zur Navigation springen

Public Viewing #GERITA : Von Omas im Sturm und Spaghetti auf der Freilichtbühne

vom

Die deutsche Nationalmannschaft zieht nach Elfmeterschießen ins Halbfinale ein: Schweriner Fans bangten und zitterten – und feierten ausgiebig trotz Regen

Um 23.48 Uhr Ortszeit ist es endlich soweit: Jonas Hector verwandelt   den entscheidenden Elfmeter gegen Gianluigi Buffon – sämtliche Dämme, wildfremde Menschen liegen sich in den Armen. Deutschland zieht ins Halbfinale der Europameisterschaft 2016 in Frankreich ein. Doch bis die Schweriner „Oh, wie ist das schön“ anstimmen und mit ihren schwarz-rot-goldenen Fähnchen schwenken konnten, war es ein langer und harter Weg.

Ein Minutenprotokoll: Gegen 20.30 Uhr kommt die deutsche Mannschaft in Bordeaux auf den Platz zum Warmmachen – auf der Freilichtbühne trudeln immer mehr Fans   ein. Die rund 1500  Bundestrainer diskutieren die Aufstellung Löws: „Wo du Kimmich hinstellst, ist egal – der ist ja eh immer gut!“ 

Anpfiff: Anstoß zu einer ziemlich faden ersten Halbzeit. Die ersten zehn Minuten sind hier und in Frankreichgeprägt von einer gewissen Zurückhaltung. Einzig die jungen Fans schwenken unbekümmert ihre Deutschland-Fahnen. Sinnbildlich  der erste Applaus auf der Freilichtbühne: Khedira muss raus, Schweinsteiger kommt. Doch schon gibt es erste Sorgen um den Kapitän: „Nicht, dass er sich verletzt, wenn er sich die Binde um den Arm legt...“

Dann ist es endlich soweit: Als Schweinsteiger einköpft rumpeln alle  auf und jubeln, als gäbe es kein Morgen mehr.  Stop, Kommando retour. Foul/Abseits vom Kapitän mit der Nummer 7, alles zurück auf Ursprung.

Bis zur Halbzeit verlagern sich die Gesprächsthemen auf andere Gebiete: „Giaccherini, der klingt doch, wie etwas zu essen.“ – „Ja, stimmt: Spaghetti Giaccherini.“ Von Spaghetti fehlt hier jede Spur. Einzig eine Crepês-Bude bringt etwas französisches Flair an die Freilichtbühne.

Kurz vor dem Pfiff zur Pause sind sich die Trainer auf der Freilichtbühne  in der Stürmerfrage einig: Jogi Löw hätte sich statt Gomez, Götze und Müller besser mal in der Schweriner Seniorenlandschaft umschauen sollen: Kollektive „Den hätte ja meine Oma gemacht!“-Rufe.

Halbzeit, Durchschnaufen. Während  Löw die  Mannschaft neu ausrichtet, nutzen die Schweriner die Pause, um das alte Bier sozusagen wegzubringen und sich ein neues zu holen.

Anstoß zur zweiten Halbzeit. Pünktlich mit dem Pfiff  beginnt es an der Freilichtbühne zu regnen. Viele Fans nutzen den Bierausschank als Unterstand, die Reihen lichten sich; zumindest hier: „Die Deutschen wären froh, wenn sie auf dem Platz jetzt solche Freiräume hätten.“ Genauso wie der Regen hier plätschert das Spiel dort dahin. Bis zur 64. Minute: Als Özil Hectors passgenaues Zuspiel verwertet, kann man die Last von vielen Schultern fallen hören. Tor! Endlich. Schwerin tanzt im Regen, Jung und Alt feiern  den Führungstreffer wie den vorzeitigen Gewinn der EM. Doch die Antwort der Italiener  lässt Ernüchterung einkehren:  Bonucci verwandelt den fälligen Strafstoß.

Abpfiff, Durchschnaufen. Pünktlich zur Verlängerung hat es zu regnen aufgehört. Beide Mannschaften knüpfen die nächsten 30 Minuten da an, wo sie aufgehört haben.  Und so kommt es, wie es kommen muss. Elfmeterschießen: Verzweiflung, Schadenfreude, Bangen und Hoffen. Und dann: Erleichterung! Hector trifft. Sitznachbarn umarmen sich und  singen, dass man so etwas mehr schon lang nicht mehr gesehen hätte – zwar nicht schön, aber laut. Nun heißt es regenerieren, für Mannschaft und  Fans. Donnerstag will schließlich wieder philosophiert und gefeiert werden. Gegen wen? Ist egal.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Jul.2016 | 20:47 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen