Urgestein des HC Empor : Der „Fliegende Fisch“ wird 75

Klaus-Jürgen „Jimmy“ Prüsse mit Robert Wetzel, einem seiner Nachfolger im Tor des HC Empor.
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Klaus-Jürgen „Jimmy“ Prüsse mit Robert Wetzel, einem seiner Nachfolger im Tor des HC Empor.

„Jimmy“ Prüsse feiert heute runden Geburtstag / Größter Erfolg : Feldhandball-Weltmeister und weltbester Torhüter 1963

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22. März 2014, 10:00 Uhr

Der „Fliegende Fisch zwischen den Pfosten“, der beste Torwart der Feldhandball-Weltmeisterschaft 1963 Klaus-Jürgen Prüsse wird heute 75 Jahre alt – herzlichen Glückwunsch an „Jimmy“ und von ganzem Herzen die besten Wünsche für baldige Genesung!

Seine Wiege stand in Wismar. Bei der dortigen Einheit fing der ehemalige Straßenfußballer 1953 organisiert an zu spielen – natürlich im Tor. Den Wechsel zu den Handballern beschreibt der Jubilar so: „Die suchten einen Schlussmann. Den Überredungskünsten von Übungsleiter Seppl Conrad konnte ich nicht widerstehen.“

„Jimmy“ machte schnell auf sich aufmerksam, angelte mit sagenhafter Sprungkraft schier unhaltbare Würfe aus dem Kasten, wurde zum Albtraum mancher Stürmer. Er stand 1957 als Keeper in der A-Jugend-Auswahl des Bezirkes Rostock, die im Vorspiel der Partie DDR – Schweden der gleichaltrigen DDR-Auswahl ein 13:13 abtrotzte.

Die internationale und heimische Presse bezeichnete den 18-Jährigen als „fliegenden Fisch, der mit Beweglichkeit und Sprungvermögen selbst die Keeper der im Länderspiel eingesetzten Schlussleute in den Schatten stellte“.

Kein Wunder, dass prompt die Delegierung nach Rostock zum dortigen SC Empor und bereits 1960 sein erstes A-Länderspiel folgten. Prüsse machte sich im Feldhandball einen Namen. 1963 wurde er bei der WM in Basel als weltbester Torhüter geehrt. Nach Siegen über Israel (21:5), Polen (11:7) und Österreich (25:19) holte das DDR-Team durch ein 14:7 über die BRD den WM-Titel. Ehefrau Laila erinnert sich an den 9. Juni 1963: „Jürgen zog damals dem Kontrahenten schier den Nerv, hielt zwei Strafwürfe, verunsicherte mit seinen akrobatischen Paraden die gegnerischen Stürmer völlig.“

Apropos Laila. Die Norwegerin lernte er 1960 bei einer Gastspielreise des SC Empor in Oslo kennen. Ein Jahr später weilte sie mit der Stadtauswahl der norwegischen Hauptstadt in Rostock. „Da funkte es so richtig“, erzählt Laila. „Briefe über Briefe gingen hin und her. An die 300 waren es bestimmt!“

1966 dann die Trauung. Aus der Ehe gingen die Töchter Nina und Lena hervor. Und „Jimmy“ Prüsse entwickelte sich nicht nur „draußen“, sondern auch in der Halle zum Ass. „Hans Beier war damals mein großes Vorbild. Von seinem Stellungsspiel, seinen Reflexen und Paraden konnte ich mir in der Halle viel absehen. Wir pushten uns gegenseitig“, so das heutige Geburtstagskind rückblickend.

Kein Wunder, dass Auswahltrainer Heinz Seiler das Duo aus der Hansestadt für die Hallen-WM 1964 in der CSSR nominierte. Das Team landete allerdings nur auf Rang zehn. Besser lief es für den diplomierten Sportlehrer sechs Jahre später in Frankreich. Erst nach zweimaliger Verlängerung wurde mit 12:13 im Finale gegen Rumänien Gold verpasst. Es war die zweite WM-„Silberne“ für den 30-fachen Nationaltorwart der DDR. 1966 hatten er und seine Kameraden, darunter der auch aus Rostock stammende Klaus Langhoff, nach einem 15:15 gegen die BRD durch das schlechtere Torverhältnis die Verteidigung des Titels von 1963 auf dem Großfeld verfehlt.

„Jimmy“ Prüsse verpasste es aber nicht, auch an die Zeit nach der sportlichen Laufbahn zu denken. Fernstudium an der DHfK in Leipzig mit Abschluss als Diplom-Sportlehrer, Einsatz in der Neptunwerft, an der Kinder- und Jugend-Sportschule sowie bis zu seiner Pensionierung am Christophorus-Gymnasium waren berufliche Stationen. Hier, am Groß Schwaßer Weg, war er bis zu seiner plötzlichen Erkrankung immer noch regelmäßig zu Gast. Während seine Frau den ausländischen Aktiven des HC Empor die deutsche Sprache beibringt, „unterrichtete“ Klaus-Jürgen einmal in der Woche die Torhüter des Zweitligisten.

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