köhlbrandbrücke gegen die angeblich klimafeindliche Unternehmenspolitik protestiert.

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