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Motorbootrennsport : „Das heißt nicht, dass ich aufhöre“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Rostocker Rennfahrer Bernd Mehnert muss nach seinem Herzinfarkt zwar auf die Saison 2014 verzichten, aber es geht bergauf

svz.de von
erstellt am 20.Mai.2014 | 16:25 Uhr

Am Wochenende beginnt die Saison in der Formel R-1000. Urgestein Bernd Mehnert vom WSV Hanseat Rostock aber wird weder zum Auftakt in Traben-Trarbach auf der Mosel (Rheinland-Pfalz) noch bei einem der sieben weiteren Saisonrennen um die Deutsche bzw. Europameisterschaft dabeisein…

Wenn ein Sportler vom Arzt ein einjähriges Startverbot „aufgebrummt“ bekommt, hat er vorher nicht nur Schnupfen gehabt. So war es auch bei Mehnert, dem einzigen Motorboot-Rennfahrer des deutschen Ostens oberhalb von Berlin. Der 54-Jährige sprang sogar dem Tod von der Schippe…

In den NNN berichtet er erstmals öffentlich, was Ende 2013 geschah: „Es war der 13. November. Mein linker Arm ist auf einmal taub gewesen, und ich hatte das Grundgefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Ich sah mal eine Sendung zu dem Thema im Fernsehen, deshalb lag für mich die Vermutung nahe, dass es sich um die Vorankündigung eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts handeln könnte. Also habe ich um 6.31 Uhr morgens den Notarzt angerufen.“

Es war die einzig richtige Entscheidung. Bernd Mehnert konnte noch aus eigener Kraft in den Krankenwagen steigen. Zweieinhalb Stunden später wurde er operiert, bekam einen Stent gesetzt (medizinisches Implantat zur Erweiterung der Blutgefäße). Am nächsten Morgen bei der Visite kam die Bestätigung: Der gebürtige Dessauer hatte einen Herzinfarkt erlitten. Und bekam, obwohl er nahezu den gesamten Dezember zur Reha in Plau am See weilte und sich inzwischen körperlich wieder wohl fühlt, für den Motorsport ein Jahr Schutzsperre, „weil ich mich keinem Stress aussetzen soll, sondern mich schonen und nur das Nötigste machen“.

Das bedeutet auch: an Ertüchtigung nur die eine Stunde wöchentlich in der Turnhalle Petrischanze mit der Herzsportgruppe. „Da machen so 20 Leute gemeinsam Gymnastik, alles, was dem Kreislauf gut tut“, informiert Mehnert und beweist sogleich, dass sein Humor nicht auf der Strecke geblieben ist: „Ich bin Baujahr 1960 und mit Abstand der Jüngste da. Als ich das erste Mal dahin kam, dachte ich, ich habe mich verlaufen…“

Sportlich gesehen ist also 2014 jetzt schon die Steigerung der bittersten Saison, die Bernd Mehnert gerade hinter sich hat: Im 26. Jahr seiner Karriere hatte er 2013 nur das erste Rennen auf einem Tagebau-Restloch-See in Weißwasser bestreiten können. Dabei machte er mit seinem Fahrzeug fast den Abflug, ging u. a. die Kurbelwelle futsch. Woran der EM-Sechste und DM-Siebente 2012 und sein treuer Schrauber Mario Bartusek bis heute zu knabbern haben.

„Na, wenigstens ist jetzt das ganze Jahr Zeit, dass wir uns um die Umbauten kümmern können. Der Motor wird gerade generalüberholt (ein Aggregat vom Jetski Kawasaki 900 ZXI, Baujahr 1992, 135 PS, die für 150 km/h sorgen – d. Red.). Mal sehen, wie wir das finanziell geregelt kriegen. Zudem müssen, nachdem wir im Boot den Schwerpunkt nach hinten versetzt haben, der Sitz wieder rein und die Abdeckhauben neu angepasst werden. Denn“, sagt Mehnert mit Nachdruck, „ich kann zwar 2014 nicht an den Start gehen, aber das heißt nicht, dass ich aufhöre!“

Die Botschaft wird seine zahlreichen Mitstreiter erfreuen. Zum Beispiel Michael Krebs, Conférencier der Rennen in Dessau und auf der Kriebstein-Talsperre, der sich via Facebook so äußerte: „Nutze die inaktive Zeit, um dich gesundheitlich und auch materiell auf eine schöne Saison 2015 vorzubereiten. Mir persönlich wird das markant gelb-blaue Rostocker Boot fehlen. Aber vielleicht kommst du ja ab und an bei mir an der Sprecherstelle vorbei und gibst den Zuschauern die eine oder andere Insider-Auskunft über das Mikrofon.“ Dafür liegt die mündliche Zusage des Exoten von der Warnow bereits vor, der ganz allgemein befriedigt feststellen kann: „Es geht wieder bergauf.“ Womit Bernd Mehnert sein persönliches Befinden ebenso meint wie den Umstand, dass er auf der Messe „Boot+Angeln, Wassersport“ in Egon Bartschat einen neuen Unterstützer gefunden hat.


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