3. Fußball-Liga : Bewegender Abschied von Hansa

Abschied von seinem Verein: Der todkranke gebürtige Rostocker Heinz Gast inmitten der Hansa-Profis
Abschied von seinem Verein: Der todkranke gebürtige Rostocker Heinz Gast inmitten der Hansa-Profis

Der todkranke Heinz Gast konnte gestern noch einmal seine Geburtsstadt und das Ostseestadion besuchen

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18. März 2014, 22:00 Uhr

Einmal noch die Heimat sehen. Einmal noch die steife Brise der Ostsee spüren. Einmal noch einen Blick aufs Geburtshaus werfen. Einmal noch im Ostseestadion „Hansa, Hansa, Hansa“ rufen...

Für den todkranken Rostock-Fan Heinz Gast ging dieser Traum gestern in Erfüllung. „Mein Vater ist schwer krebskrank. Er war vier Wochen im Krankenhaus, ist jetzt seit zwei Wochen in einem Hospiz. Daher wollten wir ihm seinen großen letzten Wunsch erfüllen“, sagt Sohn Ronny. Heinz Gast erhielt deshalb gestern einen Ehrenplatz, durfte das Training der Profis hautnah miterleben. Dass sich die Kicker anschließend für ein Erinnerungsfoto Zeit nahmen, war selbstverständlich. „Wir sind hier einfach hergefahren, hatten uns nicht angemeldet. Das ist schon viel mehr, als wir erwartet hatten“, so Ronny Gast.

Doch damit war es längst noch nicht genug. Der FC Hansa öffnete für seinen treuen Fan anschließend die Türen zum Stadion. Die Faust emporgestreckt und mit „Hansa, Hansa“-Rufen wurde Heinz Gast auf die Tribüne geschoben, ehe er kurze Zeit später im Innenraum winkend Abschied vom Ostseestadion nahm und sich mit seinen Betreuern auf seine wohl letzte Reise zurück nach Holland begab.

Heinz Gast wurde in Rostock geboren, verließ aber 1992 wegen der Arbeit die Hansestadt und siedelte in die Niederlande um. Vergessen hat er seine Herkunft in all den Jahren jedoch nicht. Gestern nun hatte er die Gelegenheit, sich nicht nur von Hansa, sondern auch von seiner Heimat zu verabschieden. Unterstützt wurde seine Familie dabei von der holländischen Stiftung „Ambulance Wens“. „Wir erfüllen schwer kranken Menschen ihre letzten Wünsche. Im vergangenen Jahr waren es knapp 1300“, berichtet Chauffeur Thijs Geuze. Die medizinische Betreuung übernimmt sein Kollege Hees Mertens. „Die Menschen haben verschiedenste Wünsche. Wir waren wegen der Berge schon in der Schweiz oder zuletzt auch in Polen. Heute sind wir eben hier in Rostock“, so Geuze.

Das Duo zeigte seinem „Fahrgast“ unter anderem die Große Wasserstraße in der Östlichen Altstadt, in der er geboren wurde. Und eben auch das Ostseestadion, die heutige DKB-Arena. Zuletzt sei Heinz Gast im Mai 2007 beim 3:1 gegen die SpVgg Unterhaching und der anschließenden Aufstiegsfeier bei einem Hansa-Spiel live dabei gewesen. „Das waren damals noch andere, bessere Zeiten“, sagt Ronny Gast, bei dessen Vater vor zwei Jahren Lungenkrebs diagnostiziert wurde, der seit Kurzem auch in den Kopf ausstrahlt. Für einen letzten Besuch in der Heimat nahm er aber noch einmal alle Kräfte zusammen und fuhr anschließend mit einem Lächeln im Gesicht davon.

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