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Speerwerfen : Eric Frank eifert seinem Vater nach

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der 15-Jährige ließ vor dreieinhalb Monaten den Handball sausen und hat sich dem Speerwurf verschrieben: „Es war jetzt keine Bauchentscheidung“

Mark Frank staunte nicht schlecht, als sein Sohn Eric vor gut dreieinhalb Monaten seine Handball-Karriere für beendet erklärte, um dem 40-jährigen ehemaligen Weltklasse-Speerwerfer nachzueifern. „Es war jetzt keine Bauchentscheidung. Sie reifte schon länger. Ich habe neun Jahre Handball gespielt und es hat mir auch Spaß gemacht. Aber im vergangenen Jahr hat es mir im Verein nicht mehr gefallen“, so der 15-Jährige, der beim HC Empor aktiv war.

Dabei hätte durchaus die Chance bestanden, weiter über das Parkett zu fegen.
Probetrainings bei den Erstligisten SC DHfK Leipzig und Füchse Berlin hatte Eric Frank absolviert. Die Chance, angenommen zu werden, schien groß, doch er entschied sich dagegen. Sein Vater hat sich aus dem Prozess herausgehalten, ihn nicht beeinflusst. „Mein Papa hätte es mir auch gegönnt, wäre ich nach Berlin oder Leipzig gegangen. Vielleicht hatte ich auch ein kleines Problem damit, alleine von zu Hause wegzugehen“, so Eric Frank. Denn dass es für ihn beim HCE nicht weitergehen würde, war klar: „Wenn ich nicht zur Leichtathletik gegangen wäre, hätte ich es in jedem Fall in Berlin oder Leipzig versucht.“

Nun also der Speerwurf, mit allen seinen Konsequenzen. Die besondere Konstellation Vater als Trainer und Sohn als Athlet ist gewiss nicht immer einfach. Als die Entscheidung anstand, tagte auch der Familienrat. Denn Ehefrau bzw. Mutter Mandy ist als Geschäftsführerin des 1. LAV im Leichtathletikstadion auch allgegenwärtig. „Training ist Training und zu Hause ist zu Hause. Da ist dann kein Training mehr. Das wird voneinander getrennt. Teilweise ist es ein bisschen schwierig. Manchmal gibt es schon Momente, in denen man seine
Eltern nicht immer um sich herum haben möchte. Aber im Allgemeinen funktioniert es ganz gut“, so der Landes- und Norddeutsche Meister seiner Altersklasse dieses Jahres.

Das Talent zum Speerwurf hat er offenbar in die Wiege gelegt bekommen. Sein Vater, hauptamtlich Bundescoach der Damen, schwärmt im Training bisweilen schon von seinem Armzug, spricht von einer richtigen „Peitsche“. Allerdings ist den beiden klar, dass noch eine Menge Arbeit vor ihnen liegt. Eric Frank gibt zu, dass er ahnte, dass der Speerwurf alles andere als einfach ist, allerdings hätte er nicht gewusst, dass es bisweilen sehr kompliziert ist: „Das Schlimme ist, dass die Beine das Wichtigste sind. Das ist noch die größte Baustelle. Aber wenn wir ordentlich
weitertrainieren, wird das schon.“

Zwischendurch muss Mark Frank seinen Sohn phasenweise sogar etwas bremsen, nicht zu viel zu machen beziehungsweise von sich zu erwarten. Der Ehrgeiz hat den Jungen in jedem Fall gepackt. Morgen soll in Bremen der Deutsche-Meister-Titel der
U 16 her, am besten mit 62 oder 63 Metern. Seine Bestleistung liegt aktuell bei 60,37. „Das sind auf jeden Fall Ziele, mit denen ich als Trainer mitgehe“, so Mark Frank.

Der große Traum von Eric ist, wie bei jedem Sportler, Olympia, wenngleich er weiß, was für ein harter und steiniger Weg vor ihm liegt. Er will damit etwas schaffen, was seinem Vater in seiner aktiven Karriere nicht vergönnt war. „Es war schon cool, wenn man seinen Vater im Fernsehen gesehen hat. Wenn jemand aus der Familie es vormacht, ist es natürlich ein großer Ansporn, es ihm nachzumachen. Er ist in jedem Fall auch mein großes Vorbild. Außerdem mag ich Johannes Vetter (Weltjahresbester mit 94,44 Metern – d. Red.). Wir haben in Kienbaum zusammen trainiert. Das war schon cool“, so Eric Frank, für den nach dem Ende der Handball-Laufbahn im Grunde nur der Speerwurf zur Debatte stand: „Das Werfen würde ich nicht aufgeben. Ich muss werfen. Laufen oder so ist nicht meins. Das ist in jedem Fall genetisch vorgegeben.“ Rückblickend betrachtet war es aus seiner Sicht „definitiv die richtige Entscheidung“.

André Gericke

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