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Integration : FC Hansa baut Brücken

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Inklusionsmannschaft des Traditionsclubs vereint Fußballer mit und ohne Behinderung

Eins, zwei, drei… Michael Borchert springt in die gelben Ringe, die wie an einer Perlenkette gereiht auf dem Boden liegen. Der Trainer bewältigt den kurzen Parcours mal nur mit dem linken, mal mit dem rechten Bein. „Die Übung dient der Koordination und ist einfach zu erlernen“, sagt der Spieler der Hansa-Amateure. Seine Schützlinge schauen aufmerksam zu und machen es ihrem „Vorturner“ nach. Ob mit oder ohne Handicap.

Die Übung ist Teil einer besonderen Trainingseinheit, die jeden Dienstag auf dem Kunstrasenplatz vor der DKB-Arena in Rostock absolviert wird. Dann tritt für anderthalb Stunden die neue Inklusionsmannschaft des FC Hansa in Aktion.

Inklusion? Für die meisten Sportfreunde ist der Begriff ein Fremdwort. „Ziel ist es, Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen. Der Sport und besonders der Fußball können da Brücken bauen“, erklärt Initiator Uwe Schröder. Getreu diesem Motto rief der Behindertenbeauftragte des Clubs eine Freizeitmannschaft ins Leben. Und die ist bunt gemischt: Ob Anfänger oder Straßenkicker, Fußballer mit geistiger oder körperlicher Einschränkung – jeder ist im Inklusionsteam willkommen. „Natürlich gibt es auch Regeln. Herabwürdigendes oder disziplinloses Verhalten hat hier keinen Platz. Aber das ist so gut wie noch nie vorgekommen. Vielmehr entwickelte sich in der kurzen Zeit ein guter Teamgeist“, versichert Schröder.

Der 53-Jährige kann sich über mangelnde Resonanz nicht beklagen. Schnell sprach sich das Angebot des FC Hansa nach dem Start Anfang April herum. „Derzeit sind immer 23 Leute beim Training. Von dieser Beteiligung kann manch Verbandsligist nur träumen“, staunt Borchert. Sofern der Student Zeit hat, vermittelt er der Truppe, die jeweils zu gleichen Teilen aus Spielern mit und ohne Handicap besteht, das Fußball-Abc. Neben einfachen Pass- und Torschussübungen stehen Spiele in Turnierform auf dem Plan. „Die Jungs sind keine Profis. Ich muss darauf achten, dass alle die Übungen bewältigen können. Bislang hat es jedenfalls allen Spaß gemacht“, ist sich der 23-Jährige sicher.

So sieht es auch Torhüter Michael Wirtz, der vom Keeper der Hansa-Amateure, Dominik Schütz, Tipps erhält. „Ich bin zum dritten Mal dabei. Es ist etwas Neues, mit den anderen hier zu spielen. Aber ich wollte das schon immer mal probieren. Sonst stehe ich beim Team meiner DRK-Werkstatt im Tor“, sagt der 31-Jährige, der glühender Hansa-Anhänger ist.

So wie der Rostocker stammen die meisten der Kicker mit Behinderung aus Fördereinrichtungen der Hansestadt. „Sie kommen mit Bus und Bahn zum Training. Damit sollen ihre Selbstständigkeit gefördert und geregelte Abläufe geschaffen werden“, erklärt Schröder, der sein
Inklusionsteam an erste Freundschaftsspiele und Turniere heranführen will. Einladungen gäbe es genug. Nur die Finanzierung des Transports sei das Problem. „Die Jungs sind alle heiß hier. Jetzt kann es nicht an ein paar Bällen und Hütchen scheitern“, kritisiert Hansa-Urgestein Peter Rodert, der ebenfalls sein Wissen weitergibt, die mangelhafte Ausstattung der Freizeit-Truppe.

Immerhin ließen sich bereits einige Spieler aus Hansas Profiteam und sogar Vorstandschef Michael Dahlmann bei einer Einheit blicken. Ob damit die Unterstützung des Vereins erschöpft ist, wird die Zukunft zeigen. „Fußball verbindet. Nur, solche Geschichten muss man auch in die Tat umsetzen“, meint Borchert. Mit seinem Engagement als Trainer hat er einen Anfang gemacht.

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