Rostocker erfolgreich im Surfen : „Auf dem Wasser bist du einfach frei“

León Klütsch beim Wellenreiten
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León Klütsch beim Wellenreiten

Der Rostocker León Klütsch hat eine spezielle Leidenschaft – das Wellenreiten. Bei der Dänischen Surftour siegte er jüngst als erster Deutscher bei den Junioren

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02. Januar 2018, 12:00 Uhr

Mit dem Surfbrett unterm Arm watet León Klütsch durch das Wasser, taucht bei der nahenden Welle unter und erscheint kurze Zeit nachdem sie gebrochen ist wieder an der Oberfläche auf. Auf seinem Brett liegend paddelt er durch das kühle Nass. Irgendwann kommt er zum Stehen, setzt sich auf das weiße Brett und wartet – auf die perfekte Welle. „Man freut sich auf jede Welle. Wenn man dann eine gute erwischt hat, freut man sich mega und ist einfach nur scharf darauf, die nächste zu nehmen. Außerdem kann man da draußen auf dem Wasser komplett seinen Kopf frei machen – und du bist dann einfach frei“, sagt der 17-Jährige.

Woher er weiß, dass eine Welle die richtige ist? „Nach ein paar Jahren hat man ein Auge dafür und hat es im Gefühl, ob sie gut läuft und genügend Druck hat.“ Denn jede Welle hat einen einzigartigen Punkt, an dem sie bricht. „Man muss dann dahin paddeln, wo sie vermutlich perfekt bricht. Das Erlebnis vom Wellenreiten ist zwar recht kurz, aber diese Sportart hat etwas ganz Außergewöhnliches. Es ist ein Lebensstil und nicht nur einfach eine Disziplin.“

León Klütsch beim Wellenreiten
thomaskluetsch.com
León Klütsch beim Wellenreiten
 

Eine Familie im Surf-Fieber

Ein besonderes Talent, dass nicht nur seinem Vater Thomas, der wie seine Frau Anja Gefallen am Windsurfen hat, aufgefallen ist, sondern auch seinem ersten Surf-Lehrer während des Sommerurlaubs in Portugal. Danach führten die Ferien Familie Klütsch an „surfbare“ Küsten – vorzugsweise in das südeuropäische Land am Atlantik.

In Rostock ist León Klütsch schließlich nur einer von wenigen Surfern, die diese Disziplin leidenschaftlich betreiben. Seit seinem sechsten Lebensjahr ist er hin und weg von den tosenden Wellen. „In Warnemünde bei der Fährwelle habe ich es zum ersten Mal ausprobiert. Mein Vater hat mich damals einfach reingeschoben – und ich fand es direkt cool.“

Zur Person: León Klütsch

Name: León Klütsch
Jahrgang: 2000
Spots: an der Algarve in Portugal; französische Atlantikküste; spanische Atlantikküste; Klitmoller, Agger, Norre, Dänemark; Ostsee
Im Internet: www.leonkluetsch.de

Hintergrund: Surfen versus Windsurfen

Das Wellenreiten ist die klassischste Form des Surfens, bei der die Athleten nur mit einem Brett ins Wasser steigen. In der World Surf League geht es für die weltweit besten Athleten bei allen elf Saison-Events über mehrere Runden darum, die Gegner in einem K.o.-System auszustechen. Jede Welle wird von unabhängigen Juroren bewertet – der Maximalwert ist zehn. Wichtig sind Schwierigkeitsgrad, Geschwindigkeit, Durchfluss und die Kombination verschiedener Manöver.

Abgesehen davon gibt es innerhalb des Segelsports auch noch das Windsurfen. Größter Unterschied zum klassischen Surfen ist, dass die Windsurfer auf ihren Brettern noch ein Segel nutzen.

Während es zu Anfang noch schwer war, geeignete Surfbretter zu finden, arbeitet León mittlerweile mit einem Hersteller aus Frankreich zusammen, der dem 1,86 Meter großen Rostocker ein maßgefertigtes Brett von 6,2 Fuß (umgerechnet etwa zwei Zentimeter größer als León) erstellt hat.

Die Angst, vom Bord zu fallen, musste er dabei schnell ablegen. „Jedes Mal, wenn du ein neues Manöver neue Tricks ausprobierst, landest du im Wasser, schluckst dann auch mal Wasser – das ist ganz normal“, sagt er mit einem Lachen. Die Übungen sind wichtig, um bei Wettkämpfen und Touren Punkte zu ergattern. Dazu gehören Drehungen, Sprünge oder auch durch eine Welle durchzufahren (Tube oder auch Barrel genannt). „Das ist noch mal ein besseres Gefühl, als normal zu surfen. Es ist Wahnsinn, die Welle über dir zu sehen und mit den Fingern zu berühren“, gesteht León Klütsch.

Tägliches Training gehört eben auch dazu, das weiß der Abiturient genau. Wenn es in Rostock gut läuft, kommt er zweimal in der Woche aufs Wasser. „Mit dem Neoprenanzug macht einem die Kälte im Winter auch keine Probleme.“ Aber es gehört noch viel mehr dazu: Mehrmals in der Woche trainiert León Klütsch in der Rostocker Laufhalle, um an seiner Kondition und Kraft zu arbeiten. „Es ist eine große Anstrengung, gegen das Wasser anzupaddeln“, erklärt er.

Seine Leidenschaft zum Wellenreiten bringt León Klütsch an die Küsten von Portugal, Spanien, Frankreich oder auch Dänemark.
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Seine Leidenschaft zum Wellenreiten bringt León Klütsch an die Küsten von Portugal, Spanien, Frankreich oder auch Dänemark.
 

Ein Nervenkitzel, der nie vergeht

Die Ostsee zählt nicht zu seinen Lieblings-Surf-Orten, gesteht der Abiturient. „Die Ostsee ist viel kleiner, das ist der Hauptgrund dafür, dass die Wellen schlechter sind“, erklärt er. Denn auch der Abstand zwischen den Wellen sei an der Rostocker Küste nicht agil genug zum Surfen. Die besten Surf-Gebiete in Europa gibt es in Portugal und Frankreich, weiß der Rostocker. Seine höchste Welle war gut vier Meter groß. Jedoch komme es viel mehr auf den Druck und den Abstand zwischen den Wellen an. „Dennoch hat man Respekt, dieser Nervenkitzel geht nie weg.“

Sein bisher größter Erfolg war der Sieg bei der Gesamtwertung im Juniorenbereich der offiziellen Dänischen Surftour – als erster Deutscher –, und er konnte sich auch als einziger Fahrer der Junioren bei der Mens-Open-Wertung für das Halbfinale qualifizieren.

Pazifik-Küste das nächste große Ziel

Wenn er sein Abitur geschafft hat, möchte der 17-Jährige ins Ausland. „Anfang Herbst möchte ich die Küsten von Neuseeland, Australien oder Bali erkunden.“ Für den jungen Surfer wäre es das erste Mal, dass er aus Europa rauskommt. Dort erwarten ihn nicht nur andere Temperaturen, sondern auch Korallenriffe, die für gefährlichere Bedingungen sorgen. „Das wird noch mal eine ganz andere Erfahrung werden. Dort wird es wahrscheinlich noch konstantere und bessere Wellen geben“, sagt León Klütsch.

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