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Ironman Hawaii : Die Eisenharten mit der Lust am Leiden

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Aus der Onlineredaktion

Michael Kruse und Heinz Galling standen beide den Ironman durch und drehten 1997 einen Film über den Hawaii-Triathlon: Kruse als Starter, Galling als TV-Mann

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erstellt am 14.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Wenn heute um 18.35 Uhr in Kailua-Kona auf Hawaii der Startschuss für die Ironman-WM der Triathleten fällt, dann fiebern – und leiden – im rund 11  800 Kilometer entfernten Schwerin zwei besonders mit: der von seiner NDR-Angelsendung „Rute raus, der Spaß beginnt“ bundesweit bekannte Fernsehjournalist Heinz Galling (57) und Extremsportler Michael Kruse (51).

Beide haben sie diese extreme Herausforderung auf der anderen Seite der Erdkugel selbst schon gemeistert. Kruse viermal (1996, 1997, 1998 und 2000 – 2002 gab er verletzt auf) und mit 9:55 Std. im Jahre 1998 und „einem Platz so um die 150“ als Top-Resultat.

Galling erreichte bei seinem einzigen Hawaii-Start 1987 das Ziel, fast auf den Tag genau vor 30 Jahren, als Triathlon in deutschen Landen noch in den Kinderschuhen steckte und in der DDR noch als Ausdauerdreikampf bei der GST angedockt war. „In 10:58 wurde ich 286. unter 1386 Startern, gehörte damit zu den besten Deutschen. Und das Finisher-Shirt passt mir heute noch“, sagt Heinz Galling stolz.

Zehn Jahre später, 1997, waren dann beide gemeinsam auf Hawaii, verewigt in der 45-minütigen TV-Reportage „Eisenhart – die Lust am Leiden“, die beim NDR-Mitschnittservice bestellbar ist. Von ihrer Zusammenarbeit, die schon im Winter zuvor begann und alle Phasen der Vorbereitung abdeckte, schwärmen beide noch heute, besonders von dem großen Tag selbst. „Mein Kamerateam und ich hatten zehn Stunden hochkonzentriert zu arbeiten und dabei wohl fast so viel Schweiß vergossen wie Micha“, sagt der TV-Mann.

Die erste Schwierigkeit ergab sich nach dem Schwimmen. Bei 1400 Startern, die aus den Fluten des Pazifik steigen – wo findest du deinen? „Da brauchst du eine ungefähre Richtzeit, dass das klappt“, sagt Galling. Kruse ging von 1:07 Std. als Schwimmzeit aus. Eine Minute früher hatte er den Kailua-Pier erreicht und fast eine Punktlandung hingelegt. „Ich war 1:09 geschwommen“, erinnert sich Galling. „Aber ohne Neoprenanzug, was Deine Zeit noch zusätzlich aufwertet“, sagt Kruse.

Nach dem ersten Wechsel hätten die TV-Leute dann eigentlich eine sehr lange Pause gehabt. Als kleinem Team war ihnen das Befahren der Radstrecke verwehrt. Wie sie trotzdem raufkamen, kann Heinz Galling heute lächelnd erzählen. Es ist ja längst verjährt. Bei Nacht und Nebel – okay, der Nebel ist erfunden, für solch ein freches Bubenstück gehört Nebel aber einfach dazu – also bei Nacht und Nebel kratzten sie von einem fremden Auto den entsprechenden Aufkleber ab und klebten ihn sich an die Scheibe. „Der andere erhielt bestimmt einen neuen. Und wir konnten genau neben Micha herfahren und ihn unterwegs sogar interviewen“, erzählt Galling schmunzelnd.

Für diese Parallelfahrt mit Interview erhielt Kruse eine Zeitstrafe. Aber sei’s drum, einen Rekord wollte er ohnehin nicht aufstellen. Durchkommen hieß die Devise. Das war schwer genug. Hitze und Wind auf Hawaii sorgen generell dafür, dass alle pauschal eine Stunde mehr veranschlagen als anderswo.

„Nach dem Wendepunkt blasen dir auf der zweiten Hälfte der 180 Rad-Kilometer durch die Lava-Wüste die Ho'o-Mumuku-Winde entgegen. Du hast das Gefühl, als hielte dir jemand einen heißen Fön vors Gesicht. Du kriegst kaum Luft und musst jede Menge trinken“, beschreibt Michael Kruse.

Ein echter Scharfrichter sei der „Energy lap“, ein Kringel beim abschließenden Marathon. „Während du sonst in der Regel bei etwa 40 Grad unterwegs bist, erwischen dich dort 50 Grad. Und der weichgewordene Asphalt wirkt wie eine Dunstglocke“, schildert Kruse die Leiden.

Leiden, die auf Hawaii einfach dazugehören und die sich beide trotz allem gern ins Gedächtnis rufen. Denn gerade dies schweiße alle, ob Profi oder Amateur, zusammen. „Gemeinsam mit den Besten leiden, das ist das besondere Hawaii-Feeling“, umschreibt es Heinz Galling. „Du stehst Seite an Seite mit den absoluten Topstars, man kommt sich unterwegs entgegen, klatscht sich ab. Alle mit dem gleichen Ziel: Diese Tortur durchstehen! Das ist einmalig.“

So einmalig, dass beide nicht genug vom Ironman bekommen konnten. Während Michael Kruse wie gesagt noch dreimal startete, kehrte Heinz Galling für eine weitere Reportage zurück auf die Inselgruppe, auf der es einem alten Schlager zufolge kein Bier geben soll. Humbug, wie wir spätestens seit „Magnum“ wissen.

Eine tolle Story hatte Galling 2011 gelockt. Ihr Hauptsponsor, eine US-Schuhfirma, hatte damals für die Raelert-Brüder Andreas und Michael eine Prämie von 1 Million Dollar ausgelobt, sollten sie Weltmeister und Vize werden. Da sich Michael im Vorfeld verletzte, war die Story früh gestorben. Die Reportage nicht – aber die wurde zum kreuzgefährlichen Abenteuer. In der Woche vor dem Wettkampf filmten die TV-Leute das Radtraining von Andreas Raelert. Der Kameramann drehte bei offener Klappe im Kofferraum sitzend. Plötzlich kam ein Auto aus einer Nebenstraße. „Ich musste bremsen, es ging gar nicht anders“, berichtet Heinz Galling. Raelert hingegen konnte nicht mehr bremsen. Ins Auto fliegend, rammte er den Kameramann zu Boden. „Andi hat sich dabei nichts getan“, staunt Galling noch heute und gesteht: „Da hatten wir Schwein. Es hätte für Andi auch das Karriereende bedeuten können.“

Ob das Ende ihrer eigenen Hawaii-Karrieren schon hinter ihnen liegt, können die Protagonisten von 1997 nicht sagen. Bei Michael Kruse ist nichts ausgeschlossen, den hat bisher noch jedes Abenteuer gereizt, ob unter Tage, im sibirischen Frost oder als Dreifach-Marathon in der Wüste. „Und du hattest ja mal gesagt, es mit 60 nochmal wagen zu wollen“, erinnert er den Freund.

Der windet sich ein bisschen. „Vor zwei Jahren habe ich auf Rügen noch einmal einen 70.3-Triathlon absolviert. Den kann man gerade noch so schaffen, wenn man nicht viel Zeit hat“, sagt er. „Aber nochmal Hawaii…?“

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